Hermine Mandl Weblog


Prägende Kindheitsentwicklungen: „Symbiotische Verschmelzung“ versus „Ich und Du“

Wenig Kontur und Beständigkeit im Erleben: Es ist „alles eins“

Ganz zu Beginn glaubt das Kind, es sei „alles eins“ – es ist sozusagen verschmolzen mit seiner Mutter: Es ist seine Mutter und seine Mutter ist es. Sein Innenleben hat in dieser Phase noch wenig Kontur und zeichnet sich durch wenig Beständigkeit aus: Es geht dem Baby im Moment „nur gut“ oder „nur schlecht“. Es kann sich weder erinnern, wie es vorher war, noch wie es später sein wird. Es weiß noch nicht um das „Sowohl – als auch“ und kann in dieser Zeit nur schwer zwischen innen und außen unterscheiden.  

Urvertrauen durch eine ausreichende Bemutterung

Das Kind hat noch keine Erinnerung an die Mutter oder Pflegeperson und ist darauf angewiesen, dass sie als Person da ist. Damit diese Phase gut gelingen kann, ist eine ausreichende Bemutterung für das Kind sehr wichtig, d.h. dass die Mutter richtig auf die Bedürfnisse des Kindes reagiert und ihm eine beständige positive Zuwendung zukommen lässt. Passiert dies nicht, entwickelt das Kind eine große Verlassenheitsangst. Fühlt es sich jedoch in dieser Phase sicher, so kann es ein Urvertrauen entwickeln, welches wiederum die Basis für das spätere Kontaktverhalten und das Selbstwertgefühl eines Menschen bildet.  

Erkennen, dass es Ich und Du gibt

Ab dem 6. Lebensmonat lernt der Säugling, dass er ein von seiner Umgebung getrenntes, „gesondertes“, „besonderes“ Wesen ist. Parallel dazu erkennt er, dass es die Mutter oder eine Pflegeperson gibt, auf die er angewiesen ist, und welche eine von ihm getrennte Person mit eigener Existenz und eigenem Willen ist: Der Säugling sammelt die Erfahrung, dass die Mutter diejenige ist, die den Busen zur Verfügung stellt, wenn er Hunger hat. Aber auch, dass das nicht selbstverständlich ist und er daher lernen muss, die eigenen Bedürfnisse zu regulieren. Wird der Busen verwehrt, vergrößert dies die Angst des Babys, verlassen zu werden. Es reagiert mit Wut und versucht diese Gefühle zu bewältigen, indem es sie auf die Mutter überträgt: Statt die eigene Wut zu erleben, erlebt das Kind die Mutter als feindselig. Es wandelt die Verlassenheitsangst in eine Verfolgungsangst um.

Literatur:

Ermann, Michael (2004): Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Ein Manual auf psychoanalytischer Grundlage. 4. Auflage, W. Kohlhammer GmbH: Stuttgart, S. 45-48.

Mentzos, Stavros (2005): Neurotische Konfliktverarbeitung. Einführung in die psychoanalytische Neurosenlehre unter Berücksichtigung neuer Perspektiven. Fischer: Frankfurt am Main, S. 123f.

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Verarbeitung psychischer Konflikte: Der psychosomatische Modus

Als psychosomatische Symptome werden körperliche Beschwerden (wie Schmerzen), Funktionsstörungen (wie Durchfälle) und Organschädigungen (wie Magengeschwüre) bezeichnet. Sie sind immer Ausdruck einer Anpassungsleistung des Ichs und verfolgen das Ziel, einen inneren Konflikt abzuwehren, indem dieser in eine körperliche Erscheinung umgewandelt wird. Das psychosomatische Symptom stellt somit eine Kompromiss- oder Ersatzlösung des Konflikts dar, welche jedoch meist nicht von Dauer ist.  Im Versuch, den psychosomatischen Modus zu verstehen, wurden verschiedene Erklärungsmodelle gefunden:

