Hermine Mandl Weblog


Against-Anorexia-Gedicht: Flesh and Curves
Oktober 12, 2009, 10:20 am
Filed under: Anekdoten, Metaphern, Gedichte, mehr., Essstörungen

Treffendes Boing Boing Kommentar zur aktuellen Magermodels-Debatte gefunden:

Flesh and curves are warm and sexy,
much more fun than being anorexic.
Here’s my little fashion tip – the magazines are full of shit.



Seminarbericht: Psychotherapie bei Adipositas

Letzte Woche besuchte ich ein Seminar über Psychotherapie und Adipositas: Referent war der Arzt und Psychotherapeut Dr. Eberhard Wilke der Curtius Klinik für Psychosomatische Medizin in Bad Malente-Gremsmühlen. 

Adipositastherapie – aber wie?

Dr. Wilke erklärte, dass eine Gruppentherapie bei Adipositas mehr Erfolg verspricht als eine Einzeltherapie – auch reicht es nicht, das Problem von einer rein psychotherapeutischen Seite anzugehen – es braucht einen ganzheitlichen Therapieansatz, sprich Interventionen auf Ernährungs-, Bewegungs-, Wahrnehmungs- und psychodynamischer Ebene. Aus diesem Grund sind Kooperationen unerlässlich, damit es zu einem Erfolg kommen kann.

Das Ziel einer Adipositastherapie ist es, die Motivation zur Veränderung zu stärken. Das Gewicht kann dabei nur langsam und langfristig reduziert werden, weshalb eine begleitende Therapie sich optimalerweise über 2 Jahre erstreckt. Laut Wilke ist es notwendig, die Patient/innen sogar davor zu schützen, zu viel abzunehmen, da es sonst zu drastischen Rückfällen und zum bekannten Jojo-Effekt kommen kann. So empfiehlt er 0,5 kg/Woche und weist darauf hin, dass der Körper dazu tendiert, das Gewicht, das er einmal hat, nicht mehr hergeben zu wollen – es gibt demnach einen internen Setpoint, der gewichtsmäßig nach oben korrigiert wird.

Übergewicht – der Ursprung

Übergewicht kann viele Ursachen haben, wobei sich u.a. herausstellte, dass die Adipositasdynamik mit jener von Schmerzpatient/innen verglichen werden kann: Wenn die Erkrankung fortgeschritten ist, dann entsteht laut Wilke häufig eine „Eigendynamik“. Die Dynamik erinnert jedoch auch an jene von Suchterkrankten: häufig werden äußere Faktoren für das Essverhalten und die Gewichtszunahme verantwortlich gemacht. Im Vergleich zu anderen Suchtpatient/innen haben Adipöse jedoch einen entscheidenden Nachteil: Sie müssen lernen, mit der Substanz zu leben, denn ohne Essen kein Leben. Ohne Alkohol, Tabletten, Internet, Sex.. kann man hingegen sehr wohl leben.

Fressattacke: Wie die Dominosteine fallen…

Es entsteht eine negative Kaskade, die durch einen Essanfall ausgelöst wird:
Essanfall – Erleben eigener Insuffizienz – Depressive Stimmung – Resignation – Selbstaufgabe – Essanfall

Häufige Psychodynamik: Scham, Verleugnung und Fehleinschätzung

Nachvollziehbar scheint mir auch die starke Schambesetzung des Themas: Aufgrund der Kontrollverluste kommt es zu Schamaffekten, die wiederum in ein Verleugnungssystem münden. In letzteres steigt häufig das gesamte Umfeld ein – so auch die behandelnden Therapeut/innen. Auch sind Fehleinschätzungen des eigenen Gewichts typisch. Wilke zitierte eine deutsche Studie (Strauß 2002), derzufolge

  • 35 % der Schülerinnen (13 % der Schüler) im Alter zwischen 15 und 17 Jahren subklinische Essstörungen haben,
  • 33 % sind untergewichtig, wobei sich nur 6 % so einschätzen;
  • 42 % der 15- bis 17-jährigen Schüler/innen sich selbst als übergewichtig wahrnehmen (tatsächlich sind es 8 %) und
  • 20 % aller 7-11-Jährigen bereits Diäterfahrungen haben.

Psychodynamisch könnte man jedoch sagen, dass ein emotionaler Hunger mit Nahrung beantwortet wird und die Nahrungsaufnahme dafür verwendet wird, die Affekte zu regulieren. Dementsprechend sind auch Beziehungen überwiegend oral determiniert und Konflikte werden durch beständige Nahrungsaufnahme und Inaktivität gewissermaßen süchtig abgewehrt. Betroffene haben große Angst vor dem psychischen Verhungern.

