Hermine Mandl Weblog


25. November: Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen

Am 25. November wird jährlich der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, auch „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“ (engl. International Day for the Elimination of Violence against Women) begangen.

1999 deklarierten die Vereinten Nationen den 25. November als offiziellen jährlichen Gedenk- und Aktionstag zur Bekämpfung jeder Form von Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen. Auslöser war die Entführung, Vergewaltigung und Folterung der Schwestern Mirabel und deren Ermordung am 25. November 1960. Diese wurden in der Dominikanischen Republik vom militärischen Geheimdienst nach monatelanger Folter getötet, weil sie sich gegen den damaligen Diktator Rafael Trujillo zur Wehr gesetzt hatten. Die drei Frauen avancierten zum Symbol für Gewalt gegen Frauen in Lateinamerika.

Aber bereits seit dem Jahr 1981 greifen verschiedene Menschenrechtsorganisationen an diesem Tag das Thema Gewalt an Frauen gezielt auf und fordern die Einhaltung der Menschenrechte gegenüber Frauen und Mädchen sowie eine allgemeine Stärkung von Frauenrechten. In Form von Veranstaltungen werden Themen wie Zwangsprostitution, Sexueller Missbrauch, Sextourismus, Vergewaltigung, Beschneidung von Frauen, Häusliche Gewalt, Zwangsheirat, vorgeburtliche Geschlechtsselektion, weibliche Armut, Femizid etc. thematisiert. Außerdem sollen Programme unterstützt werden, die sich ausdrücklich für eine Gleichstellung von Frauen gegenüber Männern einsetzen; etwa im Bereich Erbrecht, Bildung, Privateigentum, aktives und passives Wahlrecht, Kreditwürdigkeit, Rechtsfähigkeit und das Sichtbarmachen von unbezahlter Arbeitsleistung.

Quellen:
Bundeszentrale für politische Bildung, 25.11.2010
Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen auf Wikipedia, 25.11.2010

Advertisements


Soziale Netze: Tau oder doch nur seidener Faden?

Netzwerke schrumpfen in Krisenzeiten

Forschungen haben gezeigt, dass die sozialen Netze rissig werden und sogar auseinander reißen, wenn ein Mensch erkrankt. Aber warum? Psychologen suchen nach Erklärungen für dieses Phänomen und vermuten, dass ein Grund dafür sein könnte, dass Personen eines Netzwerkes sich grundsätzlich ähneln. Daher könnte die Erkrankung eines Mitgliedes eine große Bedrohung für den Rest darstellen. – Dies führt dazu, dass die Lebensphilosophie der Gruppe durch die Krankheit infrage gestellt wird; das „unähnlich“ gewordene Mitglied wird also kurzerhand aus dem Netzwerk ausgeschlossen. Andere Erklärungsmodelle für dieses Phänomen sprechen von Berührungsängsten oder sich nicht zuständig fühlen. Beobachtet wurde auch der Rückzug aus Angst vor Ansteckung im Falle mancher Krankheiten.

Größe und Verlässlichkeit eines sozialen Netzwerks beeinflussen den Gesundheitszustand

Die Münchner Soziologin Martina Eller untersuchte die sozialen Beziehungen von rund 1000 Diabetikern und stellte fest: Die Sozialkontakte verringern sich, wenn jemand krank wird und je kleiner das soziale Netz wird, desto schlechter ist der Gesundheitszustand eines Diabetikers. Eller fand weiters heraus, dass man zwar aufgrund des Alters und des Geschlechts keine Vorhersage auf den Gesundheitszustand machen kann, sehr wohl jedoch aufgrund der Größe und Verlässlichkeit des sozialen Netzwerks: Wer ein großes soziales Netz hat, ist vier bzw. acht Jahre später in einem besseren Gesundheitszustand als jene Personen, die von Beginn an ein kleines soziales Netzwerk hatten.

Zahlreiche Studien untermauern die Erkenntnis, dass soziale Isolation das Gesundheitsrisiko steigert: Personen, die sich sozial unterstützt fühlen, leben gesünder, zufriedener und länger; im Gegensatz dazu sind einsame Menschen einem höheren Krankheits- und Sterberisiko ausgesetzt, so die Quintessenz der bisherigen Forschungen.

Die unauffällige Unterstützung als bessere Hilfe

Die Psychologin Beate Dietzen von der Universität Zürich gilt als Expertin für biopsychologische Netzwerkforschung. Sie betont, dass hilfsbedürftige Menschen sich nicht abhängig fühlen möchten und es für sie lediglich wichtig ist, dass jeman da ist und dass ihnen Hilfe nicht aufgedrängt wird. – Ein Zuviel an Unterstützung kann sogar in einer Lose-Lose-Situation münden: Der Helfer fühlt sich überfordert und der Hilfsbedürftige schuldig.

Der Glaube an ein soziales Netz setzt positive Kräfte frei

Entscheidend ist laut Psychologen nicht, wie viel einem Menschen tatsächlich geholfen wird, sondern die Überzeugung, im Notfall auf sein Netzwerk bauen zu können. Die Hilfsbereitschaft des Netzes wird jedoch von zwei Gruppen häufig überschätzt: von Menschen mit einem hohen Selbstbewusstsein sowie von Personen, die bisher noch keine Notsituation erleiden mussten.

