Hermine Mandl Weblog


Psychosomatische Medizin – kurz und gut erklärt.

Dr. Cora Stefanie Weber, Oberärztin der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie, Charité an der Universitätsmedizin Berlin, erklärt in einem DW-Expertengespräch auf einfache und verständliche Weise, womit sich Psychosomatische Medizin befasst.

Der Mensch kann seine kognitiven Fähigkeiten bewusst beeinflussen – dazu zählen u.a. Aufmerksamkeit, Erinnerung, Lernen, Kreativität, Planen, Orientieren, Imagination, Argumentation, Introspektion, Wille.

Im Gegensatz dazu haben wir auf unser autonomes Nervensystem (ANS) keinen direkten Einfluss. Dieses kontrolliert lebenswichtige Funktionen („Vitalfunktionen“) wie Atmung, Verdauung und Stoffwechsel sowie einzelne Organe oder Organsysteme. Es spielt bei den sogenannten Zivilisationserkrankungen eine große Rolle, welche in den westlichen Industrieländern häufig vorkommen – darunter Bluthochdruck, Herzinfarkte oder Diabetes.

Wird das autonome Nervensystem durch chronischen oder unbewussten Stress überbeansprucht, so übernimmt der Körper über das autonome Nervensystem die Regie und der Patient entwickelt körperliche Symptome – z.B. wird der Herzschlag beschleunigt, der Blutdruck erhöht und ein tritt Schwindelgefühl auf.

Tipp:
DW-Interview mit Dr. Cora Weber http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=42Ky0DvTSiU



Tun oder nicht tun. Das ist hier die Frage.
August 24, 2010, 9:34 am
Filed under: Anekdoten, Metaphern, Gedichte, mehr., Psyche | Schlagwörter: , ,

„When people feel pressure, the urge to take action is powerful. But in many instances, the best way to respond is to do nothing.“ – Vor Jahren fiel mir dieser Spruch in die Hände und er fasziniert mich noch immer. Mehr denn je sogar. Denn: Manches Mal ist es gut, innezuhalten und bewusst keinen Schritt zu setzen. Stimmt. Aber dann gibt es auch jene Momente, wo die Tat eben genau darin besteht, nichts zu tun. – In diesen Situationen wäre nichts zu tun eigentlich, weiterzumachen wie bisher und nicht nichts zu tun. Very tricky, indeed.



Gehört: Werner Fritschi über Sinn und den existenziellen Wert einer Krankheit

So kündigt Focus den Vortrag „Ich bin jetzt wie ein Acker…“ von Werner Fritschi an:

Mit 50 wollte der erfolgreiche und viel beschäftigte Sozialberater und Publizist Werner Fritschi sein Büro „Beratungsdienst Jugend und Gesellschaft“ in Luzern zusperren, aus dem Berufsstress aussteigen und sein Leben neu gestalten. Dazu kam es – doch ganz anders als erwartet, ganz anders als vorgestellt. Kurz vor seinem 50. Geburtstag erlitt Werner Fritschi einen Hirnschlag und musste erfahren, dass unsere Wünsche uns narren, dass die Zeit uns betrügt und der Tod unserer Sorgen spottet. Wie ein kleines Kind musste der 50jährige Mann anfangen, elementare Tätigkeiten wie Gehen, Sprechen, Essen wieder zu lernen.

In dieser preisgekrönten Sendung mit dem Titel „Ich bin jetzt wie ein Acker …“aus dem Jahr 1988 erzählt Werner Fritschi beeindruckend und berührend, wie der Hirnschlag sein Leben veränderte, welche Erfahrungen ihm durch die Krankheit zuteil wurden und welchen Sinn er für sich im Leid entdeckte. Wener Fritschi ist heute 65, er lebt und arbeitet in Luzern.

Hier meine Notizen zu diesem Vortrag:

„Was ist denn das Leben für mich noch wert?

Werner Fritschi erzählt von seinen Erfahrungen mit der Krankheit und davon, wie die Umstände waren, als er den Hirnschlag erlitt… Er weint.

Franz Josef Köb: „Was ist der Grund dieser Trauer, die Sie überkommt beim Erzählen und die auch ich spüre beim Zuhören?“

Werner Fritschi: „Es ist, wie wenn man in tiefere Schichten eintaucht und Eisschichten auftaut und etwas abträgt in sich, das mit dem ganzen Leben – mit allen Gefühlen zu tun hat. Mit allem, was man erlebt oder gelernt hat und neu ordnen muss. Ich bin erschrocken in den ersten Wochen, als ich Gesichter nicht mehr erkannt habe, Dinge nicht mehr gewusst habe. Mich nicht erinnern konnte, dass jemand mich besucht hat. So, als ob ich entdeckte: Was ist, wenn du nicht mehr funktionierst? Und wenn du nicht mehr reden kannst? Ich, für den die Sprache das Werkzeug war, wenn ich nicht mehr reden kann, nicht mehr denken kann… Wenn ich nicht einmal mehr als Straßenwischer brauchbar bin? Was ist denn das Leben für mich noch wert?“

„Es ist gar nichts mehr selbstverständlich, dass es funktioniert…“

Fritschi beschreibt auf berührende Weise, wie er wieder lernen musste zu essen, zu gehen etc. – wie er das Leben wieder zu bewältigen lernte. Er schafft es sogar, eine Chance in dieser Erfahrung zu sehen; erkennt, welches Glück er hatte, dass er nicht den Rest seines Lebens im Rollstuhl verbringen muss, dass er noch „alle Tassen im Schrank“ hat; sieht das Glück, dass fast alle Wörter noch bzw. wieder da sind.

Fritschi: „Es ist gar nichts mehr selbstverständlich, dass es funktioniert: Man wird dankbar für jede Geste und dankbar für all das Schöne… Ich dachte, ich bin jetzt wie ein Acker: Jetzt wird gepflügt und geeggt und gesät und ich kann nichts machen. Ich kann nur daliegen wie ein Acker, muss warten, bis es reift und wächst und eine Geburt möglich wird.“

„Warum ich?

Werner Fritschi setzte sich intensiv mit der Frage auseinander: Warum ich? Warum gerade ich? Er machte sich Gedanken über die Ursachen des Hirnschlages und notierte diese in seinem Tagebuch, wobei er für eine Seite etwa zwei Stunden brauchte. Fritschi: „Man schreibt nur mehr, was einem ganz wirklich wichtig ist. Mein Tagebuch ist eine wahre Kostbarkeit.“

Im Zuge dieser Auseinandersetzung mit dem Warum fand er zehn Sinndeutungen, was der Hirnschlag für ihn für einen Sinn gehabt haben könnte:

1. Symbol: Ich wurde aus dem Verkehr gezogen.

„Ich wollte es eigentlich so. Ich gab unbewusst den Termin: 50-jährig. Da wollte ich mein Leben umstellen, mich beruflich neu orientieren, zur Besinnung kommen. … Da wurde ein neuer Gang eingeschaltet, wie ich es sonst freiwillig nicht getan hätte. Zeit zu haben für mich, zum Nachdenken. Eine begnadete Zeit. Ohne Schmerzen, aber alles sehr schwerfällig… Ein Sabbatjahr wurde mir geschenkt. Ich empfand es wie eine Initiation zur zweiten Lebenshälfte. Dieses Jahr im Rollstuhl… hatte ich Zeit für eine Neuorientierung des Lebens. Welch ein Geschenk.“