Psychische Befunde einer Adipositas:

  • Angst vor Enttäuschung und Zurückweisung
  • ausgeprägte Versorgungswünsche
  • Aggressionsgehemmtheit
  • Bereitschaft zur Anpassung und zur Zurückstellung der eigenen Bedürfnisse
  • anklammerndes oder kontaktvermeidendes Verhalten
  • Trennungsangst
  • Fortdauernde Sehnsucht nach einem versogenden mütterlichen Objekt (süchtige Beziehungsstruktur)
  • versiegende Sexualität
  • große Einsamkeit

Ziele eine Adipositastherapie:

  • Stärkung der Eigenverantwortung
  • Entwicklung eines positiven Selbstbildes
  • Verminderung von rigiden Kontrollen und Ersetzen durch flexible Kontrollen
  • Verbesserung der emotionalen Ausdrucksfähigkeit
  • Verbesserung körperlicher Ausdruchsfähigkeit (Gestik)
  • Verbesserung der sozialen Kompetenzen in Beruf, Familie und Partnerschaft

Der Weg hinaus…

Dr. Wilke erzählte, dass Patient/innen immer wieder den Impuls verspüren, ihr Glück „vorne“ zu suchen – „wenn sie abgenommen haben, können sie glücklich sein.“ Wilke erzählt, dass er seine Patient/innen dann immer korrigiert und meint: „Das Glück liegt nicht vorne, es liegt ganz weit hinten: Eine Adipositastherapie ist vergleichbar wie rückwärts langsam aus der Einbahnstraße zu fahren.“ 

Ein erster wichtiger Schritt ist, ehrlich damit umzugehen, dass man von etwas abhängig ist – in diesem Fall vom Essen. Betroffene lernen in einer Therapie auch, mehrere Mahlzeiten täglich zu essen, damit kein Hungergefühl entstehen kann. Andere Methoden beinhalten die Analyse des eigenen Essverhaltens (wie schnell wird gegessen, wird erkannt, wann Hunger, wann Sättigung da ist?), das Führen eines Esstagebuchs, die Verwendung von kleinen Tellern, kleinen Bestecken etc. Auch die Einbindung der Familie ist ein wichtiger Faktor, der die Chance einer günstigen Prognose erhöht.

Eine günstige Prognose für eine Adipositastherapie ergibt sich bei

  • hohem Leidensdruck unter dem dysfunktionalen Essverhalten und dem Übergewicht
  • einem gravierenden Aktualkonflikt
  • intakter beruflicher und psychosozialer Einbindung
  • höherer intellektueller Begabung und Bildung
  • besserer sozialer Position 
  • geringer psychischer und körperlicher Co-Morbidität
  • einem eingrenzbaren Beginn der Übergewicht-Entwicklung
  • einem prämorbid bestehendn Normalgewicht
  • klarer Veränderungsbereitschaft.

Fazit: Mühsam, aber wichtig

Es ist ein langer Weg aus der Adipositas – wobei nicht nur die Betroffenen, sondern auch das gesamte Umfeld zwischendurch unter Gefühlen der Ohnmacht, Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit leidet, welche sich mit Ungeduld, Ärgerlichkeit und Unzufriedenheit abwechseln. Dennoch zahlt es sich aus, das Gewicht zu stabilisieren (gilt bereits als Erfolg!) oder weiter Gewicht zu verlieren, denn mit jedem nicht zugenommenen oder verlorenen Kilo erhöht sich die Lebenserwartung der Betroffenen.



Längsschnittstudie über den Zusammenhang von Übergewicht und psychischen Erkrankungen
April 26, 2008, 4:32 pm
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Die Wissenschaftlerin Sarah Anderson von der Ohio State University führte gemeinsam mit ihren Kolleg/innen einen Längsschnittstudie zum Thema „Kindliche Adipositas und das Risiko, an einer Depression oder Angststörung zu erkranken“ durch. Dafür wertete sie die Daten von 820 Personen aus dem US-Bundesstaat New York aus, die zwischen 1975 und 2003 insgesamt viermal kontaktiert worden waren, um Auskunft über ihr Körpergewicht, ihre Körpergröße sowie über ihre psychische Gesundheit zu geben. Für die Studie wurden zusätzlich sozioökonomische Daten, ethnische Herkunft und eventuelle psychische Erkrankungen der Eltern erhoben und für die statistische Analyse berücksichtigt, indem diese Aspekte als äußere Einflüsse herausgerechnet wurden.

