Hermine Mandl Weblog


Glück kann man lernen…

Schweine 

… sagt Richard Wiseman. Der Psychologe hat sich 10 Jahre lang mit Glücksforschung auseinander gesetzt und ist in dieser Zeit auf folgende vier Grundsätze gekommen:

  • Glückspilze „erschaffen“ zufällige Situationen und erkennen günstige Gelegenheiten. Sie suchen die Abwechslung und versuchen daher immer wieder, ihre tägliche Routine zu unterbrechen, indem sie z.B. unterschiedliche Routen einer Wegstrecke ausprobieren. Interessant ist auch die Variante, sich vor einer Veranstaltung eine Farbe zu überlegen und an diesem Tag nur mit Personen zu sprechen, die Kleidung in dieser Farbe tragen (z.B. Damen in rot, Männer in schwarz). Durch diesen Trick lernt man neue Leute kennen und spricht nicht nur mit den „üblichen Verdächtigen“.
  • Glückspilze treffen günstige Entscheidungen, indem sie ihrer Intuition folgen. Wiseman beschreibt ein Experiment, wo Personen gebeten wurden, die Fotos in einer Zeitung zu zählen. „Pechvögel“ brauchten durchschnittlich zwei Minuten, „Glückspilze“ zwei Sekunden. Warum? Auf der zweiten Seite stand in großen Lettern: „Hören Sie auf zu zählen, es sind 43 Fotos.“ Nur die „Glückspilze“ sahen diesen Hinweis. Wiseman schreibt, er habe sich den Spaß gemacht, nach der Hälfte der Seiten einen weiteren Vermerk zu platzieren: „Hören Sie auf zu zählen. Sagen Sie dem Versuchsleiter, Sie haben das hier gesehen und Sie bekommen $ 250.“ Wieder übersahen die „Pechvögel“ diesen Hinweis: sie waren zu sehr mit dem Zählen der Fotos beschäftigt.
  • Glückspilze kreieren „sich selbst erfüllende Prophezeiungen“, indem sie positive Erlebnisse erwarten. Verwirklichen sie sich, wird diese Einstellung gleichzeitig gefestigt.
  • Glückspilze widersetzen sich dem Pech durch ihre Fähigkeit, schlimme Situationen positiv umdeuten zu können. Rennt es für den „Glückpilz“ einmal nicht so gut, so konzentriert er sich darauf, wie es noch schlimmer hätte kommen können.

Glück hat laut Wiseman auch etwas mit Entspannung zu tun: Wer entspannt ist, befindet sich in einem Zustand gleichschwebender Aufmerksamkeit und kann so günstige Gelegenheiten erkennen und nutzen. Zu den „Pechvögeln“ hingegen zählen sich eher ängstliche Menschen.  

Wer also glücklicher werden möchte, der sollte sich gleich einmal entspannen und sich die oben beschriebenen Grundsätze zu Herzen nehmen, denn die gute Nachricht: Laut Wiseman ist Glück tatsächlich erlernbar: Einen Monat lang mussten Pechvögel „so tun als ob“ und nach den vier Grundsätzen der „Glückspilze“ leben. Das Resultat: 80 %  der TeilnehmerInnen waren danach zufriedener mit ihrem Leben; und glücklicher.

Bleibt mir nur zu sagen: Viel Glück!

Und das Ganze gibts natürlich auch nachzulesen in folgendem Artikel:
Wiseman, Richard: The Luck Factor. Erschienen im Sceptical Inquirer, May/June 2003. 

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Serienmörder oder Präsident?
Oktober 21, 2007, 11:36 am
Filed under: Kindheit, Psyche, Resilienz, Uncategorized | Schlagwörter: , , , , ,

Gelesen und als interessant gefunden:

Im Artikel „Wann wird man wahnsinnig?“(Welt der Wunder, Ausgabe 5/07,  S. 71ff) gabs zu Beginn folgende Geschichte:

Herbert Mullin ist der beliebteste Junge in seiner Klasse. Er wächst auf in einem schmucken Häuschen in Santa Cruz, Kalifornien, in einer Familie, um die ihn seine Freunde beneiden: Seine Mutter bäckt jeden Sonntag Kuchen, und gemeinsam mit seinem Vater unternimmt er regelmäßig Angelausflüge. Als Herbert die Highschool abschließt, wird er von seinen Mitschülern zu demjenigen gewählt, der vermutlich „den größten Erfolg im Leben haben wird“.

Ganz anders verläuft das Leben von William Blythe: Der Junge ist noch nicht einmal geboren, als sein Vater bei einem Verkehrsunfall stirbt. Seine Mutter wird Alkoholikerin – und lädt das Kind kurzentschlossen bei ihren Eltern ab, um sich fortan mit wechselnden Männern zu vergnügen. Als William vier Jahre alt ist, heiratet sie einen Autohändler und fordert ihren Sohn zurück – der Junge wird hineingerissen in einen Sumpf, der geprägt ist von Alkoholexzessen, Prügeleien und Eifersuchtsdramen.

Geschichte geschrieben haben beide Jungen: Herbert Mullin als einer der schlimmsten Serienmörder Amerikas, der mit 25 Jahren in nur vier Monaten 13 Menschen tötete, weil Stimmen es ihm befahlen. William Blythe als der 42. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika – besser bekannt als Bill Clinton.

Geschichten, die das Leben schrieb. Erstaunlich.