2. Symbol: Ich bekam einen Kurzschluss im Hirn.

„Irgendwo war ich überlastet. Es hatte zu viel Strom. Zwei und mehr Ströme sind aneinander geprallt. Die Sicherung ist durchgebrannt. Irgendwo ist etwas zerrissen. … Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest. Und ich musste mir sagen: Du musst nicht soviel denken. Einseitig – rechts – heißt einseitig bewusst. Der Hirnschlag wollte mir sagen: Es gibt noch etwas Anderes als nur den Kopf, den Verstand, die Ratio. Etwas Anderes musste ich lernen. Eine neue Realität kennenlernen. Was Rückzug heißt oder Zuwendung zur Natur oder Intuition oder Instinkt oder Ahnungen. Das wurde mir bewusst, als nur noch das Eine blieb: Weinen. Ich hab viel geweint und Trauerarbeit geleistet. Der Hirnschlag hat mir irgendwie unbewusst gesagt: Du bist aus der Bahn gefallen, aus der Elipse deiner Umlaufbahn. Du hast die kosmische Mitte verloren. Dein Gleichgewicht ist gestört. Jetzt nimm dir Zeit, dich neu einzupendeln, deine Mitte zu finden.“

3. Symbol: Ich bekam die Rechnung für 25 Jahre Stress.

„Der Zeitdruck, permanente Überlastung, zuwenig Schlaf, Übermüdung, Tagungen, Tempo, Hetze… Das alles hat sich katastrophal auf die Blutgefäße ausgewirkt. Ich habe ein paar Monate vorher noch die Versicherung angepasst und da habe ich gelacht, als der Mann mir sagte: ‚Sie sind schlecht gedeckt bei Invalidität und Tod.‘ Da habe ich gesagt: ‚Ich und einen Herzinfarkt! Das gibt es doch nicht! Ich lebe gesund. Ich habe die Mitte zwischen Spannung und Entspannung.‘ Aber an eine andere Krankheit wie Hirnschlag habe ich nie gedacht. Meine Bewegungsarmut, zu wenig Sport, falsche Ernährung … 10 kg Übergewicht, an gewissen Tagen zu viele Pfeifen geraucht… Nun hat der kranke Organismus sich selber Ruhe und Geborgenheit verschrieben.“

4. Symbol: Blut und sein Verhältnis zu den Gefäßen.

„Aus einem Tropfen Blut kann ein guter Pendler alles sagen. Blut ist individueller Träger des Lebens. Es verrät alles über den Menschen. Blut ist Symbol für die Haltung dem Leben gegenüber. Wenn ich zu niedrigen Blutdruck habe – mir wird schlecht, mir wird schlecht vor Augen … – ich bin nicht fähig, mich den Konflikten des Lebens zu stellen … Bei mir ist das Gegenteil gewesen: Meine leidenschaftliche Natur, mein Überdruck: Ich wollte immer mit dem Kopf durch die Wand. Meine Empörung über die gesellschaftlichen Zustände, meine Engagiertheit vielen Themen gegenüber. … … Ich war nicht flüssig genug. Es konnte nicht fließen in mir. Ich blieb zu wenig durchlässig. Die Empörung und die Glut in mir machten mich stockend und das ist symbolisch ausgedrückt worden im verdickten Blut und im Blutgerinnsel.“

5. Symbol: Die Liebe zu einer Frau.

„Berthold Brecht formulierte: Schwäche: Du hattest keine. Ich hatte eine: Ich liebte. Der Druck, der das Blut staute und/oder verdickte, die emotionale Stauung in mir, der verhinderte Tau, die Frustration, das war die Liebe zu einer jungen Frau. Den Berg, den ich in vier Jahren nicht habe bewältigen können. Diese Frau hat an meiner Substanz gezehrt. Keine Frau hat mir bis jetzt so viel Kraft gekostet. Das nicht reden können, das Vertrösten auf später, die Aussichtslosigkeit dieser Beziehung, das gefühlsmäßige Verlangen und die ungestillte Sehnsucht – sprich: Eros oder Liebe, Libido, Sexualität – und letztlich das Gefühl, unverstanden zu sein und zu leiden. Das war ein hoher Preis für eine wunderschöne Liebe und für eine außergewöhnliche Liebesgeschichte.

Ich möchte hier etwas einschieben: Mich hat der Rahmen einer festen Liebesbeziehung zu meiner Ehefrau gehalten, meine Lebensgefährtin hat mich durchgetragen und zu meiner Gesundung viel beigetragen. Gerade in einer solchen festen Liebe ist die existenziellen Erfahrung von einer anderen Beziehung erst möglich.“

6. Symbol: Ich muss alles langsamer machen, um Wachstum zu begreifen und neu zu lernen.

“ Jetzt muss ich auf mich hören lernen: auf meine Gefühle, auf meinen Körper. Das kann ich jetzt lernen, wo statt im 5. Gang im 1. oder wenigstens jetzt im 2. gefahren wird. Das Körperbewusstsein neu entwickeln und die organische Erfahrung, wie alles verwoben ist miteinander. Und wenn einem nichts mehr selbstverständlich ist, wie ein Gleichgewicht funktioniert oder die Koordination spielt und wie der Haushalt der Flüssigkeit geregelt wird und ein Muskelspiel und der Bewegungssinn und das Raumempfinden und die Sprache. Wie das alles vom Hirn aus gesteuert wird und das führt zum Gedanken: Wie lernt der Mensch? Wie wachsen wir feinmotorisch? Ich habe Staunen gelernt, was Kinder in den ersten fünf Lebensjahren spielend lernen und ich musste eigentlich im Schnellzugstempo das alles wieder durchmachen.“

7. Symbol: Begegnung mit dem Leiden und mit dem Tod.

„Er sitzt mir noch in den Knochen. Ich habe in den Abgrund geschaut. Der Würgeengel ging vorbei. Es ist ein unheimliches Erlebnis, zu wissen: wäre das Gerinnsel einen Bruchteil von einem Millimeter dicker gewesen oder hätte es einige Sekunden länger das Zentrum verstopft, dann wäre ich abgetaucht. Hätte ich den Kopf auf den Tisch gelegt – und ich hatte es mir schon überlegt damals – ich hätte gesagt: ‚Ciao miteinander, es war schön. Das Leben war gut.‘ Ich wäre mitten unter den Leuten gestorben, still davongegangen – nein: davongeschlichen. Ich habe mich versöhnt mit dem Tod. Ich hätte einen milden Tod gehabt und ich werde einmal ganz gut sterben.“

8. Symbol: Die kosmische Konstellation.

„Das mag jetzt ein wenig unverständlich sein… Die Zeit war reif. In meinem astrologischen Diagramm stehen Neptun, Jupiter und der Mondknoten in der unteren Hälfte, also im Unbewussten. Und jetzt als 50-Jähriger ist mein Lebensabschnitt aktualisiert durch den Saturn. Der Lebensplan wirkt sich dann als Schicksal aus, solange es unbewusst bleibt. Ich muss mein Schicksal und Karma ins Bewusstsein holen, um mich von seinen Zwängen zu befreien.“

9. Symbol: Zu mir selber kommen, ich selbst zu sein.

„Die elementare Erfahrung bleibt mir hoffentlich immer im Gedächtnis: Die Hilflosigkeit erleben. Hilfe lernen, anzunehmen. Kranke Körper, Behinderte verstehen, mit Sterbenden fühlen. Ich bin in dem Sinn vom hohen Steg etwas heruntergekommen. Horchen auf den eigenen Körper. Auf die Stille hören. Grenzen akzeptieren. Und die Schonzeit in der Sexualität, unsicher sein, fragend, suchend, allein sein. Mir ist nie langweilig gewesen in den langen Nächten im Spital. Wunderbare Begegnungen habe ich erlebt und Freundschaften konnten neu wachsen.“

10. Symbol: Der Hintergrund, die Konfrontation mit dem Absoluten, Einfließenlassen des Unendlichen, wesentlich werden, die Gnade Gottes erfahren und damit das Thema der Liebe.