Ausdruck von Dauerstress:
„Das chronische Affektkorrelat
 

Beim chronischen Affektkorrelat werden bestimmte psychische Tendenzen und Bedürfnisse systematisch blockiert und enttäuscht bis sie auf der psychischen Ebene nicht mehr bewusst erlebt werden können. Sie bleiben jedoch in bestimmten Teilen des vegetativen Systems im Körper gespeichert. Es kommt also zu keiner Erregungsentladung, sodass der Mensch sich im Dauerstress befindet. Dadurch kann es langfristig zu Funktionsstörungen und Organschäden kommen: Eine dauerhafte Kampf- und Fluchtbereitschaft führt zu einer sympathischen Reizung und äußert sich z.B. in Form von Bluthochdruck, Migräne, Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Eine dauerhafte Rückzugseinstellung wiederum führt zu einer parasympathischen Reizung und bewirkt Beschwerden wie z.B. Ulcus (Geschwür), Durchfall oder Asthma.   

Eine frühe, persönliche Körpersprache:
„Der Organmodus
“  

Von Organmodus spricht man deshalb, weil mit den einzelnen Organsystemen des Oralen, Analen, Genitalen usw. von klein auf übergreifende leibliche Gebärden des sich Öffnens, sich Verschließens, Zupackens, Empfangens, Berührens, Berührtwerdens usw. verbunden werden.  Erklärt man ein psychosomatisches Symptom mittels Organmodus, so kommt es zu einer Zurückübersetzung des Psychischen in eine Körpersprache, welche sehr weit in die Entwicklungsgeschichte des Menschen zurückgeht und mit dessen persönlichen Biografie und individuellen Erfahrung zu tun hat.  Erlebt beispielsweise ein Kind den Kontakt mit seiner Mutter als traumatisch, so kann es sein, dass der Hautkontakt mit einem Mann später zu Juckreiz, Nesselausschlag oder Neurodermitis führt. Die Organreaktion dient in diesem Fall nicht nur der Abfuhr, sondern ist gleichzeitig Ausdruck des Konflikts.  

Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche:
Das somatopsychisch-psychosomatische Modell“

Während manche Patienten auch nach jahrelanger Dauerirritation keine Organstörung entwickeln, tun andere dies wiederum sehr bald (z.B. Geschwür). Um dies zu erklären, geht man von einer körperlichen Veranlagung sowie kreisförmigen Wechselwirkungsprozessen zwischen Körper und Psyche aus:   Ein ursprünglich biologischer Faktor beeinflusst die psychische Entwicklung dahingehend ungünstig, dass durch ihn eine psychosomatische, krankhafte „Lösung“ gewählt wird. Beispiel: Eine konstitutionell vorgegebene hohe Magensäuresekretion kann die psychische Entwicklung zu einer Vorliebe für bestimmte Nahrungsmittel mit beeinflussen und auf diesem Weg die vorhandene Veranlagung zu einem Geschwür noch verstärken.  

Rückkehr zur Körpersprache:
„Die regressive Resomatisierung 

Direkte und indirekte Beobachtungen zeigten, dass emotionelle Zustände (Stimmungen, Gefühle, Affekte) sich aus ursprünglich rein körperlichen Befindlichkeiten entwickeln:   Zu Beginn unterscheidet der Säugling nur zwischen Lust und Unlust, wobei beide Zustände sehr stark an Körperempfindungen gekoppelt sind. Im Laufe seiner Entwicklung, und im Austausch mit seiner Bezugsperson, entkoppelt das Kind seine Empfindungen zunehmend von seinem Körper und entwickelt davon entfernte, bewusste und differenzierte emotionale Zustände. Die ursprünglich körpernahen und noch nicht bewussten diffusen Zustände, die sich in Form von Lust und Unlust zeigten, werden immer differenzierter:  Lust wird unterschieden in Zufriedenheit, Freude, Vertrauen, Glaube, Liebe, Hoffnung und Zärtlichkeit… Unlust wird zu Angst, Depression, Furcht, Scham, Schuld, Ekel, Trauer, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit… Bei Überforderung kann es auch noch im Erwachsenenalter zu einer „regressiven Resomatisierung“ kommen: Es erfolgt ein Rückgängigmachen des oben beschriebenen Entwicklungsprozesses und eine Rückkehr zur „Körpersprache“. Dieser Mechanismus kann vorübergehend auch bei psychisch gesunden Menschen als „psychosomatische Reaktion“ auftreten und ist nicht als Krankheit zu verstehen.   Dieser Mechanismus bringt dem Betroffenen den Vorteil, dass die Belastung, der Konflikt und die damit zusammenhängenden unlustvollen emotionalen Zustände auf der psychischen Ebene nicht mehr „existieren“.  