Das Ergebnis: Frauen, die in ihrer Jugend einen höheren Body-Mass-Index (Körpergewicht im Verhältnis zu Körpergröße) als 95 Prozent der Bevölkerung hatten, entwickelten fast 4-mal häufiger als andere Teilnehmer/innen in späteren Lebensjahren eine Depression oder Angststörung. Ein derartiger Zusammenhang war bei Männern nicht erkennbar.

In ihrem Erklärungsmodell vermuten die Wissenschafter/innen, dass ein Grund dafür sein könnte, dass für Mädchen das eigene Aussehen wichtiger ist als für Jungen; auch das Hänseln, von dem übergewichtige Jugendliche verstärkt betroffen sind, könne die negative Selbstwahrnehmung und depressive Symptome fördern.

Studie:
Anderson, S.E. et al: Adolescent obesity and risk for subsequent major depressive disorder and anxiety disorder: Prosepctive evidence. Psychosomatic Medicine, 69, 2007, 740-747.

Quelle:
Römer, Anke: Erst schwer, dann schwermütig. Psychologie heute, April 2008, S. 59.

 



Anorexie in den späteren Jahren: Über den Druck, schön zu altern
Februar 29, 2008, 1:05 am
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Lange Zeit galt die Magersucht als Krankheit, die fast ausschließlich mit jungen Mädchen in Verbindung gebracht wurde. Nun scheint sich dieses Bild dahingehend zu verändern, dass neben jungen Männern immer häufiger ältere Frauen unter den Patienten zu finden sind. ExpertInnen schätzen, dass der Anteil an älteren Anorektikerinnen inzwischen bei 10 Prozent liegt; dementsprechend gilt es in der Zwischenzeit als durchaus üblich, eine Essstörung auch im mittleren Alter zu entwickeln.

Letzteren Umstand wird unter anderem auf die Vorbildwirkung von Stars wie Madonna, Sharon Stone, Jane Fonda und deren Kolleginnen zurückgeführt. Durch die glamourösen Autritte der Celebrities, welche in ihren 40ern, 50ern und sogar 60ern noch gleich schlank sind, wie sie es in ihren 20ern waren – kombiniert mit einer zeitlos jugendlichen Ausstrahlung – führen dazu, dass Frauen eine unrealistische Vorstellungen davon entwickeln, wie sie in ihrer späteren Lebensphase auszusehen hätten. ExpertInnen sind sich einig: In der heutigen Zeit geht es nicht mehr darum, würdevoll zu altern, sondern ein Leben lang jung zu bleiben.

Genauer nachzulesen bei:

Sarah Cassidy: Pressure to grow old beautifully drives over-50s to anorexia. The Independant Health & Wellbeing, 28.2.2008.



Forschungsprojekt: Restaurant der Zukunft

Heute gibts einen Exkurs, der nicht direkt mit Essstörungen zu tun hat, aber indirekt möglicherweise doch:

„Ich weiß, was du mittags gegessen hast…“ 

In den Niederlanden erforscht der Ernährungswissenschaftler René Koster seit Jänner dieses Jahres mit zwei Dutzend weiteren KollegInnen und Catering-MitarbeiterInnen, wie sich die Umgebung auf das Essverhalten auswirkt. Dafür wurde die Kantine der niederländischen Universität Wageningen zum „Restaurant der Zukunft“ umgestaltet: 250 Universitätsangestellte lassen sie sich nun freiwillig beim Mittagessen filmen. Die Projektdauer ist für 10 Jahre anberaumt.

„Bald weiß ich mehr darüber, wieso du es gegessen hast…“ 

Derzeit wissen die Forscher noch wenig über die Rolle, welche die Umgebung und das Ambiente bei der Auswahl und dem Verzehr des Essens spielen. Aber erste Erkenntnisse gibt es schon:

  • Ohne Gesellschaft essen wir weniger, da wir uns mehr aufs Essen konzentrieren.
  • Blaues Licht macht Appetit auf Fisch.
  • Süßer Duft in der Luft verleitet zum Dessert.
  • Blumen, bequeme Stühle und Musik steigern die Verweildauer. Dann nehmen Kunden eher noch einen Kaffee zum Abschluss. 