„Die Lehre von diesem Hirnschlag heißt für mich: Ich will in den Schwingungen der Schöpfung leben lernen, ein geistiges Atom werden, ein brennender Dornbusch.“

Krankheit und ihr existenzieller Wert

Fritschi ist überzeugt, dass Krankheit immer einen Sinn und existenziellen Wert hat und nur wer ‚in diesem drin war‘, der weiß es. „Vorher kann man gescheit etwas sagen darüber, aber es ist letztlich nicht mitteilbar“, so Fritschi.

So erzählt er an dieser Stelle von Erfahrungen und Beobachtungen im Krankenhaus, wie andere Menschen mit ihrer Krankheit umgegangen sind.

Sein Fazit: „Jeder macht diesen Weg allein durch und da zeigt sich irgendwo, bis an welchen Punkt wir reif geworden sind.“

Quelle:

Werner Fritschi: Ich bin jetzt wie ein Acker. Focus Sendung vom 11.6.2001, Radio Vorarlberg.
Gibt’s hier zum Nachhören. [Anm. HM: Sehr empfehlenswert!]



Gehört: Viktor Frankl: Auf der Suche nach dem Sinn.
Oktober 16, 2008, 8:48 pm
Filed under: Gesundheit / Krankheit, Psyche, Psychotherapie, Uncategorized | Schlagwörter: , , , ,

Die Sendung „Focus“ des Radios Vorarlberg ist eine wahre Fundgrube an inspirierenden Vorträgen. Hier eine kurze Zusammenfassung einer Focus-Sendung mit Auszügen aus dem Vortrag „Bewältigung der Vergänglichkeit“ (1984) von Viktor Frankl. Focus gestaltete diesen Beitrag aus Anlass des 10. Todestages des österreichischen Psychiaters: Univ.-Prof. Dr. Viktor E. Frankl starb am 2. September 1997 im Alter von 92 Jahren.

Die großen Fragen unseres Daseins

Laut Frankl ist der Mensch ein Wesen, das unentwegt nach Sinn strebt und nach Sinn sucht. Der Mensch ist demnach ein „sinnorientiert“ und „wird er fündig, wird er glücklich“, so der Psychiater. Wer einen Sinn gefunden hat, wird glücklich und leidensfähig, denn er wird „frustrationstolerant“: er kann Opfer bringen – sei es für andere Menschen oder für Gottes Willen – und er kann Verzicht leisten um einer Sache Willen.

Die einzige Möglichkeit, das Leben zu ertragen, ist immer, eine Aufgabe zu erfüllen und zu haben.

„Wenn der Mensch keinen Sinn sieht, keine Vision einer frei gewählten Aufgabe vor sich hat, wird er unglücklich und ‚lebensunfähig’“, so Frankl und bekräftigt dies mit einem Zitat von Albert Einstein: „Der Mensch, der keinen Sinn für sein Leben gefunden hat, ist nicht nur unglücklich, sondern auch lebensunfähig.“

Die Arbeitslosigkeitsneurose: Krank aufgrund eines sinnlosen Daseins.

Vor inzwischen über 60 Jahren prägte Frankl den Begriff „Arbeitslosigkeitsneurose“ und weist darauf hin, dass dieses Phänomen nach wie vor Gültigkeit hat: Der Arbeitslose, der in eine Depression fällt und suizidgefährdet wird, leidet nicht primär an der Arbeitslosigkeit, sondern an einer doppelten Identifizierung: „Arbeitslos sein heißt nutzlos sein und nutzlos sein heißt sinnlos leben.“ Nach den Erfahrungen Frankls ist eben dieser Umstand dafür auslösend, dass jemand deprimiert und selbstmordgefährdet wird.

Frankl erzählt von seinen eigenen Erfahrungen, als er Jugendlichen dabei half, freiwillige – sinnvolle – Funktionen zu übernehmen (z.B. unentgeltliche Mitarbeit in einer Bibliothek) und wie deren Depressionen dadurch verschwanden.

Der Psychiater merkte an dieser Stelle das Problem unserer Freizeitgesellschaft kritisch an, wonach gerade in der Freizeit die innere Leere und das Sinnlosigkeitsgefühl aufbrechen. Auch das Arbeitslosenproblem sei mit Arbeitszeitverkürzungen nicht in den Griff zu bekommen, wie auch die Pensionierungskrise eine Sinnkrise sei: „Die Leute wissen nicht, was sie mit ihrer Freizeit anfangen sollen. Die Frühpensionierung ist nicht nur sozialpolitisch lösbar – man muss auch die psychischen Probleme berücksichtigen.“

Kompensatorische Mechanismen im Menschen: Schwächen und Defekte ausgleichen

Frankl erzählt von einer Klettererfahrung, die er gemeinsam mit einem Bergführer machte: Letzterer hatte ihn darauf hingewiesen, dass man merke, dass Frankls Kräfte aufgrund seines Alters bereits nachlassen, jedoch könne man von ihm das Klettern lernen. Enthusiastisch beschrieb Frankl seine Freude über dieses Lob eines so erfahrenen Bergführers und will damit verdeutlichen, dass das Nachlassen der Kräfte und Zunehmen von Schwächen und Defekten kein Grund dafür sei, zu verzweifeln, denn es gäbe kompensatorische Mechanismen – so genannte Copingmechanismen: Die Kraft lässt nach, aber die Technik wird besser.

Das Problem des Aufhörens ist eines des Anfangens

Irgendwann stellt sich jeder Mensch die Frage: Soll ich aufhören? Aber geht es nach Frankl, dann gibt es unzählige Leute, die eher darunter leiden, dass sie gar nicht angefangen haben – sie haben ihr Leben noch nicht gelebt. Was folgt, ist oft die so genannte „Midlife-Crisis“, die dann eintritt, wenn man mit dem bisherigen Lebenskonzept an eine Grenze kommt und sich entscheiden muss, wie man weitermachen will.

Verzweiflung aufgrund der Vergötzung eines bestimmten Wertes

Viktor Frankl zitiert an dieser Stelle eine amerikanische Studie, in welcher 100 ehemalige Harvard-Studenten untersucht wurden: Es waren lauter Personen, die in Harvard dissertiert hatten und 20 Jahre später berühmte Rechtsanwälte, Ärzte, Psychiater, Chirurgen etc. geworden waren. Dennoch waren viele unter ihnen verzweifelt. Warum? Frankl sieht das Problem in der Verabsolutierung eines Wertes und fügt ein weiteres Beispiel zur Illustration an: Eine Frau, die den Wert hat, sie müsse heiraten und Kinder bekommen und diesen Wert als einzig gültigen annimmt, programmiert sich selbst für die Verzweiflung. Es sei notwendig, diesen Vergötzungsprozess rückgängig zu machen und den Sinn im Augenblick zu finden.

