Hermine Mandl Weblog


Gedicht: Ich Bin Nicht Ich

Ich bin der,
der mich unsichtbar begleitet,
den ich manchmal aufsuche
und manchmal vergesse.
Der gelassen schweigt, wenn ich rede,
der milde verzeiht, wenn ich hasse,
der hingeht, wo ich nicht bin,
der stehen bleiben wird, wenn ich sterbe.

Juan Ramón Jiménez

(Danke, Günther!)



Das Leben (von Mutter Theresa)
September 2, 2010, 3:56 pm
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Das Leben ist eine Chance, nutze sie.
Das Leben ist schön, bewundere es.
Das Leben ist ein Traum, verwirkliche ihn.
Das Leben ist eine Herausforderung, nimm sie an.
Das Leben ist kostbar, geh sorgsam damit um.
Das Leben ist ein Reichtum, bewahre ihn.
Das Leben ist ein Rätsel, löse es.
Das Leben ist ein Lied, singe es.
Das Leben ist ein Abenteuer, wage es.
Das Leben ist Liebe, genieße sie.

(Mutter Theresa)



Gedicht von Erich Fried: Dich
Februar 25, 2009, 8:23 pm
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Dich
dich sein lassen
ganz dich

Sehen
dass du nur du bist
wenn du alles bist
was du bist
das Zarte
und das Wilde
das was sich losreißen
und das was sich anschmiegen will

Wer nur die Hälfte liebt
der liebt dich nicht halb
sondern gar nicht
der will dich zurechtschneiden
amputieren
verstümmeln

Dich
dich sein lassen
ganz dich

Sehen
daß du nur du bist
wenn du alles bist
was du bist
das Zarte
und das Wilde
das was sich losreißen
und das was sich anschmiegen will

Wer nur die Hälfte liebt
der liebt dich nicht halb
sondern gar nicht
der will dich zurechtschneiden
amputieren
verstümmeln

Dich dich sein lassen
ob das schwer oder leicht ist?
Es kommt nicht darauf an mit wieviel
Vorbedacht und Verstand
sondern mit wieviel Liebe und mit wieviel
offener Sehnsucht nach allem –
nach allem
was du ist

Nach der Wärme
und nach der Kälte
nach der Güte
und nach dem Starrsinn
nach deinem Willen
und deinem Unwillen
nach jeder deiner Gebärden
nach deiner Ungebärdigkeit
Unstetigkeit
Stetigkeit

Dann
ist dieses
dich dich sein lassen
vielleicht
gar nicht so schwer.

Quelle (Anm. HM.: die find ich ziemlich genial, weil sie sich als wahrer Schatz entpuppte … unbedingt hinschauen!):
www.erichfried.de



Gedicht von Erich Fried: Nur nicht
Juni 26, 2008, 8:56 am
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Das Leben
wäre
vielleicht einfacher
wenn ich dich
gar nicht getroffen hätte

Weniger Trauer
jedes Mal
wenn wir uns trennen müssen
weniger Angst
vor der nächsten
und übernächsten Trennung

Und auch nicht soviel
von dieser machtlosen Sehnsucht
wenn du nicht da bist
die nur das Unmögliche will
und das sofort
im nächsten Augenblick
und die dann
weil es nicht sein kann
betroffen ist
und schwer atmet

Das Leben
wäre vielleicht einfacher
wenn ich dich
nicht getroffen hätte
Es wäre nur nicht
mein Leben

 

Quelle:
Erich Fried: Als ich mich nach dir verzehrte. Zweiundsiebzig Gedichte von der Liebe. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 18. Auflage Februar 2003, S. 76



Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte…
Juni 18, 2008, 11:50 am
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Wenn ich mein Leben
noch einmal leben könnte, im nächsten Leben,
würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen.
Ich würde nicht so perfekt sein wollen, ich würde mich mehr entspannen.

Ich wäre ein bisschen verrückter als ich gewesen bin,
ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
Ich würde nicht so gesund leben.

Ich würde mehr riskieren, würde mehr reisen,
Sonnenuntergänge betrachten,
mehr bergsteigen, mehr in Flüssen schwimmen.

Ich war einer dieser klugen Menschen,
die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten;
freilich hatte ich auch Momente der Freude,
aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben.

Falls Du es noch nicht weißt,
aus diesen besteht nämlich das Leben;
nur aus Augenblicken, vergiss nicht den jetzigen!

Wenn ich noch einmal leben könnte,
würde ich von Frühlingsbeginn an bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen.
Und ich würde mehr mit Kindern spielen,
wenn ich das Leben noch vor mir hätte.
Aber sehen Sie… ich bin 85 Jahre alt und weiß,
dass ich bald sterben werde.

(Obige Version wurde Jorge Luis Borges zugeschrieben)

Quelle:
u.a. gefunden auf http://heikohaller.de/literatur/augenblicke.html
(Anmerkung HM: kein einheitlicher Titel des Gedichts bei den verschiedenen Quellen)

Dank Geimke habe ich erfahren, dass der Text ursprünglich Nadine Stair zugeschrieben wird. Danke, Geimke!

IF I HAD MY LIFE TO LIVE OVER

I’d dare to make more mistakes next time.
I’d relax, I would limber up.
I would be sillier than I have been this trip.
I would take fewer things seriously.
I would take more chances.

I would climb more mountains and swim more rivers.
I would eat more ice cream and less beans.
I would perhaps have more actual troubles,
but I’d have fewer imaginary ones.
You see, I’m one of those people who live
sensibly and sanely hour after hour,
day after day.

Oh, I’ve had my moments,
And if I had it to do over again,
I’d have more of them.
In fact, I’d try to have nothing else.
Just moments, one after another,
instead of living so many years ahead of each day.

I’ve been one of those people who never goes anywhere
without a thermometer, a hot water bottle, a raincoat
and a parachute.
If I had to do it again, I would travel lighter than I have.

If I had my life to live over,
I would start barefoot earlier in the spring
and stay that way later in the fall.
I would go to more dances.
I would ride more merry-go-rounds.
I would pick more daisies.

Quelle: http://www.omidia.com/thought/p_nadine.html



Gedicht von Eichendorff: Mondnacht
April 22, 2008, 9:51 pm
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Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Joseph von Eichendorff  (1788-1857)

gefunden auf: www.sternenfall.de



Gedicht von Brecht: Morgens und abends zu lesen
März 25, 2008, 10:04 pm
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Der, den ich liebe,
Hat mir gesagt,
Daß er mich braucht.

Darum
Gebe ich auf mich acht
Sehe auf meinen Weg und
Fürchte von jedem Regentropfen
Daß er mich erschlagen könnte.

(Bertolt Brecht)