„Bald wirst du essen, was und wieviel ich will…“

Aber nicht nur die Probanden, Wissenschaftler und internationalen Kollegen warten schon gespannt auf die Ergebnisse, auch die Industrie freut sich schon. Gründe dafür gibt es genug:

  • Laut Statistischem Bundesamt geben die Deutschen ein Drittel ihres Lebensmittelbudgets in der Gastronomie aus – Tendenz steigend.
  • Eine bessere Produktpräsentation soll Geld sparen helfen – indem Restaurants, Kantinen und Supermärke nicht mehr so viel entsorgen müssen. Derzeit landen nach Angaben des Bundesverbands der Entsorgungswirtschaft jedes Jahr rund 1,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle aus Küchen, Mensen, Restaurants und Hotels in der Tonne.
  • Laut Koster könnten die Erkenntnisse dieses Projekts auch bei der Einführung neuer Produkte Kosten sparen helfen, denn derzeit überlebt lediglich ein Viertel aller Lebensmittelprodukte die ersten sechs Monate im Handel. 

Das Wegbewegen von einer „Wegschmeiß-Gesellschaft“ ist sicherlich ein guter Gedanke; bleibt nur zu hoffen, dass wir dafür nicht zu einer reinen „Wegess-Gesellschaft“ werden, in der die Menschen „noch mehr“ essen, denn bereits jetzt sind Übergewicht und Adipositas für einen großen Teil der Bevölkerung ein Problem. Die Chancen für letzteres Szenario stehen jedoch gut, denn nach Adam Riese funktionieren sowohl Lebensmittelindustrie als auch Gastronomie nach den Gesetzen der kapitalistischen Marktwirtschaft: Jeder will – mehr – verkaufen. Nebeneffekt: Mehr Arbeit für die Gesundheitsindustrie…

Mehr dazu:



Psychotherapie als Teil der Behandlung von Essstörungen
Januar 6, 2008, 2:25 pm
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Wer seine Essstörung – sei es Magersucht, Bulimie oder Adipositas – ernsthaft in den Griff bekommen will, wird wohl auf mehreren Ebenen gleichzeitig ansetzen müssen. Der erste Schritt einer erfolgreichen Behandlung ist der Besuch bei einem Arzt, der abklärt, ob eine Essstörung eventuell einen organischen Ursprung haben könnte.

Ausgehend von den medizinischen Ergebnissen sollte die Unterstützung von Experten aus den Bereichen Ernährung, Bewegung und Psychotherapie gesucht werden, denn die erfolgreiche Behandlung einer Essstörung mündet im Idealfall in einer gesunden Lebensweise, welche eben diese Bereiche betrifft: Der Betroffene lernt, sich sowohl gesund zu ernähren und als auch zu bewegen, aber auch, sich mit sich und seinem Umfeld wohl zu fühlen. Zu Letzterem gehört auch, sich selbst mit den seinen Wünschen und Ängsten zu kennen sowie sich mit seinen Stärken und Schwächen zu akzeptieren.

Der Teil des Wohlbefindens und der Selbstakzeptanz kann mit Hilfe einer Psychotherapie bearbeitet werden, wobei es – auch wenn der Anlass für die Therapie eine Essstörung ist – meist sinnvoll ist, die psychische Gesundheit des Patienten im Allgemeinen zu fokussieren und nicht in erster Linie das Gewicht. Es gilt jene Konflikte aufzuspüren, die einer Essstörung zugrunde liegen könnten; häufig spielen dabei die persönlichen Beziehungen eines Patienten eine wichtige Rolle. Das Ziel ist es, eine Situation oder einen Moment zu verstehen, der ein (Mit-)Auslöser für eine Essstörung gewesen sein könnte. Dafür kann sowohl ein Einzel- als auch ein Gruppensetting geeignet sein.

Mehr dazu auch in Eating Disorders: Psychotherapy’s Role in Effective Treatment.



Faktor „Familie“ bei der Entstehung von kindlichem Adipositas
November 28, 2007, 11:43 am
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Für die Ausbildung von Übergewicht oder Adipositas sind verhaltensbezogene und kognitive Faktoren (Selbstkontrolle, Selbstmanagement) mit verantwortlich, wobei die Verhaltensfaktoren sich auf Charakteristika des Ess- und Bewegungsverhaltens beziehen. Für die Entwicklung des Selbstmanagements spielen vor allem psychosoziale Einflüsse eine erhebliche Rolle, wobei Petermann und Häring (2003:263ff) hier vor allem auf die familiären Einflüsse als Hauptgründe verweisen. In der Familie werden Kindern Vorbilder, Regeln und Muster für angemessenes und unangemessenes Essverhalten vermittelt. Dabei wird ein unangemessenes Essverhalten durch eine gestörte Hunger- und Sättigungsregulation übergewichtiger Kinder und Jugendlicher grundlegend begünstigt. Durch diese Störung kommt es häufig zu Nahrungszufuhr über die Sättigungsgrenze hinaus, was in weiterer Folge zu einer dauerhaft erhöhten Energiebilanz und damit zu Übergewicht bzw. Adipositas beiträgt.