Der Sinn im Augenblick

Die Sinnmöglichkeiten seien in jeder Minute andere: „Hier und jetzt offeriert mir das Leben einen Sinn!“ so Viktor Frankl. Sei es, dass man aktiv gestalte oder rezeptiv wahrnimmt, dass die Wesenheit eines Menschen aufnimmt, dass man liebt…

Wichtig sind die Sinnmöglichkeiten! Aber ich muss offen bleiben, um zu bemerken, was sich tut: Was bietet mir das Leben an? „Wichtig ist, flexibel und elastisch zu bleiben und dankbar dafür, was das Leben bietet“, so der Psychiater und zitiert seinen Freund Paul Boller: „Du kannst dem Leben keine Bedingungen stellen.“

Das Leiden am sinnlosen Leben: Wie kann man Sinn finden, Sinn entdecken?

Wie ein Bildhauer sein Werk aus dem Stein herausschlägt, so gilt es auch den Sinn aus dem eigenen Leben herauszuschlagen. Aber wie es beim Schachspiel keinen besten Zug gibt, so gibt es auch keinen „besten“ Weg auf der Sinnsuche. Es hängt von vielen Faktoren – wie etwa die Umstände, dem Umfeld, der eigenen Person – ab: Aber je umfassender der Lebenssinn ist, umso weniger fasslich ist er. Er entzieht sich dem rationalen Zugriff unseres beschränkten Verstandes.

Frankl illustriert dies am Beispiel eines Kinofilms: Dieser besteht aus vielen Einzelbildern und Einzelszenen, die für sich genommen bereits einen Sinn haben, den man erfassen kann; aber den Endsinn, den Sinn des Ganzen und Großen, kann man erst verstehen, wenn man den ganzen Film anschaut. So ist es auch im Leben: Den Sinn des eigenen Lebens erfassen wir, wenn wir auf dem Sterbebett liegen. „Wir könnten ihn jedoch niemals verwirklicht haben, wenn wir nicht jede einzelne Lebenssituation nach bestem Wissen und Unwissen erfüllt hätten“, so Viktor Frankl und betont weiters, dass Sinn weder gegeben noch verordnet werden kann – jeder muss ihn für sich finden.

Aber der Sinn muss nicht großartig sein: Frankl bringt das Beispiel eines Müllmannes, der das deutsche Bundesverdienstkreuz erhielt, weil er aus Sperrmüll Spielzeug heraussuchte, dieses in den Abendstunden wieder instand setzte und in der Folge an Bedürftige verteilte. Es gelang diesem Mann damit, seiner Tätigkeit einen zusätzlichen Sinn abzuringen.

Bedroht Krankheit den Sinn des Lebens?

Durch Taten, Erleben und Lieben kann man Sinn aus dem Leben ziehen. Selbst in unausweichlichem Schicksal ist es noch immer möglich, einen Sinn aus dem Leben ziehen zu können und dadurch eine persönliche Tragödie in einen Triumph zu verwandeln. Aber niemand kann Heroismus von jemandem anderen verlangen – das könne man nur von sich selbst. Jedoch können die Helfer auf Vorbilder verweisen. „Die ‚Sinnlehre’ kann nicht gelehrt werden“, so Frankl und erklärt, dass es jedoch Lehrer gibt, die sie uns lernen – es seien die Patienten – die eine Sinnleere durchlebt und durchlitten haben. Es sind jene Menschen, die nach Unfällen querschnittsgelähmt waren, jene, die an Krebs erkrankten etc. Oder auch Jerry Long, einen jungen Amerikaner, mit dem Frankl im Briefkontakt stand: Mit 17 Jahren hatte sich Jerry Long bei einem Tauchversuch das Genick gebrochen und war fortan vom Kopf abwärts gelähmt. Er konnte noch mittels Zucken seiner linker Achsel ein Telekommunikationssystem in Aktion setzen oder Tippen, indem er ein Stäbchen zwischen seinen Zähnen hielt. Jerry studierte Psychologie und vertrat die Ansicht, dass ihm das Leiden dazu dient, aus ihm einen besseren psychologischen Berater zu machen.

Aber Frankl verweist auch darauf, dass man die Ursachen des Leidens beseitigen muss, wenn man es kann, betont jedoch, dass eine Sinnerfüllung auch dann möglich ist, wenn wir mit einem Leidenszustand konfrontiert werden, wo ein Leiden nicht behoben werden kann. Man solle nach Möglichkeit aktiv eingreifen, aber sonst auch trotz des Leidens im Leben Sinnmöglichkeit sehen und fühlen. Das Leben ist auch sinnvoll in äußersten und extremen Leidenszuständen und bis zum Tod.

Die Fähigkeit, einen Sinn zu erfassen und Sinnmöglichkeiten wahrzunehmen ist kurz vor dem Tod und in chronischen Leidenszuständen höher als beim durchschnittlichen Menschen. Die „Alertness“ bzw. Sensibilität nimmt im Alter, im Leiden, vor Tod zu. Und so ist das Ende des Lebens immer eine Zeit unvergleichlicher Möglichkeiten persönlicher und zwischenmenschlichen Wachsens für den Betroffenen und die Familie. Man könne innerlich wachsen.

Wir haben die Wahl: Eine mögliche Zukunft oder eine gelebte Wirklichkeit?

Der eine Mensch reißt täglich ein Blatt vom Wandkalender herunter und schaut, wie das Leben verrinnt und der Kalender immer dünner wird. Aber der andere Mensch nimmt das Blatt und macht sich täglich Notizen, was er getan hat an diesem Tag, was er durchlitten hat etc.

Wer alt ist, aber sein Leben gelebt hat, hat nichts zu bedauern und muss die Jugend nicht um deren mögliche Zukunft beneiden.

Quelle:

Nachzuhören gibts die Focus-Sendung „Viktor Frankl: Auf der Suche nach dem Sinn“ des Radio Vorarlberg vom 1.9.2007 hier.



Abwehrmechanismen: Um sich nicht zu erinnern…

Abwehr: Schutz und Bewältigungsmechanismus unserer Psyche.

Jeder – und zwar: jeder – Mensch besitzt eine „Abwehr“. Sie dient dazu, unlustvolle Gefühle, Affekte, Wahrnehmungen etc. vom Bewusstsein fernzuhalten bzw. diese in Schach zu halten. Es handelt sich dabei um eine Art Gewohnheit, die unbewusst abläuft und uns schützt bzw. uns bei der Bewältigung bestimmter Aufgaben unterstützt. Also ist die Abwehr eine gute Sache. Aber nicht immer.

Krankhafte Abwehr: Vermeidung der Bewusstwerdung um jeden Preis.

