Hermine Mandl Weblog


Psychosomatische Medizin – kurz und gut erklärt.

Dr. Cora Stefanie Weber, Oberärztin der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie, Charité an der Universitätsmedizin Berlin, erklärt in einem DW-Expertengespräch auf einfache und verständliche Weise, womit sich Psychosomatische Medizin befasst.

Der Mensch kann seine kognitiven Fähigkeiten bewusst beeinflussen – dazu zählen u.a. Aufmerksamkeit, Erinnerung, Lernen, Kreativität, Planen, Orientieren, Imagination, Argumentation, Introspektion, Wille.

Im Gegensatz dazu haben wir auf unser autonomes Nervensystem (ANS) keinen direkten Einfluss. Dieses kontrolliert lebenswichtige Funktionen („Vitalfunktionen“) wie Atmung, Verdauung und Stoffwechsel sowie einzelne Organe oder Organsysteme. Es spielt bei den sogenannten Zivilisationserkrankungen eine große Rolle, welche in den westlichen Industrieländern häufig vorkommen – darunter Bluthochdruck, Herzinfarkte oder Diabetes.

Wird das autonome Nervensystem durch chronischen oder unbewussten Stress überbeansprucht, so übernimmt der Körper über das autonome Nervensystem die Regie und der Patient entwickelt körperliche Symptome – z.B. wird der Herzschlag beschleunigt, der Blutdruck erhöht und ein tritt Schwindelgefühl auf.

Tipp:
DW-Interview mit Dr. Cora Weber http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=42Ky0DvTSiU

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Werden Kranke arbeitslos oder Arbeitslose krank?

Das deutsche „Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit“ beschäftigte sich 2001 verstärkt mit dem Thema „Arbeitslos – Gesundheit los – chancenlos?“, indem es eine repräsentative Befragung durchführte und die arbeitsamtsärztlichen Gutachten auswertete. Das Ergebnis zeigte, dass Arbeitslose einen deutlicheren Gesundheitszustand im Vergleich zu Beschäftigten aufweisen. Damit im Zusammenhang stellt sich jedoch die Frage: Werden Kranke arbeitslos oder Arbeitslose krank?

Lang andauernde Arbeitslosigkeit verursacht oder verschlimmert psychische Krankheiten. Bisherige Untersuchungen zeigten vor allem, dass ein Wechsel zwischen Erwerbsstatus und Arbeitslosigkeit häufig zu einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit führt; umgekehrt verbessert sich die seelische Befindlichkeit deutlich, wenn Arbeitslose zurück ins Erwerbsleben finden. In neueren Metaanalysen kristallisierte sich nun Folgendes deutlich heraus: Besonders lang andauernde Arbeitslosigkeit kann insbesondere psychische Krankheiten verursachen oder verschlimmern.

Keine Arbeit, dafür jede Menge Stress.
Im Gesundheitsbericht für Deutschland (1998) werden der Arbeitsplatzverlust und die andauernde Arbeitslosigkeit als eigenständige psychosoziale Stressoren erwähnt, die auf verschiedenen Ebenen wirken:

  • Die ökonomische Sicherheit, die soziale Einbindung, das Selbstwertgefühl, die Zeitstrukturierung sowie die externen Anforderungen werden abgeschwächt oder gehen ganz verloren.
  • Durch Alltagsprobleme wie finanzielle Sorgen, Zukunftsunsicherheit und soziale Stigmatisierung sind die Betroffenen zusätzlich belastet.
  • Sozial als unangemessen angesehene Bewältigungsstrategien werden den Betroffenen selbst angelastet.

Psychische Erkrankungen an zweiter Stelle bei Arbeitslosen.
Von über 390.000 Gutachten des Ärztlichen Dienstes der BA über den Gesundheitszustand von Arbeitslosen wurden über 320.000 mit Krankheitsdiagnosen abgeschlossen: Allen voran wurden „Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes“ (40 %) diagnostiziert, gefolgt von „Psychische und Verhaltensstörungen“ (25 %); der Rest verteilt sich breit auf sonstige Krankheitsarten.

Die gefürchteten 3: Arbeitslosigkeit, Armut und Krankheit.
Es zeigte sich, dass die festgestellten Gesundheitsschäden nicht nur die Leistungsfähigkeit der Arbeitslosen beeinträchtigen, sondern damit – verglichen mit den übrigen Arbeitslosen – auch deutlich geringere Wiedereingliederungschancen verbunden sind. Durch den Gesundheitszustand, die Arbeitslosigkeit und die drohende Verarmung sind die Betroffenen mehrfach belastet. Sie geraten häufig in einen Teufelskreis: Arbeitslosigkeit gilt als Hauptrisikofaktor für die Armut und die Armut wiederum wird als größter Risikofaktor für Gesundheit gehandelt. Aus diesem Grund legt der Armuts- und Reichtumsbericht der deutschen Bundesregierung (2001) auch nahe, dem Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheit mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Genauer nachzulesen unter:

U.a. darin zitierte Literatur:

  • Hollederer, A. (2002): Arbeitslosigkeit und Gesundheit: Ein Überblick über empirische Befunde und die Arbeitslosen- und Krankenkassenstatistik. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (Hg.). Mitteilungen aus Arbeitsmarkt- und Berufsforschung MittAB 3/2002, 411-428.
  • Murphy G./Athanasou, J. (1999): The effect of unempolyment on mental health. In: Journal of Occupational and Organizational Psychology, 72, 83-99.
  • Paul, K./Moser, K. (2001): Negatives psychisches Befinden als Wirkung und Ursache von Arbeitslosigkeit: Ergebnisse einer Metaanalyse. In: Erwerbslosigkeit. Zempel, J.; Bacher, J.; Moser, K. (Hg.). Leske + Budrich, Opladen, S. 83-110.
  • Statistisches Bundesamt (Hg.) (1998): Gesundheitsbericht für Deutschland. Stuttgart: Verlag Metzler-Poeschel.


„Freizeitkrankheit“: Krank in der Freizeit.

Von der so genannten „Freizeitkrankheit“ Betroffene entwickeln vorwiegend an den Wochenenden und/oder im Urlaub Krankheitssymptome: Meist sind es Anzeichen wie Kopfweh/Migräne, Müdigkeit, Muskelschmerzen oder Übelkeit, die sich in ihrer Arbeitspause einstellen. Zusätzlich berichten sie im Zusammenhang mit Urlauben und Reisen vom Auftreten viraler Infekte (Grippesymptome, Erkältungen).

Laut den im November 2002 im „Journal of Psychotherapy and Psychosomatics“ veröffentlichten Ergebnissen einer Holländischen Forschergruppe der Tilburg University sind rund 3 Prozent der Bevölkerung von der „Freizeitkrankheit“ betroffen. Unter anderem zeigte die Studie, dass die Betroffenen teilweise über viele Jahre hinweg an den Sympotmen leiden und Stress ein entscheidender ursprünglicher Auslöser der „Freizeitkrankheit“ zu sein scheint. Personen, die in der Freizeit häufig Krankheitssymptome entwickeln, berichten von einer hohen Arbeitsbelastung sowie von einem hohen Verantwortungsgefühl und der Unfähigkeit, sich zu entspannen; der Übergang zwischen Arbeit und Freizeit fällt ihnen schwer und Reisen oder Urlaube sind für sie mit Stress verbunden. Dennoch schätzen auch sie ihre Wochenenden, ihre Freizeitaktivitäten und ihren Lifestyle ebenso sehr wie der Rest ihrer MitbürgerInnen…

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