Welche Grundkonflikte werden bevorzugt mit Hilfe des psychosomatischen Modus verarbeitet?

Es gibt bisher wenige Kenntnisse über den psychosomatischen Modus; vor allem die Frage „Warum reagiert der eine mit psychischer Erkrankung, warum der andere nicht?“ gibt Rätsel auf. Man weiß bisher, dass Resomatisierungsvorgänge in allen möglichen Belastungs- und Konfliktsituationen auch bei psychisch relativ gesunden Menschen vorkommen können.  Bei schweren psychosomatischen Erkrankungen wurde ein Zusammenhang mit folgenden Themen beobachtet:

  • Ablösungsproblematik bzw. orale Abhängigkeit (Ulcus/Geschwür),

  • Nähe-Distanz-Problematik (Asthma),

  • Trennungsproblematik und Autonomie (Colitis/Entzündung des Dickdarms).

Literatur: Mentzos, Stavros (2005): Neurotische Konfliktverarbeitung. Einführung in die psychoanalytische Neurosenlehre unter Berücksichtigung neuer Perspektiven. Fischer: Frankfurt am Main, Kapitel XI, S. 242ff



Verarbeitung psychischer Konflikte: Der hypochondrische Modus.

Übermäßige Sorge um die eigene Gesundheit

Der hypochondrische Patient ist ständig und übermäßig um seine Gesundheit besorgt, beobachtet sich dauernd und neigt dazu, unbedeutende Beschwerden und Störungen zu lebensbedrohlichen Erkrankungen auszubauen, wobei er von der tödlichen Ernsthaftigkeit seiner Erkrankung überzeugt ist. Im extremen Fall kommt es zu wahnhaften Befürchtungen, die nicht durch Gegenargumente korrigiert werden können. Der Betroffene muss die anderen und vor allem sich selbst ständig von der Richtigkeit seiner Sehweise überzeugen.

Selbstbeobachtung als Ablenkungsmanöver vor zwischenmenschlichen Konflikten

Wie andere Konfliktverarbeitungsmodi ist auch die Hypochondrie eine Abwehrreaktion: Der Hypochonder benutzt die intensive und krankhafte Selbstbeobachtung dazu, um konfliktträchtige zwischenmenschliche Situationen zu vermeiden, womit er zugleich die möglichen dadurch entstehenden Angstgefühle verdrängen kann.

Hypochondrie als komplizierte Körpersprache

Bei der Hypochondrie geht es häufig um einen symbolischen Hinweis auf bestimmte Existenzprobleme, auf eine Selbstwert- oder Aggressionsproblematik: Dabei ist Hypochondrie oft eine komplizierte Körpersprache, die eine für den Sender ebenso wie für den Empfänger schwer zu enträtselnde Botschaft enthält.

Das Böse in sich entdecken und auf den Körper auslagern

Der „Feind“ – also das, was der Betroffene nicht sein will – wird im eigenen Körper entdeckt. Der Betroffene identifiziert sich nicht mit seinem Krankheitsbild, sondern überträgt darauf alles, was ihn ängstlich stimmt, was ihm schlimm, aggressiv oder gefährlich erscheint.

Krankheitsgewinn: Vorteile durch Hypochondrie

Mit der Hypochondrie gehen nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile einher: Durch die Krankheit darf der Betroffene Zuwendung einfordern und bekommen; gewisse aggressive Tendenzen können indirekt abführt werden; und die Unannehmlichkeiten direkter Auseinandersetzungen mit Bezugspersonen können vermieden werden.

Literatur: Mentzos, Stavros (2005): Neurotische Konfliktverarbeitung. Einführung in die psychoanalytische Neurosenlehre unter Berücksichtigung neuer Perspektiven. Fischer: Frankfurt am Main, S. 190-195.



Verarbeitung psychischer Konflikte: Der depressive Modus.

Sich leer und missmutig fühlen

Menschen, die auf psychische Konflikte mit Depression reagieren, sind von ihrer Stimmungslage her am ehesten als „leer“ und missmutig zu beschreiben. Sie neigen dazu, sich selbst Vorwürfe zu machen und fühlen sich häufig minderwertig. Dem Partner gegenüber entwickeln sie ein ängstliches Anklammerungsverhalten. Des Weiteren leiden Betroffene häufig unter Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und anderen körperlichen Erscheinungen, die beispielsweise die Atmung oder Verdauung betreffen können. Depressive Menschen zeigen häufig unterschwellig oder offen Tendenzen zum Selbstmord.

Depression als krankhafte Ausprägung der Trauer

Bei Trauer und Depression kommt es zu ähnlichen Vorgängen: Es kommt zu einer Ich-Hemmung, einer Ich-Einschränkung, zum Absinken der Aktivität sowie der Leistung, und zum Rückzug von der Welt. Trauer und Depression unterscheiden sich jedoch in einer Hinsicht sehr wesentlich: Während die Trauer ein gesunder Mechanismus ist, um Verluste verarbeiten zu können, stellt die Depression eine krankhafte Abart der Trauerreaktion dar und wird zu einer verfehlten oder sogar schädlichen Reaktion, indem sie eben dort auftaucht, wo sie eigentlich nicht mehr notwendig ist. Sie nimmt überdimensionale Ausmaße an und trägt zur Bildung sinnloser, leidvoller Teufelskreise bei.

1. Teufelskreis: Verlust der Selbstachtung bedingt Verlust der Selbstachtung bedingt…

Der Kern des depressiven Syndroms bildet das Herabsetzen der Selbstachtung: Je mehr die Selbstachtung sinkt, umso mehr verstärken sich die für ein depressives Syndrom typischen Reaktionen und Mechanismen: extreme Teilnahmslosigkeit, Gefühllosigkeit, ausgeprägter Mattigkeit, Konzentrationsschwierigkeit, Antriebsarmut. Umso stärker diese Reaktionen und Mechanismen werden, umso weiter sinkt das Selbstwertgefühl…

2. Teufelskreis: Wut bedingt Selbstbestrafung bedingt Wut bedingt…

Dieser Teufelskreis geht von massiven aggressiven Phantasien aus, die jedoch nicht in die Tat umgesetzt werden, sondern autoaggressiv abgewehrt werden müssen: Dadurch kann es beim Betroffenen zu Selbstvorwürfen, Anschuldigungen, Selbstanklage, Nahrungsverweigerung, Selbstverstümmelung, Selbstmordgedanken, schließlich Selbstmord kommen. Je größer die Selbstbestrafung ist, desto intensiver wird die daraufhin entstehende Wut und desto massiver werden die Aggressionsphantasien. Diese müssen wieder durch Selbstbestrafung abgewehrt werden…

3. Teufelskreis: Der Verlust einer wichtigen Bezugsperson bewirkt Wut auf sich selbst und auf die verlorene Bezugsperson…

Wenn jemand eine wichtige Bezugsperson verliert, so kann auch dies der Anlass zur Entwicklung einer Depression sein: Verinnerlicht der Betroffene die verlorene Person daraufhin sehr stark, muss dies nicht immer zu einer Erleichterung und Lösung führen, sondern dieser Vorgang kann auch das Gegenteil bewirken: Die Schwierigkeiten entstehen dadurch, dass die verlorene Person mit geliebten und gehassten Teilen besetzt war. Es beginnt ein Teufelskreis, bei dem der Betroffene nicht nur sich selbst Selbstvorwürfe macht, sondern die Wut auch dem verinnerlichten bösen Anteil der verlorenen Person gilt. Dies führt wieder zu Selbstvorwürfen und zu Wut auf die verlorene Bezugsperson…

