Hermine Mandl Weblog


Prägende Kindheitsentwicklungen: Der Triangulierungskonflikt.
November 5, 2007, 2:56 pm
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Ab dem dritten Lebensjahr kommt es zu einer Weiterentwicklung des Autonomie-Konflikts und das Kind kann erstmals verschiedene, alternative Zweierbeziehungen zur gleichen Zeit erleben. Dies wird als triadische Beziehungsstruktur bezeichnet.

Loyalitätskonflikt: Vatersehnsucht und die dadurch ausgelöste Angst, die Mutter zu verlieren.  

In dieser Phase braucht das Kind die Anwesenheit, Zuwendung und das Interesse einer dritten Person neben der Mutter. In ihm entsteht eine präödipalen Vatersehnsucht, welche sich dadurch ausdrückt, dass das Kind sich von der Mutter ab- und dem Vater als alternativer Bezugsperson zuwendet. In diesem Spannungsfeld zwischen Abwendung und Festhalten entsteht im Kind ein Loyalitätskonflikt, der sich mit der Angst vor Liebesverlust verbindet und der Neigung, Bedürfnisse nach Selbstständigkeit mit Schuldgefühlen zu beantworten. Dieser Konflikt ist der Vorläufer des späteren ödipalen Konflikts.

Die Erkenntnis, dass auch die Eltern eine Beziehung zueinander haben.

Gelöst wird dieser Konflikt durch das Erleben, dass die Beziehung zwischen den Eltern durch die Hinwendung zu einem Elternteil nicht zerstört wird und dass der verlassene Elternteil durch die Liebe zwischen den Eltern geschützt wird. Das Kind lernt die Beziehung zwischen den Bezugspersonen anzuerkennen und entwickelt eine Vorstellung davon, dass eine Beziehung durch eine andere ersetzen werden kann. Es beginnt, trianguläre Beziehungsstrukturen zu leben.

Loyalitätskonflikte bis ins Erwachsenenalter.

Ein Scheitern dieser Phase kann dazu führen, dass ein Mensch auch im Erwachsenenleben immer wieder in Loyalitätskonflikte verwickelt wird, große Angst vor Liebesverlust hat und einen Hass gegenüber den gelebten Beziehungen entwickelt. Er sehnt sich nach alternativen Beziehungen, kann diese jedoch aus Loyalität nicht verwirklichen.

Literatur:

Ermann, Michael (2004): Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Ein Manual auf psychoanalytischer Grundlage. 4. Auflage, W. Kohlhammer GmbH: Stuttgart, S. 50f.

Mentzos, Stavros (2005): Neurotische Konfliktverarbeitung. Einführung in die psychoanalytische Neurosenlehre unter Berücksichtigung neuer Perspektiven. Fischer: Frankfurt am Main, S. 126f.

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Verarbeitung psychischer Konflikte: Der hypochondrische Modus.

Übermäßige Sorge um die eigene Gesundheit

Der hypochondrische Patient ist ständig und übermäßig um seine Gesundheit besorgt, beobachtet sich dauernd und neigt dazu, unbedeutende Beschwerden und Störungen zu lebensbedrohlichen Erkrankungen auszubauen, wobei er von der tödlichen Ernsthaftigkeit seiner Erkrankung überzeugt ist. Im extremen Fall kommt es zu wahnhaften Befürchtungen, die nicht durch Gegenargumente korrigiert werden können. Der Betroffene muss die anderen und vor allem sich selbst ständig von der Richtigkeit seiner Sehweise überzeugen.

Selbstbeobachtung als Ablenkungsmanöver vor zwischenmenschlichen Konflikten

Wie andere Konfliktverarbeitungsmodi ist auch die Hypochondrie eine Abwehrreaktion: Der Hypochonder benutzt die intensive und krankhafte Selbstbeobachtung dazu, um konfliktträchtige zwischenmenschliche Situationen zu vermeiden, womit er zugleich die möglichen dadurch entstehenden Angstgefühle verdrängen kann.

Hypochondrie als komplizierte Körpersprache

Bei der Hypochondrie geht es häufig um einen symbolischen Hinweis auf bestimmte Existenzprobleme, auf eine Selbstwert- oder Aggressionsproblematik: Dabei ist Hypochondrie oft eine komplizierte Körpersprache, die eine für den Sender ebenso wie für den Empfänger schwer zu enträtselnde Botschaft enthält.

Das Böse in sich entdecken und auf den Körper auslagern

Der „Feind“ – also das, was der Betroffene nicht sein will – wird im eigenen Körper entdeckt. Der Betroffene identifiziert sich nicht mit seinem Krankheitsbild, sondern überträgt darauf alles, was ihn ängstlich stimmt, was ihm schlimm, aggressiv oder gefährlich erscheint.

Krankheitsgewinn: Vorteile durch Hypochondrie

Mit der Hypochondrie gehen nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile einher: Durch die Krankheit darf der Betroffene Zuwendung einfordern und bekommen; gewisse aggressive Tendenzen können indirekt abführt werden; und die Unannehmlichkeiten direkter Auseinandersetzungen mit Bezugspersonen können vermieden werden.

Literatur: Mentzos, Stavros (2005): Neurotische Konfliktverarbeitung. Einführung in die psychoanalytische Neurosenlehre unter Berücksichtigung neuer Perspektiven. Fischer: Frankfurt am Main, S. 190-195.



Gelesen: Das Drama des begabten Kindes (Reloaded)

Mehr als 15 Jahre nach Erscheinen des Dramas des begabten Kindes (1979) schreibt Alice Miller das Buch Das Drama des begabten Kindes. Um- und Fortschreibungen (1996). Laut eigenen Angaben lässt sie Erfahrungen aus ihrer eigenen Selbsttherapie sowie aus anderen Therapiemethoden einfließen, aber auch die Lebensgeschichten der Leserinnen und Leser einfließen, die ihr in der Zwischenzeit geschrieben haben.

Mein persönliches Fazit: Durch das Lesen dieses Buches erhält jeder Einblicke, warum Menschen so werden wie sie werden – auch ohne große Vorkenntnisse in Entwicklungspsychologie! Sehr sympathisch finde ich, dass Alice Miller sich weigert, ihr umfassendes Wissen hinter Fremdwörtern zu verstecken. Die zahlreichen Fallbeispiele hauchen der Theorie zusätzliches Leben ein. Die Leserinnen und Leser bekommen einen guten Einblick, wie wichtig die erste Zeit nach unserer Geburt ist. Sollte jeder gelesen haben!

 Auszüge aus dem Inhalt:

„Wir können unsere Vergangenheit nicht im geringsten verändern, die Schäden, die uns in der Kindheit zugefügt wurden, nicht ungeschehen machen. Aber wir können uns verändern, uns „reparieren“, unsere verlorene Integrität wiedergewinnen … Dieser Weg ist gewiss unbequem, adoch in vielen Fällen gibt er uns die Möglichkeit, endlich das unsichtbare und doch so grausame Gefängnis der Kindheit zu verlassen und uns vom unbewußten Opfer der Vergangenheit in einen verantwortlichen Mesnchen zu verwandeln, der seine Geschichte kennt und mit ihr lebt.“ (11f)

Miller spricht vom „armen reichen Kind“ (16), das zwar alles, was es anpackt, gut bis hervorragend macht und beneidet wird. Doch wenn die Grandiosität ausbleibt, stellt sich leicht das Gefühl ein, vor irgendeinem Idealbild ihrer selbst versagt zu haben. Es wartet die Depression – ein Gefühl der Leere, der Selbstenfremdung, der Sinnlosigkeit des Daseins.

Miller geht von folgenden Voraussetzungen aus (18):

  • Jedes Kind hat das ureigenste Bedürfnis, beachtet und ernst genommen zu werden – mit seinen Gefühlen, Empfindungen und deren Ausdruck.
  • Damit Eltern ihrem Kind das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit vermitteln können, müssen auch sie in einem derartigen Klima aufgewachsen sein. Wenn das nicht der Fall ist, sind die Eltern selbst bedürftig: Sie suchen ihr ganzes Leben nach etwas, was ihnen ihre Eltern nicht geben konnten – ein Wesen, das ganz auf sie eingeht, sie ganz versteht und ernst nimmt. Dieses Suchen bezieht sich auf die erste Zeit nach ihrer Geburt – einer unwiderruflich vergangenen Situation. Aber bleibt dieses Bedürfnis unbewusst, wird es auf die eigenen Kinder übertragen.

 Die verlorene Welt der Gefühle

Durch die Anpassung an die elterlichen Bedürfnisse entsteht ein „falsches Selbst“ – einer „Als-ob-Persönlichkeit“. Diese drückt sich durch eine Haltung aus, in der ein Mensch nur das zeigt, was von ihm gewünscht wird. Er verschmilzt mit dem Gezeigten. Sein wahres Selbst kann sich nicht differnezieren, es es nicht gelebt werden kann (26). Aus der Schwierigkeit, die eigenen echten Gefühle zu erleben und zu entfalten, kommt es zu einer Permanenz der Bindung, die keine Abgrenzung ermöglicht. Das Kind wird abhängig von den Eltern: Es kann keine eigene Sicherheit aufbauen und hat vor allem die Aufgabe, die Eltern zu bestätigen und diesen Ersatz für die deren fehlende Sicherheit zu geben (27).

Die innere Leere – Depression – ist der Preis, der für die Kontrolle gezahlt werden muss: Das wahre Selbst kann nicht kommunzieren, weil es in einem unbewussten und daher unentwickelten Zustand geblieben ist; in einem inneren Gefängnis (37).

Auf der Suche nach dem wahren Selbst

„Wir sind nicht immer so schuldig, wie wir uns fühlen, und auch nicht so unschuldig, wie wir es gerne glauben würden.“ (33) 

Miller sieht es als „Wendepunkt der Therapie, wenn Menschen zu der emotionalen Einsicht kommen, dass all die „Liebe“, die sie sich mit soviel Anstrengung und Selbstaufgabe erorbert haben, gar nicht dem galt, der sie in Wirklichkeit waren; daß die Bewunderung für ihre Schönheit und Leistungen der Schönheit und den Leistungen galt und nicht eigentlich dem Kind, wie es war. Hinter der Leistung erwacht in der Therapie das kleine einsame Kind…“ (29) Es beginnt ein Trauerprozess, der letztendlich Empathie für das eigene Schicksal ermögicht (30). Menschen in Therapie beginnen, sich zu artikulieren, sind nicht mehr so fügsam. All dies wagt er unter Lebensgefahr, denn aus seiner alten Erfahrung heraus ertwartet und fürchtet er Ablehnung, Zurückweisung, Bestrafung, wenn er sich wehrt und sich für seine Rechte einsetzt. Dieser Moment birgt jedoch auch die Chance, Befreiung zu erleben: Er kann das Risiko aushalten und zu sich selbst stehen (32). Die echten Gefühle werden zunehmend stärker als die Vorschriften der guten Erziehung, es ist jedoch auch eine große Kränkung damit verbunden, nicht nur gut, verständnisvoll, großzügig, beherrscht und vor allem bedürfnislos zu sein, – zumal die bisherige Selbstachtung ausschließlich darauf aufgebaut war (33). Alle Gefühle der Ohnmacht, der Wut und des Ausgeliefertseins werden in der Therapie in einer Intensität erlebt, die früher undenkbar gewesen wäre (36).

„Es ist nicht eine Heimkehr, denn das Heim hat es nie gegeben. Es ist eine Heimfindung.“ (37)

Depression und Grandiosität – Zwei Formen der Verleugnung

Schicksale der kindlichen Bedürfnisse 

„Winnicott: Die Mutter schaut das Baby an, das sie im Arm hält, das Baby schaut das Antlitz der Mutter und findet sich selbst darin…“ (51)

Das Kind hat von Anbeginn an das Bedürnis, von der Mutter  gesehen, verstanden, ernstgenommen und respektiert zu werden. Es ist in den ersten Lebenswochen und -monaten sogar darauf angewiesen, über sie verfügen zu können und von ihr gespiegelt zu werden (51). Optimalerweise bietet die Mutter dem Kind dabei ein freundliches affektives Klima und zeigt Verständnis für die Bedürfnisse des Kindes. Über das Spiegeln kann das Kind ein gesundes Selbstgefühl entwickeln, wobei Miller darunter „die unangezweifelte Sciherheit (versteht), daß empfundene Gefühle und Wünsche zum eigenen Selbst gehören. Diese Sicherheit wird nicht reflektiert, sie ist da, wie der Pulsschlag, den man nicht beachtet, solange er in Ordnung ist.“ (54)

Der Mensch findet seinen Halt und seine Selbstachtung, indem er seine Gefühle leben darf: traurig, verzweifelt, hilfsbedürftig sein darf, ohne Angst haben zu müssen, jemanden damit unsicher gemacht zu haben. Er darf Angst haben, wenn er bedroht wird, darf böse sein, wenn seine Wünsche nicht befriedigt werden. Er weiß, was er nicht und was er will und darf es zum Ausdruck bringen – unabhängig davon, ob er dafür geliebt wird oder gehasst wird (54f).

Das ist der Idealfall. Wenn die Mutter allerdings nicht imstande ist, ihrem Kind zu helfen, wird sie unbewusst mit Hilfe ihres Kindes ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen wollen: In der Beziehung zum Kind fehlen Verlässlichkeit, Kontinuität, Konstanz – und das Kind kann seine Gefühle und Empfindungen nicht erleben. Das Kind passt sich an die Mutter an und entwickelt etwas, das die Mutter braucht. Dadurch kann das Kind zwar überleben, aber es wird nicht es selbst: Es kann seine Bedürfnisse nicht integrieren, sondern spaltet sie ab oder verdrängt sie (55).  

Illusion der Liebe

Depression erweist sich als die Tragik des Selbstverlustes bzw. der Selbstentfremdung, die immer in der Kindheit ihren Anfang nimmt (59). Grandiosität ist die Abwehr des tiefen Schmerzes über den Selbstverlust, der aus Verleugnung der Realität resultiert (59).

Es kommt immer wieder zu einer Koppelung von Grandiosität und Depression (63ff):

  • Grandiosität kann infolge schwerer Erkrankungen, Invalidität oder Alterung zusammenbrechen.
  • Grandiosität und Depression lösen sich gegenseitig in Phasen ab.
  • Die Depression wird an den Partner ausgelagert: Die Illusion der ständigen Zuwendung und der Verfügbarkeit der Eltern kann mittels ununterbrochener außergewöhnlicher Leistungen aufrechterhalten werden. Häufig wird dann ein Ehepartner gewählt, der stark depressive Züge mitbringt oder mindestens in der Ehe die depressive Komponente des Grandiosen unbewusst übernimmt und agiert.

Miller nennt folgende gemeinsame Merkmale von Depression und Grandiosität (66f):

  • ein falsches Selbst, das zum Verlust des wahren Selbst geführt hat
  • Brüchigkeit der Selbstachtung, die dazu dient, das falsche Selbst zu realisieren
  • Perfektionismus
  • Verleugnung der verachteten Gefühle
  • ausbeuterische Beziehungen
  • große Angst vor Liebesverlust und daher eine große Anpassungsbereitschaft
  • abgespaltene Aggressionen
  • Anfälligkeit für Kränkungen
  • Anfälligkeit für Scham- und Schuldgefühle
  • Ruhelosigkeit

Depressive Phasen während der Therapie

  • Depression als Signalfunktion (81f): Ein aktueller Anlass kann den Durchbruch einer Depression ermöglichen, wenn verleugnete Teile des Selbst (Gefühle, Phantasien, Wünsche, Ängste) sich verstärken und nicht durch Grandiosität abgeführt werden können.
  • „Sich überfahren“ (82f): Ein Kind spürt sich im Spiel – ist bei sich – und wird von der Erziehungsperson aufgerufen, etwas „Gescheiteres“ zu tun. Seine im Entstehen begriffene Welt wird überfahren und das Kind reagiert mit einer depressiven Verstimmung als Abwehr. 
  • Mit starken Emotionen „schwanger gehen“ (84): Depressive Phasen halten teilweise wochenlang an, bevor starke Emotionen aus der Kindheit durchbrechen. Folgt ein Ausbruch von Wut, Vorwürfen und Anklagen, die berechtigt sind, tritt große Erleichterung ein.
  • Auseinandersetzung mit den Eltern (84f): Beginnt jemand, sich mit den bisher ins Unbewusste verdrängten Anforderungen seiner Eltern zu widersetzen – aber noch nicht wirklich frei davon sind – dann kann es zu Momenten depressiver Verstimmung kommen. Die Depression kann in diesem Fall ein Ausdruck von sich selbst auferlegter Überforderung sein.

Das innere Gefängnis

Alice Miller (91f): „Die Fähigkeit zu trauern, d.h. auf die Illusion über die eigene „glückliche“ Kindheit zu verzichten und das ganze Ausmaß an erlittenen Verletzungen fühlend wahrzunehmen, gibt dem Depressiven seine Lebendigkeit und Kreativität wieder und kann den Grandiosen von den Anstrengungen und der Abhängigkeit seiner Sisyphosarbeit befreien. Kann ein Mensch, in einem langen Prozeß, erleben, daß er nie als das Kind, das er war, geliebt sondern seiner Leistungen, Erfolge und Qualitäten wegen gebraucht wurde, daß er seine Kindheit für angebliche „Liebe“ geopfert hat, so wier ihn das zu großen inneren Erschütterungen führen, aber er wird eines Tages den Wunsch verspüren, mit seiner Werbung aufzuhören. Er wird in sich das Bedürfnis entdecken, sein wahres Selbst zu leben und sich nicht länger Liebe verdienen zu müssen, eine „Liebe“, die ihn im Grunde doch mit leeren Händen zurückläßt, weil sie dem falschen Selbst gilt, das er aufzugeben begonnen hat.

Die Befreiung von der Depression führt nicht zu einer dauernden Fröhlichkeit oder zum vollständigen Mangel an Leiden, sondern zur Lebendigkeit, d.h. zur Freiheit, spontan auftretende Gefühle leben zu können. Es gehört zur Vielfalt des Lebendigen, daß diese Gefühle nicht immer heiter, „schön“ und „gut“ sien können, sondern die ganze Skala des Menschlichen offenbaren, d.h. auch Neid, Eifersucht, Wut, Empörung, Verzweiflung, Sehnsucht und Trauer. … die Gefühlswelt unserer frühen Kindheit nicht mehr gefürchtet werden muß. Nachdem sie erlebt worden ist, ist sie uns nicht mehr fremd und bedrohlich. Sie ist uns bekannt und vertraut und muß nicht mehr hinter den Gefängnismauern der Illusion verborgen bleiben. Wir wissen, wer und was uns ver-rückt (gemacht) hat, und gerade dieses Wissen macht uns frei. Letztlich auch frei von alten Schmerzen.“

Literatur:

Alice Miller (1996): Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst: Eine Um- und Fortschreibung
Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main.



Gelesen: Wie ruiniere ich meine Beziehung – aber endgültig
Oktober 2, 2007, 4:18 pm
Filed under: Beziehung, Uncategorized | Schlagwörter: , ,

Rainer und Claudia Sachse zäumen in ihrem Buch „Wie ruiniere ich meine Beziehung – aber endgültig“ das Pferd gewissermaßen von hinten auf, indem sie einen „satirischen Ratgeber“ schreiben, wie man seine Beziehung mit Sicherheit ruiniert. Entstanden ist ein kurzweilig zu lesendes Buch voller Beziehungsfehler, dessen Lektüre dem Leser bzw. der Leserin das eine oder andere wissende Nicken entlocken wird.

Anfänger erfahren mehr über die sechs Grundschritte, die eine Beziehung ruinieren:

  1. Nur kein Lob für den Partner.
  2. Der Partner ist selbstverständlich, wichtig sind die anderen.
  3. Die Beziehung immer wieder grundlegend in Frage stellen.
  4. Nicht solidarisch sein.
  5. Die Freiheit des Partners beschneiden.
  6. Keine Grenzen respektieren.

Kann man den beiden Autoren glauben, lässt sich die Effizienz des Beziehungsuntergangs durchaus steigern und zwar mit der richtigen – pardon: falschen – Einstellung, die sogar einen Beziehungscrash garantieren soll. Richtig lustig wird es allerdings bei den unterschiedlichen Spielen für Fortgeschrittene: Der eine oder die andere wird sich während der Lektüre wohl ungewollt als leidenschaftliche Spielerseele wiedererkennen. Aber wie heißt es so schön: Einsicht ist der erste Weg zur Besserung.

Fazit: „Wie ruiniere ich meine Beziehung – aber endgültig“ ist ein kurzweilig zu lesendes Buch, dessen ernsthafter Inhalt mit viel Witz und Humor aufbereitet wurde. Der Vorteil ist auch gleichzeitig der Nachteil, denn etwas schade ist, dass durch den hohen Unterhaltungswert der Lektüre die Ernsthaftigkeit des Themas teilweise untergeht. Aber wer es schafft, während des Lesens umzudenken bzw. weiterzudenken, der kann das Buch tatsächlich als wertvollen Ratgeber nützen und Ideen gewinnen, wo in der eigenen Beziehung vielleicht Renovierungsbedarf sein könnte. Und wer in die Hände spuckt und die Ideen dann auch noch in die Tat umsetzt, kann aus dem vermeintlichen Untergang vielleicht sogar einen Aufstieg machen.

Rainer und Claudia Sachse (2006): Wie ruiniere ich meine Beziehung – aber endgültig 2. Auflage, Stuttgart: Klett-Cotta.