Die Abwehr wird dann zum Problem, wenn sie für einen Menschen zur Einschränkung – und damit schädlich – wird. Hier ein Beispiel: Unlustvolle Erregungszustände oder Anspannungen (sog. Affekte) und Gefühle wie Angst, seelischer Schmerz, Schuldgefühle usw. entstehen in uns aufgrund von unverarbeiteten seelischen Konflikten, welche unbewusst gemacht oder gehalten werden sollen. Durch diesen Vorgang kommt es jedoch zu keiner echten Lösung eines Konflikts – es bleibt bei einer Pseudolösung. Das wiederum führt dazu, dass immer intensivere und kompliziertere „Abwehrmaßnahmen“ benötigt werden, um den entsprechenden Konflikt unbewusst zu halten.

Merkmale einer krankhaften Abwehr: Ich-Einschränkung und Überbeanspruchung eines bestimmten Abwehrmechanismus

Eine Abwehr gilt dann als pathologisch, wenn es zu einer Einschränkung der Ich-Funktionen kommt, wobei man unter Ich-Funktionen die Fähigkeit wahrzunehmen, zu unterscheiden, sich zu erinnern, zu denken, sowie die Triebe zu steuern versteht. Zusätzlich ist die freie Selbstentfaltung und –verwirklichung eingeschränkt und es besteht keine Wahlmöglichkeit mehr. So kommt es zu einer Zwangsläufigkeit des Auftretens sowie einer Unfähigkeit, sich an wechselnde Bedingungen anzupassen. Es kommt zu einem unbewussten Abspulen des gleichen Mechanismus und zu einem erheblichen Widerstand gegen die Bewusstmachung des Konflikts.

In Stichworten notiert: Die vier Ebenen von Abwehr nach Mentzos

1. Ebene (unreif):

a) psychotische, wahnbildende Projektion, z.B. Verfolgungswahn:
– eigene, unerwünschte Impulse werden einer anderen Person „zugeschoben“
– das Böse wird nach außen verlegt
– Subjekt-Objekt-Trennung

b) psychotische Verleugnung, z.B. Größenwahn, Liebeswahn…
– Kleinkind schützt bedrohtes Selbstwertgefühl durch Verleugnung

c) Spaltungsvorgänge:
– vermeiden, dass inkompatible Inhalte zusammentreffen; diese bleiben prinzipiell bewusst oder vorbewusst; Verleugnung nach Bedarf. Borderline.

d) Introjektion:
– In-sich-Hineinnehmen, Internalisierung des Objekt;
– wichtig bei Selbstentstehung
– (später) regressiv eingesetzt, um schmerzliche Trennung vom Objekt und/oder Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt zu vermeiden bzw. rückgängig zu machen

2. Ebene (auch unreif, aber nicht mehr so grob und unrealistische Lösungen):

a) nichtpsychotische Projektion:
– häufig
– eigene Gefühle, Impulse, Tendenzen werden unbewusst einem anderen zugeschrieben (z.B. die Juden, die Ausländer…)

b) Identifikation als Abwehr:
– Identifikation mit dem Angreifer
– bei hysterischer (Konversions-)Symptombildung: Trennung oder seelischen Schmerz abwehren durch Übernahme der Symptome (z.B. Husten) des kürzlich verstorbenen Elternteils.

3. Ebene (psychoneurotische Abwehrmechanismen)

a) Intellektualisierung:
– Emotionales in formaler, affektloser Art zu behandeln
– sich v.a. mit kognitiven Aspekten des Lebens beschäftigen und Emotion vermeiden

b) Affektualisierung:
– Überemotionalität
– kognitive Einsicht beeinträchtigen
– Gegenemotionen einsetzen um gefürchtete Emotion abzudrängen

c) Rationalisierung:
– sekundäre Rechtfertigung von Verhaltensweisen durch Scheinmotive

d) Affektisolierung:
– Abtrennung des vorstellungsmäßigen Inhalts, der bewusst bleibt, von dem dazugehörigen Affekt, der verdrängt wird

e) Ungeschehenmachen:
– unerlaubter Impuls wird kurzfristig bewusst und dann durch einen entgegen gesetzten Gedanken oder eine magische Handlung ungeschehen gemacht

f) Reaktionsbildung:
– vgl. Ungeschehenmachen, jedoch dauerhaft und habituelle Abwehr. Daher kommt es zu einer Änderung des Ichs. Es entsteht ein Charakterzug. (z.B. Zwang)

g) Verschiebung:
– Loslösung emotioneller Reaktionen von ihren ursprünglichen Inhalten und die Verknüpfung mit anderen, weniger wichtigen Situationen oder Gegenständen (z.B. Phobie)

h) Verlagerung:
– unerwünschte, unerlaubte Impulse (meist Aggression) wird auf ein anderes als das eigentliche Objekt gerichtet (z.B. Arbeitskollege -> Frau)

i) Wendung gegen das Selbst:
– Variation der Verlagerung: Autoaggression

j) Verdrängung im engeren Sinne
– Amnesie (Erinnerungslücke)
– Skotomisierung („Übersehen“ bestimmter Inhalte)

4. Ebene:

Sublimierung
– Umsetzen verdrängter Triebimpulse in sozial gewertete Tätigkeiten, auf die das Triebziel verschoben wird.

Psycho-sozialen Abwehrmechanismen: außen statt innen.

Es handelt sich dabei nicht ausschließlich um intrapsychische Prozesse. Das Prinzip dahinter ist, unbewusst eine zwischenmenschliche Konstellation herzustellen, welche die intrapsychische Veränderung bestätigt, rechtfertigt und real erscheinen lässt. Dies kann durch die Partnerwahl, durch eine Rollenzuweisung bzw. durch Manipulation, Verführung oder Beeinflussung des Partners in eine bestimmte Richtung erfolgen.

Literatur:

Mentzos, Stavros (2005): Neurotische Konfliktverarbeitung. Einführung in die psychoanalytische Neurosenlehre unter Berücksichtigung neuer Perspektiven. Fischer: Frankfurt am Main, S. 60-65.



Lachen ist gesund

Ein Kind der 70er: die Gelotologie.

Seit den 70er Jahren beschäftigt sich ein Forschungsgebiet mit dem Zusammenhang zwischen Heiterkeit und Gesundheit, die Gelotologie (von griechisch: „gelos“ = Gelächter). Inzwischen befassen sich weltweit über 200 Psychologen, Immunologen, Neurologen und Stressforscher mit den positiven Auswirkungen des Lachens auf Körper, Geist und Seele.

Ein Vorreiter dieser Richtung war jedoch bereits der Stanford-Professor William F. Fry, der 1964 ein Institut zur Humorforschung gründete, um die Erfahrungen des Wissenschaftsjournalisten Norman Cousins zu beforschen: Dieser litt an einer schmerzhaften Wirbelsäulenerkrankung und unterzog sich systematisch einer Lachkur, indem er sich über Monate Filme mit berühmten Komikern vorführen und witzige Bücher vorlesen ließ. In seinem Buch „Der Arzt in uns selbst“ beschreibt Cousins, wie nach zehn Minuten Lachen seine Schmerzen nachließen.

Lachen – was bringts?

Durch Lachen wird also sogar das Schmerzempfinden deutlich reduziert. Aber es bewirkt noch zahlreiche weitere positive Effekte in uns: Durch Lachen wird das körpereigene Immunsystem aktiviert, der Stoffwechsel angeregt, die Durchblutung von Herz und Lunge verbessert, die Stresshormone Adrenalin und Kortisol werden abgebaut, der Blutdruck sowie der Blutzuckerspiegel gesenkt, die Muskulatur entspannt und die Durchblutung intensiviert. Und schließlich fördert Lachen die Konzentration, befreit von Ängsten und macht gute Laune!

Wie funktioniert Lachen?

Das Zwerchfell hüpft, der Puls rast, zirka 300 Muskeln sind aktiv, die Pupillen vergrößern sich, die Fingerkuppen werden feucht und die Beinmuskulatur erschlafft. Wir atmen mit gut 100 km/h aus und ganz tief wieder ein. Lachen erfordert demnach von unserem Körper im wahrsten Sinne des Wortes eine kurzfristige Höchstleistung.

Warum vergeht uns mit dem Erwachsenwerden das Lachen?

Statistisch gesehen lacht jeder Erwachsene durchschnittlich 15 mal pro Tag, während Kinder sogar bis zu 400 mal lachen. Erstaunlich, nicht? Erklärt wird dies dadurch, dass Kindern ein slapstickartiger Humor zugeschrieben wird: Ein Baby lacht noch, weil man eine Grimasse schneidet, Erwachsene finden daran jedoch nichts Witziges. Im Laufe des Lebens verändert sich also, worüber Menschen lachen: Mit dem Heranwachsen empfindet man immer weniger das Gesehene oder Gesagte selbst komisch, sondern lacht vielmehr über die dadurch ausgelösten Vorstellungen. Je stärker dabei der persönliche Bezug zum Inhalt des Witzes ist, desto lustiger erscheint der Gag.

Eine Möglichkeit, Ihren heutigen TLD (Tages-Lach-Durchschnitt) vielleicht ein wenig zu heben:

Was zum Lachen“ heißt es unter anderem auf der Seite der Europäischen Lach-Gesellschaft – zu finden gibt es dort schriftliche Äusserungen von Versicherungsnehmern aus der Sammlung einer Versicherungsgesellschaft.

Quellen:



Eugen Drewermann: Der Froschkönig – eine tiefenpsychologische Interpretation von Dr. Eugen Drewermann

In seinem Vortrag „Der Froschkönig – eine tiefenpsychologische Interpretation“ für eine Focus-Sendung des ORF Vorarlberg im April 2004 befasste sich der deutsche Theologe, Psychoanalytiker und Schriftsteller Dr. Eugen Drewermann mit der Symbolsprache, die sich im Märchen „Der Froschkönig“ verbirgt.

„Die Symbolsprache der Märchen, Mythen und Träume ist die einzige Fremdsprache, die existenziell wichtig ist“, so der Psychoanalytiker und fügt an, dass diejenigen, die diese Sprache zu verstehen lernen, sich verändern. „Die Märchen möchten, dass wir die Liebe wagen – sie sagen uns, dass die Liebenden in dieser Welt glücklich sein können, vor allem, wenn sie Glück haben.“

Das Märchen: Der Froschkönig

Zu Beginn seines Vortrags liest Eugen Drewermann das Märchen „Der Froschkönig“ der Brüder Grimm vor.

Hier eine kurze Zusammenfassung des Inhalts von „Der Froschkönig“:
Eine Prinzessin, die so schön ist, dass die Sonne selbst sich jedes Mal verwundert, wenn sie auf ihr Gesicht scheint, spielt in der Nähe des Brunnens mit ihrer goldenen Kugel. Die Kugel fällt in den Brunnen, worauf die Prinzessin sehr traurig ist. Ein Frosch verspricht ihr, die Kugel wiederzubringen, wenn die Prinzessin ihm einige Zugeständnisse macht: Er wolle ihr Geselle und Spielkamerad sein, an ihrem Tischlein neben ihr sitzen, aus ihrem Becherlein trinken, in ihrem Bettlein schlafen. Die Prinzessin verspricht es ihm, denkt jedoch nicht daran, dieses Versprechen einzuhalten. Als der Frosch später kommt, um das Versprechen einzufordern, wird der Vater zornig und fordert von seiner Tochter, dass sie hält, was sie dem Frosch versprochen hat. Die Prinzessin gehorcht ihrem Vater, doch als der Frosch zu ihr ins Bett kommt, wirft ihn die Prinzessin voll Ekel an die Wand. Der Froschkönig verwandelt sich in einen Königssohn mit schönen freundlichen Augen und erzählt ihr, dass er von einer bösen Hexe verwünscht worden war und niemand ihn erlösen hätte können als eben die Prinzessin alleine.

Drewermann weist darauf hin, dass der Froschkönig eine aktuelle Beziehungsgeschichte voller Gegensätze und Konflikte darstellt, wobei das Märchen durchaus lösungsorientiert angelegt ist, indem zwei neurotische Menschen eine Wandlung erleben, durch die erst eine reife Beziehung möglich wird.

Hauptprotagonist: Der Froschkönig.

Der Froschkönig setzt sich aus den gegensätzlichen Elementen „König“ und „Frosch“ zusammen. „Er ist König, weil er Frosch ist und Frosch, weil er König ist“, so Drewermann. „Erst als ein Erlöster, ein Zu-sich-selbst-Gefundener kann er seiner geliebten Prinzessin erläutern, dass er durch die Machenschaften einer Hexe verwünscht war.“

Eine Beziehung zwischen Mutter und Kind ist sehr verflochten und geprägt von Ambivalenzgefühlen zwischen äußerster Liebe und starker Abneigung. Aber wie ist es möglich, dass ein junger Mensch von sich selbst denkt, dass er überaus mächtig und gleichzeitig gar nichts sein könnte?

Im Märchen steht der Brunnenschacht symbolisch für den ewigen Mutterschoß. Demnach ist der Froschkönig ein Kind, das niemals von seiner Mutter fortkommen darf.

Drewermann beschreibt die Problematik anhand einer Fallgeschichte eines Patienten, den er im Alter von 17 Jahren kennen lernte:
Dieser junge Mann hatte als 6-jähriger erlebt, wie sein Vater sich von seiner Mutter trennte. Er, der Sohn, kümmerte sich dann um seine depressive, suizidale Mutter. Es lastete eine große Verantwortung auf ihm. Gleichzeitig war es eine Ehre für ihn, der Liebling der Mutter zu sein – er war ihr Sonnenschein, die Mittelpunktachse des Lebens der Mutter – und das umso mehr, nachdem der Vater gegangen war. Der Junge ersetzte den Vater für die Mutter und musste ihn sogar noch übertreffen – er musste aufopfernd, feinfühlig und sensibel sein. Er ist also der König, der Prinzgemahl der Mutter und andererseits furchtbar überfordert mit dieser Situation und kann ihren Erwartungen nicht entsprechen.
Die Mutter verwöhnt den Jungen sehr und fordert ihn hinsichtlich mancher Aufgaben nicht. Was sie sich ersparen kann, wird Weihnachten etc. für den Jungen investiert. Er musste nie lernen, ein Glas abzutrocknen etc. Wenn sie dies später versucht einzufordern, droht er ihr z.B. er werde das Glas einfach fallen lassen.
Aus dieser Situation heraus konnte er auch terroristisch für seine Mutter sein.

Die Kombination lautete materielle Verwöhnung plus psychisch rabiate Überforderung: „Ich bin ein König und fühle mich doch als etwas gänzlich Niedriges.“ Diese Dynamik ergab sich aus Minderwertigkeitsgefühlen in Kombination mit überhöhten Überich-Idealen.