Depression durch Verlust von Liebe, Anerkennung und Aufwertung über den Anderen 

Viele depressive Zustände beginnen nach einem tatsächlichen oder symbolischen Verlust einer wichtigen Bezugsperson und/oder einer Traumatisierung oder Kränkung. Andere Personen übernehmen für Depressive häufig die Funktion, Liebe, Anerkennung und Aufwertung zu bieten bzw. finden Betroffenen die entsprechenden Aspekte in  einer Beziehung. Aus diesem Grund sind Depressive von äußeren Bezugspersonen extrem abhängig und reagieren auf Kränkungen extrem intensiv.

Hohe Maßstäbe an sich selbst haben

Depressive sind sich selbst gegenüber sehr streng und unnachgiebig; sie überfordern sich häufig mit überhöhten Ansprüchen und Maßstäben.   

Der Ursprung: Die Angst, die Liebe der Eltern zu verlieren

Der Depressive hat als kleines Kind große Angst gehabt, die Liebe der Eltern zu verlieren und musste sich deshalb streng nach deren Verboten und Geboten richten, um geliebt zu werden: Er musste sich selbst große Leistungen abverlangen, um den eventuellen oder tatsächlichen Liebesverlust auszugleichen. Beides ist erforderlich für die Aufrechterhaltung des Selbstwertgefühls.

Literatur: Mentzos, Stavros (2005): Neurotische Konfliktverarbeitung. Einführung in die psychoanalytische Neurosenlehre unter Berücksichtigung neuer Perspektiven. Fischer: Frankfurt am Main, S. 182ff.



Serienmörder oder Präsident?
Oktober 21, 2007, 11:36 am
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Gelesen und als interessant gefunden:

Im Artikel „Wann wird man wahnsinnig?“(Welt der Wunder, Ausgabe 5/07,  S. 71ff) gabs zu Beginn folgende Geschichte:

Herbert Mullin ist der beliebteste Junge in seiner Klasse. Er wächst auf in einem schmucken Häuschen in Santa Cruz, Kalifornien, in einer Familie, um die ihn seine Freunde beneiden: Seine Mutter bäckt jeden Sonntag Kuchen, und gemeinsam mit seinem Vater unternimmt er regelmäßig Angelausflüge. Als Herbert die Highschool abschließt, wird er von seinen Mitschülern zu demjenigen gewählt, der vermutlich „den größten Erfolg im Leben haben wird“.

Ganz anders verläuft das Leben von William Blythe: Der Junge ist noch nicht einmal geboren, als sein Vater bei einem Verkehrsunfall stirbt. Seine Mutter wird Alkoholikerin – und lädt das Kind kurzentschlossen bei ihren Eltern ab, um sich fortan mit wechselnden Männern zu vergnügen. Als William vier Jahre alt ist, heiratet sie einen Autohändler und fordert ihren Sohn zurück – der Junge wird hineingerissen in einen Sumpf, der geprägt ist von Alkoholexzessen, Prügeleien und Eifersuchtsdramen.

Geschichte geschrieben haben beide Jungen: Herbert Mullin als einer der schlimmsten Serienmörder Amerikas, der mit 25 Jahren in nur vier Monaten 13 Menschen tötete, weil Stimmen es ihm befahlen. William Blythe als der 42. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika – besser bekannt als Bill Clinton.

Geschichten, die das Leben schrieb. Erstaunlich. 