Eine an der Penn State University durchgeführt Studie untersucht die Essgewohnheiten zweier Gruppen von Kindern – einer Gruppe Dreijähriger und einer Gruppe Fünfjähriger: „Both groups reported equal levels of energy expenditure and hunger. The children were then presented with series of plates of macaroni and cheese. The first plate was a normal serving built around age-appropriate baseline nutritional needs; the second plate was slightly larger; the third was what we might now call “supersized”… The younger children consistently ate the same baseline amount, leaving more and more food on the plate as the servings grew in size. The five-year-olds acted as if they were from another planet, devouring whatever was put on their plates.“ (Critser, 2003:38)

Dieser Versuch legt den Schluss nahe, dass Kinder hinsichtlich „angemessener Portionsgrößen“ klarer Informationen bedürfen – eine Aufgabe, die es von Seiten der Eltern bereits von klein auf wahrzunehmen gilt. Dass dies in unserer Zeit nicht so einfach ist und generell eine Tendenz zum „Supersizing“ besteht, zeigt sich an veränderten Portionsgrößen, die uns angeboten werden. In folgenden Zahlen sei anhand einer Portion Pommes Frites kurz dargestellt, wie sehr sich die Portionsgrößen in den letzen 40 Jahren verändert haben. 1960 entsprach eine Portion Pommes Frites bei McDonald’s 200 kcal, 320 kcal Ende der 70er, 450 kcal Mitte der 90er, 540 kcal in den späten 90ern, bis hin zu derzeit 610 kcal. Das gleiche gilt für das McDonald’s Menü, welches von 590 kcal auf derzeit 1550 kcal hochschnellte (ebd, 28).

Beobachtet wurde im Zusammenhang mit Essverhalten auch, dass Eltern übergewichtiger oder adipöser Kinder Nahrung häufig als Belohnung oder Bestrafung eingesetzt haben. In diesem Fall kann Essen auch stellvertretend als Ersatz für emotionale Zuwendung benutzt werden.

Hinsichtlich des Bewegungsverhaltens kann festgestellt werden, dass die Kinder durch Modelllernen das von anderen Familienmitgliedern vorgelebte Bewegungs­verhalten übernehmen und oft ein inaktiver Lebensstil einem aktiven vorgezogen wird. So werden ruhige, sitzende Tätigkeiten bevorzugt. Fernsehen als Freizeit­aktivität, auch kurze Wege mit dem Auto zurücklegen, Aufzüge und Roll­treppen verwenden, sind in derartigen Familien häufiger zu finden als eine Sportart als Hobby zu haben, kurze Wege mit dem Fahrrad zu fahren oder zu Fuß zurückzulegen. Durch Bewegungsarmut wird die Adipositas aufrechterhalten. Auch gilt das gemeinsame Fernsehen beispielsweise als sozialer Verstärker, und Zeiten, die für sportliche Aktivitäten abgezweigt werden, fallen in diesem Kontext als Zeiten für soziale Verstärkung weg (Petermann/Häring, 2003:263ff).

Petermann und Häring (2003:263ff) stellen weiters fest, dass die Interaktionen in Familien mit adipösen Kindern häufig dysfunktionale Kommunikations- und Konfliktbewältigungs­muster aufweisen. Wie sehr familiäre Strukturen die Entwicklung von Adipositas im Kindesalter beeinflussen können, wird in zahlreichen Studien belegt:

  • Es liegt ein neunfach erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Adipositas im Kindesalter vor, wenn Kinder sozial und/oder emotional vernachlässigt werden. Vernachlässigung stellt einen unkontrollierbaren aversiven Reiz dar. Unabhängig davon, wie stark sich das Kind um Zuwendung bemüht, werden seine Eltern nicht mehr Zeit für es aufwenden.
  • Das Risiko erhöht sich auf ein siebenfaches für Kinder, die nicht in intakten Familienverhältnissen aufwachsen.
  • Es liegt ein viereinhalbfach erhöhtes Risiko bei Kindern vor, deren Eltern keine Kenntnis über den kindlichen Süßigkeitskonsum haben.
  • Wenn die genetische Prädisposition vorliegt, nehmen Kinder, die unter psychosozialen Problemen leiden, häufig rapide an Gewicht zu.

Literatur: