Hermine Mandl Weblog


Gedicht: Ich Bin Nicht Ich

Ich bin der,
der mich unsichtbar begleitet,
den ich manchmal aufsuche
und manchmal vergesse.
Der gelassen schweigt, wenn ich rede,
der milde verzeiht, wenn ich hasse,
der hingeht, wo ich nicht bin,
der stehen bleiben wird, wenn ich sterbe.

Juan Ramón Jiménez

(Danke, Günther!)

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Veränderung: immer möglich und immer erstrebenswert?
März 6, 2008, 10:00 pm
Filed under: Arbeit, Forschung, Psyche, Uncategorized | Schlagwörter: , , , , , ,

Der Glaube an Veränderung

Carol Dweck, Entwicklungspsychologin an der Stanford University, fand in ihren Studien heraus, dass Menschen fähig sind, sich zu ändern, wenn sie dies grundsätzlich selbst für möglich halten. Wer glaubt, seine Persönlichkeit und seine Fähigkeiten selbst beeinflussen zu können, ist offener für neue Erfahrungen und riskiert auch mehr. Glaubt ein Mensch hingegen, dass seine Eigenschaften festgefügt und unveränderbar sind, hat er kein Motiv und keinen Ansporn, Neues zu wagen.

Gut für uns: zufrieden mit dem Job, zufrieden mit der Beziehung

Christie Napa Scollon und ihre KollegInnen von der Texas Christian University untersuchten acht Jahre lang 113o Autstralier und fanden dabei heraus, dass jene Menschen, die Gefallen an ihren Jobs hatten, sich im Laufe der Zeit extravertierter und weniger neurotisch verhielten als sie dies zu Beginn der Studie taten. Weiters verhielten sich Personen, die zu Beginn der Studie in einer befriedigenden Beziehung lebten, am Ende der Studie weniger neurotisch, sie waren jedoch gleichzeitig auch weniger außenorientiert.

Über das Positive am Negativen

Aber nicht immer ist Veränderung ausschließlich gut: Ursula Nuber weist in ihrem Artikel „Ein anderer Mensch werden“ auf den wichtigen Punkt hin, dass das, was wir verändern oder loswerden wollen, durchaus auch eine wichtige Funktion haben kann und dass so manche „negativ“ eingestufte Eigenschaft oder „lästige“ Verhaltensweise auch einen tieferen Sinn haben kann. Um das zu verdeutlichen, bringt sie folgendes Beispiel des britischen Wissenschafters Dan Nettle: Viele Wall-Street-Börsenmakler befanden sich vor dem Börsencrash in den 90er Jahren unter dem Einfluss von Antidepressiva, um ihre Ängste zu bekämpfen und ihre Erschöpfung zu verbergen. Dadurch war es ihnen jedoch nicht möglich, angemessen auf den drohenden Zusammenbruch der Märkte zu reagieren. Laut Nettle wäre es für viele Anleger die Rettung gewesen, wenn die Makler neurotischer, pessimistischer und depressiver gewesen wären.
Fazit: Nicht alles Negative ist immer negativ.

Quelle:
Nuber, Ursula: Ein anderer Mensch werden. Psychologie Heute, Dezember 2007, S. 20f.