Familiendynamik: Kinder fordern, aber nicht überfordern!
Oktober 15, 2007, 3:12 pm
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In vielen Familien kann man folgendes Szenario beobachten: Die Eltern wollen, dass ihr Kind einmal gut im Leben vorankommen und fördern genau aus diesem Grund seine Leistungsmotivation. Letztere bewirkt allerdings nicht immer nur Positives, denn sie wird mitunter von einer großen Angst des Kindes vor Misserfolg begleitet. Im Kind entsteht folgendes Gefühl: „Alle meine positiven Beziehungen zu meinen Eltern laufen über die Leistung. Akzeptiert werde ich nur, wenn ich etwas geleistet habe.“

Der Leistungsgedanke muss in einer Familie nicht einmal offen formuliert worden sein, sondern wird von den Eltern vorgelebt, die selbst den entsprechenden Bedingungen dieser Wertvorstellung unterworfen sind. Was in der Folge entsteht, ist eineVerknüpfung von Leistung, Selbstwertgefühl, familiärer Achtung und familiären Rollenaufgaben.

Das Paradoxe: In dem Wunsch, ihre Erziehungsaufgabe besonders gut zu machen und dem Generationsauftrag zu folgen – die besten Kinder zu haben – versäumen es Eltern häufig, zusätzlich zu der Leistungsfähigkeit die anderen Fähigkeiten des Kindes zu fördern: seinen Kontakt, sein Vertrauen, seine Fantasie usw. (36)

Literatur:

Pesseschkian, N., Himmel und Hölle als Ausdruck der Salutogenese und Pathogenese – Familie und Gemeinschaft, in: Jork, Klaus, Peseschkian, Nossrat (Hg.), Salutogenese und Positive Psychotherapie. Gesund werden – gesund bleiben, Bern 2003: Verlag Hans Huber, S. 33 – 41.



Psychotherapie: Den eigenen Grundriss rekonstruieren.
Oktober 11, 2007, 2:53 pm
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In seinem Lied Unbewohnt singt Herbert Grönemeyer an einer Stelle: „Ich würde mich gern verstehen, aber ich weiß nicht, wie das geht, der Grundriss ist weg.“

Das ist ein gutes Bild dafür, was Menschen zu einer Psychotherapie bewegt und was das Ziel einer solchen sein kann: Ich weiß nicht, wie ich funktioniere und kann mein Leben daher nicht so gestalten, wie ich will.

Von Menschen und Häusern.

Ein Haus steht auch ohne Grundriss und die Bewohner finden sich nach einiger Zeit und mit Erfahrung darin auch blind zurecht. Zumindest in Teilen. Sind jedoch irgendwann Umbauarbeiten notwendig oder gewünscht, dann ist ein Grundriss sehr hilfreich. Ein Blick darauf erleichtert die Entscheidung, wo man was und wie tun kann, denn darin befinden sich wichtige Informationen wie: Wo sind tragende Mauern, wo befindet sich Kamine, wo wurden Wasserleitungen oder Stromleitungen verlegt etc.

Wie beim Haus ist auch beim Menschen nicht alles sofort erkenntbar und offensichtlich. Wie Häuser haben auch Menschen einen Grundriss: Aufgrund unserer frühen Kinheitserfahrungen wurden Entscheidungen getroffen und Muster gefestigt, die in unserem persönlichen Grundriss wohl vermerkt sind. Vieles wird im Laufe der Zeit selbstverständlich, wir funktionieren – vergessen jedoch mit der Zeit, warum wir wie funktionieren. Wir haben keinen Zugang mehr zum Plan in uns.

Tatsache ist, dass wir auch als Erwachsene im Hier und Jetzt in vielen Bereichen noch so handeln wie damals als kleines Kind. Aber dieses Verhalten ist oft später nicht mehr angemessen oder auch nicht mehr notwendig; es führt zu Konflikten und Belastungen. Das ist der Zeitpunkte, wenn Renovierungs- und Umbauarbeiten interessant und notwendig werden. Wenn wir uns jedoch verändern wollen, müssen wir uns an die Arbeit machen, den Grundriss zu suchen oder ihn zu rekonstruieren. Und genau dabei kann eine Psychotherapie helfen.