Man könnte empfehlen, dass der Junge sich von seiner Mutter trennt, aber das ist unmöglich für den Jungen.

Die engste Bindung zwischen dem Sohn und der hexenartigen Mutter liegt in den Schuldgefühlen: Der Junge darf niemals seine Mutter verlassen, sonst würde er werden wie sein eigener Vater – würde er seine Mutter verlassen, wäre er für den Tod der Mutter verantwortlich.

Nach zwei Jahren Psychotherapie wird auch der Therapeut ungeduldig – von der Supervisionsgruppe erheischt er folgenden Rat: „Diesem jungen Mann müssen Beine gemacht werden. Er muss den Mut haben, in das Leben zu springen. Er muss eine andere Frau kennen lernen. Er gibt doch genug Frauen. Er muss es nur wagen.“ Der Therapeut, der diesen Rat an seinen Patienten weitergibt, muss bald erkennen, dass der Patient seine Behandlung bald beenden wird.

Es gibt jedoch auch eine andere : Das Märchen „Der Froschkönig“ (er-)findet den einzigen Ausweg zur Lösung.

Hauptprotagonistin: Die Prinzessin.

Wer ist die Königstochter, die den Froschkönig erlösen wird? Sie ist wunderschön, aber ein Kind voll Traurigkeit und Tränen. Die Prinzessin ist vor allem die Tochter ihres Vaters: Der Mann hat drei Töchter, aber die ersteren dienen ausschließlich als Vergleichsmaßstab für Lobpreis und Hochschätzung der dritten Tochter.

Was bedeutet es, wenn ein Mädchen der Liebling / „die Geliebte“ des Vaters ist? Es liegt aller Stolz, alle Hochachtung darin. Für ein Mädchen von 4 Jahren ist der Vater ein König oder Gott. Zwischen 6 und 7 Jahren wird der Lehrer ein Konkurrent für den großartigen Vater. Es wäre ein Entwicklungsfortschritt, wenn die Tochter von ihrem Vater nach und nach ablassen würde, aber das ist im Märchen „Froschkönig“ nicht der Fall.

Das Leben der Königstochter teilt sich in zwei Sphären: die väterliche Kultur und die Natur, welche die mütterliche Sehnsuchtswelt symbolisiert. Das Mädchen pendelt hin und her zwischen diesen zwei Sphären – ein Symbol dafür, dass sie vom Mädchen zur Frau wird. Das Mädchen möchte die ganze Kindheit mitnehmen – symbolisiert durch das Ballspiel: Um den Verzicht der Kindheit zu erleichtern, übt sie selbst die Kindheit wegzugeben und diese in der Folge wieder zurückzubekommen.

Die runde Kugel stellt also die geschlossene Kinderwelt dar, die sie bei sich behalten möchte. Aber die Kugel rollt in den Brunnen, wo der Froschkönig sitzt. Es sind die ersten Schritte, die die Liebenden verbinden könnten, diese sind jedoch sehr angstbesetzt bis fast unmöglich.

Die Botschaft lautet nach Drewermann: „Liebe Königstochter, du darfst deine Kindheit behalten, aber es gibt nur eine Art: Du musst lernen, dich zu verlieren und dich dir wiederzugeben durch die Liebe. Wer seine Kindheit krankhaft verschließt, verliert sie ganz. Er wird niemals erwachsen. Die Liebe kann hier vermitteln.“

Symmetrie der Begegnung zwischen Froschkönig und Prinzessin

Der Königssohn stammt aus einer vaterlosen Familie; er wuchs ganz und gar bei seiner Mutter auf. Die Prinzessin stammt aus einer mutterlosen Familie und wuchs ganz und gar bei ihrem Vater auf (die Mutter findet kaum bis keine Erwähnung in der Geschichte). Die beiden sind sich spiegelbildlich ähnlich, haben einen gleichen Werdegang. Daher sagt der Königssohn auch: „Nur du konntest mich erlösen.“

In der Paartherapie spricht man in diesem Fall von „Kollusion“ – folgendem unbewussten Zusammenspiel: Unbewusst wählt man im Partner den gegengeschlechtlichen Elternteil, um von der Umklammerung des übergroßen Vaters bzw. der übergroßen Mutter erlöst zu werden.

Im Märchen machen sich innige Gefühle der Liebe fest am Partner, indem Empfindungen aus der Kindheit aktualisiert werden – aber es kommt zur Angst vor Enttäuschung. Man liebt im anderen etwas vom Vater / von der Mutter und in der Liebe wiederholt sich alles noch einmal wie aus Kindertagen.

Es gibt jedoch auch Märchen, die anders sind: Dann, wenn der Bräutigam unmögliche, fast tödliche Aufgaben erledigen muss – z.B. einen siebenköpfigen Drachen töten; Dornröschen küssen, jedoch erst nach der Überwindung von unüberwindbaren Dornenhecken… Dahinter steht, dass der Vater jeden Schwiegersohn in spe im Grunde vernichten möchte, denn eigentlich will er seine Tochter gar nicht vermählen.

Anders beim Froschkönig: Der Vater befiehlt die Vermählung mit dem Froschkönig sogar. Es heißt: „Die Sonne, wenn sie die Schönheit dieses Mädchens sah, geriet in Bewunderung“. Sollte es da dem Vater anders ergangen sein als der Sonne? Wohl kaum. Gefühle, die bis dahin innig waren, müssen über Nacht abgekühlt werden – die Sprache wird streng, moralisch. Dahinter steht mitunter auch, dass der Vater sich auch vor seinen eigenen Gefühlen der Tochter gegenüber schützen will. Es gibt jedoch noch ein anderes Motiv für das Handeln des Köngis: Der Vater hätte den Vertrag der Tochter sicher auch anders lösen können – er war ein König, einflussreich, mächtig – aber offenkundig will er, dass seine Tochter den Froschkönig heiratet. Warum? Der Frosch wird ihn nie gefährden… Nur so konnte die Tochter für ihn Sonnenschein auf Lebenszeit bleiben. Der Vater will seine Tochter also unglücklich verheiraten mit dem Froschkönig. So konnte er später der Seelentröster für seine Tochter werden: als Weiser, als kundiger Beistand der Tochter, als Kenner der Frauen kann er ihr Ratschläge geben.

Und auch die Tochter brauchte auf ihren Vater nicht zu verzichten, wenn sie den Froschkönig wählt, denn der Vater ist der beste aller Männer, kein Mann hält diesem Vergleich stand. Solang sie ihren Vater im Herzen und im Kopf trägt, hat kein anderer Mann eine Chance. Und auch der Königssohn ist ein Schwächling.

Plottwist: Die Schlüsselszene im Froschkönig.

Der Frosch kommt zur Prinzessin ins Bett – Wut, Zorn, Ekel der Prinzessin verdichten sich bis die Prinzessin den Frosch gegen die Wand wirft. Das Wesentliche ist also, dass eine bestimmte Energie sich zum Unerträglichen verdichtet – die sexuelle Energie – und die Tochter klatscht den Froschkönig schließlich an die Wand. In diesem Moment kommt es zu einem Rollenbruch: Die Königstochter hört auf, der Liebling des Vaters zu sein – indem sie ihre Rolle an der Wand zersprengt wird sie zu einer anderen Frau und auch der Froschkönig kann zu einem anderen Mann werden.