Hinterfragen erwünscht: Sinngewinn durch Skepsis

Der Psychologe Neil Krause führte mehreren Längsschnittstudien durch und fand dabei heraus, dass ein kritisches Nachfragen von Netzwerkmitgliedern bzw. ein Widersprechen zumindest älteren Menschen dabei hilft, einen tiferen Sinn in ihrem Leben zu erkennen. Damit ein Netzwerk also tatsächlich praktische Lebenshilfe leisten kann, sollte es sich nicht nur aus Ja-Sagern zusammensetzen: Zwar ist gutes Zureden wichtig, ein skeptisches Nachfragen erwies sich jedoch als noch wichtiger.

Soziale Netze schützen vor Stress

Menschen, die sozial unterstützt werden, produzieren einerseits weniger Kortisol im Körper, als Menschen die nicht unterstützt werden, und schütten andererseits vermehrt das Hormon Oxytocin aus. Letzteres führt zu einem hohen Einfühlungsvermögen und einer niedrigen Aggressivität und wird zum Beispiel während einer Schwangerschaft verstärkt produziert. Psychologen fanden heraus: Wer viel Oxytocin im Körper hat und zugleich sozial unterstützt wird, reagiert besonders gelassen auf Stress.

Bei Aidskranken zeigte sich jedoch auch ein negativer Zusammenhang zwischen dem Grad der Unterstützung und dem Gesundheitszustand. Eine mögliche Erklärung dafür: Es kostet viel Kraft, ein Netzwerk zu unterhalten und zu pflegen – Kraft, die Aidskranke nicht haben. Daher kann die Beziehungspflege mitunter auch zur Last werden.

Männer unterstützen instrumentell, Frauen emotional

Forschungen zeigten auch, dass Männer von sozialen Netzwerken stärker profitieren als Frauen. Warum? Männer unterstützen, indem sie Ratschläge geben oder Informationen einholen, Frauen hören zu und bringen ihre Wertschätzung zum Ausdruck. Die Annahme lautet, dass Männer zwar unterstützen wollen, ihre Äußerungen von Frauen jedoch eher als Forderung oder Ermahung wahrgenommen werden. Die Ratschläge der Männer bewirken in der Folge eher, dass Frauen sich unter Druck gesetzt fühlen. Anders bei Frauen: Die Forschungen der Psychologen Larua M. Glynn und Nicholas Christenfeld der University of California ergaben, dass nur die weibliche Unterstützung die Stressreaktionen von Studienteilnehmern verringern konnte. Es ist demnach jeder gut beraten, Frauen in seinem Netzwerk zu haben!

Die Kardinalfrage: Unterstützen, aber wie?

Am meisten scheinen Menschen von einer kritisch-wohlwollenden Begleitung zu profitieren, es kann jedoch kein Rezept gegeben werden, welche Art von Unterstützung positiv wirkt und welche nicht. Alles hängt letztendlich davon ab, was der Hilfsbedürftige wünscht und will.

Oft muss der Helfer gar nichts tun – es reicht, da zu sein: Soziale Unterstützer sind dann besonders erfolgreich, wenn sie fast nichts tun, nur ab und zu unsere Hand berühren und unser Handeln nicht bewerten. Dementsprechend gehören auch Haustiere in unser soziales Netzwerk und können durchaus heilsam wirken.

 

Quelle:

Westerhoff, Nikolas: Geborgenheit oder Einengung: Wie wichtig sind soziale Netze?, Psychologie Heute, Juni 2008, S. 21-25



So bleiben Frauen „gesund“: Sie halten durch. (Männer auch.)
November 26, 2007, 4:49 pm
Filed under: Gesundheit / Krankheit, Uncategorized | Schlagwörter: , , , ,

In den Alltagstheorien über Eigenschaften von Frauen, mit Gesundheit, Belastungen und Krankheiten umzugehen, zeichnen sich Frauen scheinbar durch eine „Durchhaltestrategie“ aus: Aufgrund ihrer Belastungen durch die Familie und der ständigen Notwendigkeit, für die Kinder, den Mann und im Haushalt präsent zu sein, seien Frauen gezwungen, in alltäglichen und sie belastenden Lebenssituationen durchzuhalten, d.h. nicht krank zu werden, sich ihrem Unwohlsein nicht hinzugeben, nicht aus der Situation auszubrechen. (158f)   

Literatur:

Maschewsky-Schneider, Ulrike, Sonntag, Ute, Klesse, Rosemarie, Brinkmann, Marita, Gesundheitsförderung für Frauen = Frauengesundheit? In: Paulus, Peter (Hg.), Prävention und Gesundheitsförderung. Perspektiven für die psychosoziale Praxis. Köln 1992 : GwG-Verlag, S. 151-162

Diese „Gesundheitsstrategie“ beobachte ich tatsächlich häufig in meinem Umfeld. Aber nicht nur bei Frauen. Die meisten Menschen schaffen es, sich gleichzeitig „zu wichtig“ und „zu unwichtig“ zu nehmen: Zu wichtig, denn sie glauben, ohne sie bricht die Welt zusammen. Zu unwichtig, denn wie selbstverständlich gehen sie über ihre persönlichen Bedürfnisse hinweg. Das finde ich „krank“ und „bedenkenswert“.