Die Prinzessin wollte ihre Kindheit erhalten: sie zeigt eine hysterische Ambivalenz allem Sexuellen gegenüber – ist unschuldig und verführerisch gleichzeitig, nie festgelegt aber ständig verlockend.
Der Froschkönig fügte sich dem, indem er alle Wörter diminutiv miniaturisierte: Becherlein, Tellerlein, dein Gesell (ganz sicher nicht dein Mann – nur dein Spielkamerad… Das sollte heißen: „Ich werde dir als Mann nie etwas tun.“) Dies war die Eintrittstür für den Froschkönig, denn er signalisierte ihr: „Ich akzeptiere voll und ganz deine „Klein-Mädchen-Auffassung“ vom Leben.“ „Beide müssen aufhören, aber beide müssen auch aufhören dürfen, Kinder zu sein“, so Drewermann.

In der Folge erzählt der Froschkönig der Königstochter sein ganzes Leben.

„… und sie lebten glücklich bis an ihr Ende“: Wie es laut Drewermann weitergehen könnte.

Drewermann liest einen möglichen Dialog vor, den die beiden Jahre später miteinander führen könnten, so sie die Wandlung gemeistert hatten. So könnte die Prinzessin ihrem Mann sagen: „Vergib mir Geliebter die Worte meiner Verachtung. Sie mussten dich kränken und schlimmer: sie sollten dir wehtun. Doch glaub mir, sie galten nicht dir. Ich selber war noch sehr unreif und unerfahren – voller romantischer Ideen mit denen ich mich vor der Wirklichkeit und vor mir selber zu schützen suchte. Wie alle Mädchen voller Sehnsucht und Angst war ich voller Abwehr gegenüber der Liebe, die ich doch suchte. Ich hielt für Stärke, was eine Schwäche war. Ich traute mir selbst nicht – wie hätte ich da wohl einem anderen, einem Manne wohl gar vertrauen sollen? Ich glaubte mich dir überlegen nur aus Angst vor deiner wirklichen Größe. Ich wollte dich erniedrigen und klein machen – nur aus Angst vor deiner Nähe. Der einzige, dem ich vertrauen durfte, war mein Vater: Zu ihm blickte ich auf; in seinen Augen fühlte ich mich selber gemocht und angesehen. Sein Wohlwollen war wie ein warmer Wind, der mich durchs Leben trug. Ich spürte, dass ich von ihm loskommen musste, aber ich hatte auch Angst, ihn loszulassen. Ich sehnte mich nach meiner Mutter, doch eine solche gab es nicht. Wer war ich als Frau? Ich war die Schönste in den Augen meine Vaters; für ihn war ich eine Kostbarkeit, die man der Öffentlichkeit nur unter Panzerglas zeigt. Wie in einem Museum. Und in solch einer Bestimmtheit traf ich dich. Ich sah sofort deine gütigen Augen, deine Stimme tat mir wohl. Du erschienst mir wie ein Gefährte in meiner Einsamkeit. Und du wolltest mein Freund sein auf ewig, das bedrohte mich. Das war mir unheimlich. Da schrillten alle Alarmglocken in dem Hochsicherheitstrakt des Museums das mein Leben war. Du hast in gewissem Sinne ja selber gesehen: Deine Annäherung versetzte mich in Panik. Ich behandelte dich von oben herab, ich nahm dich nicht ernst, weil ich doch spürte, dass es ernst wurde. Heute bin ich dir dankbar für deine zähe Geduld, die ich damals als Nachgelaufe ohne Anstand und Würde missdeutete. Ich wollte dich nicht an mich heranlassen, um mich an dich nicht zu verlieren. Und du verstehst, wie es kam: Ich war meines Vaters Vorzeigepüppchen; ich war gewohnt mich zu drehen und zu wenden wie er es wollte und ich lebte in der ständigen Furcht, nicht schön genug, nicht makellos genug, nicht perfekt genug zu sein. Alle sollten mich mögen – aber du warst nicht alle. Du wolltest mich und du beugtest dich hinunter in meine Angst, tauchtest hinab in meine Traurigkeit; holtest mein eigentliches Wesen aus der Tiefe heraus. Und dafür liebe ich dich, du mein Kleinod, mein Prinz.“

Der so Angeredete müsste wohl seinerseits sagen: „Vergib du mir, meine Geliebte, meine Königin. Wirklich, du erweckst alle Sehnsucht in mir. Und du erfüllst alle Sehnsucht. Wie verstehe ich den Stolz deines Vaters! Du rühmst meine Geduld, Geliebte, aber was hätte ich den anderes schon tun sollen: Ich hatte dich lieb vom ersten Augenblick an – deiner Schönheit wegen und auch deiner Traurigkeit wegen. Sie entsprach meinem eigenen Empfinden so sehr, dass ich glaubte, du wenigstens würdest mich verstehen. Es tat mir gut, dir helfen zu dürfen. Selbstlos war das gar nicht. Auch ich hatte und habe meine Ängste – zum Beispiel, dass eine so schöne, vom Glück verwöhnte Frau wie du mir damals erschienst, mich einfach lächerlich fände. Ich traf dich zum Glück als du selber dicht am Wasser gebaut hattest. Dieser Umstand brachte mich dir nah. Denn wenn ich bei meiner Mutter eines gelernt habe, ist es ein gewisses Einfühlen und Gedankenlesen. Gewiss, deine demonstrierte Verachtung tat mir furchtbar weh. Du erschienst mir so groß in solchen Moment. Wenn du sagst, du seiest das Püppchen deines Vaters, wollt ich dir eine Puppenstube zimmern und doch sah ich, dass es ganz unmöglich war, dich dort hineinzufügen. Ich wollte dich nicht belasten, aber so fühlte ich mich dir gegenüber als lästig, schwierig, schwerfällig, schwermütig – als Frosch eben. Ein Kind aus Brunnentiefe und Tränen. Alle Bewegungen bei mir sind langsam und vorsichtig; nichts geht mir behänd von den Händen. Eine gewisse Leichtigkeit des Lebens wie du sie dir wünschen magst, hab ich nie kennen gelernt. Auch mir ermangelte es an Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Und wie du den Beifall der anderen zu erringen versuchtest durch Gefälligkeit und Gefallen, so ich durch Nützlichkeit. Beide hat uns das Leben offenbar sehr einseitig geprägt. Aber jetzt, Geliebte, brauchst du nichts mehr machen, um meinen Gefallen zu erringen. Du gefällst mir einfach dadurch, dass es dich gibt. Du meine Zauberhafte. Meine Sonne am Morgen. Du und ich, wir brauchen gar nichts mehr zu machen. Und zu vergeben haben wir einander gar nichts mehr – außer uns selbst. Denn ich liebe dich sehr. “

Eugen Drewermann beschließt seine tiefenpsychologische Deutung des Märchens „Der Froschkönig“ mit einem Ausschnitt aus dem Gedicht „Engellieder“ von Rainer Maria Rilke:

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte in meinen Armen;
er wurde klein, und ich wurde groß:
und plötzlich ward ich das Erbarmen,
und er eine flehende Bitte bloß.

Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –
und er ließ mir das Nah, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
so haben wir beide einander erkannt.

Quelle: ORF Vorarlberg, Focus-Sendung vom 10. April 2004: Dr. Eugen Drewermann: Der Froschkönig – eine tiefenpsychologische Interpretation,

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