Hermine Mandl Weblog


Veränderung: immer möglich und immer erstrebenswert?
März 6, 2008, 10:00 pm
Filed under: Arbeit, Forschung, Psyche, Uncategorized | Schlagwörter: , , , , , ,

Der Glaube an Veränderung

Carol Dweck, Entwicklungspsychologin an der Stanford University, fand in ihren Studien heraus, dass Menschen fähig sind, sich zu ändern, wenn sie dies grundsätzlich selbst für möglich halten. Wer glaubt, seine Persönlichkeit und seine Fähigkeiten selbst beeinflussen zu können, ist offener für neue Erfahrungen und riskiert auch mehr. Glaubt ein Mensch hingegen, dass seine Eigenschaften festgefügt und unveränderbar sind, hat er kein Motiv und keinen Ansporn, Neues zu wagen.

Gut für uns: zufrieden mit dem Job, zufrieden mit der Beziehung

Christie Napa Scollon und ihre KollegInnen von der Texas Christian University untersuchten acht Jahre lang 113o Autstralier und fanden dabei heraus, dass jene Menschen, die Gefallen an ihren Jobs hatten, sich im Laufe der Zeit extravertierter und weniger neurotisch verhielten als sie dies zu Beginn der Studie taten. Weiters verhielten sich Personen, die zu Beginn der Studie in einer befriedigenden Beziehung lebten, am Ende der Studie weniger neurotisch, sie waren jedoch gleichzeitig auch weniger außenorientiert.

Über das Positive am Negativen

Aber nicht immer ist Veränderung ausschließlich gut: Ursula Nuber weist in ihrem Artikel „Ein anderer Mensch werden“ auf den wichtigen Punkt hin, dass das, was wir verändern oder loswerden wollen, durchaus auch eine wichtige Funktion haben kann und dass so manche „negativ“ eingestufte Eigenschaft oder „lästige“ Verhaltensweise auch einen tieferen Sinn haben kann. Um das zu verdeutlichen, bringt sie folgendes Beispiel des britischen Wissenschafters Dan Nettle: Viele Wall-Street-Börsenmakler befanden sich vor dem Börsencrash in den 90er Jahren unter dem Einfluss von Antidepressiva, um ihre Ängste zu bekämpfen und ihre Erschöpfung zu verbergen. Dadurch war es ihnen jedoch nicht möglich, angemessen auf den drohenden Zusammenbruch der Märkte zu reagieren. Laut Nettle wäre es für viele Anleger die Rettung gewesen, wenn die Makler neurotischer, pessimistischer und depressiver gewesen wären.
Fazit: Nicht alles Negative ist immer negativ.

Quelle:
Nuber, Ursula: Ein anderer Mensch werden. Psychologie Heute, Dezember 2007, S. 20f.

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Werden Kranke arbeitslos oder Arbeitslose krank?

Das deutsche „Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit“ beschäftigte sich 2001 verstärkt mit dem Thema „Arbeitslos – Gesundheit los – chancenlos?“, indem es eine repräsentative Befragung durchführte und die arbeitsamtsärztlichen Gutachten auswertete. Das Ergebnis zeigte, dass Arbeitslose einen deutlicheren Gesundheitszustand im Vergleich zu Beschäftigten aufweisen. Damit im Zusammenhang stellt sich jedoch die Frage: Werden Kranke arbeitslos oder Arbeitslose krank?

Lang andauernde Arbeitslosigkeit verursacht oder verschlimmert psychische Krankheiten. Bisherige Untersuchungen zeigten vor allem, dass ein Wechsel zwischen Erwerbsstatus und Arbeitslosigkeit häufig zu einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit führt; umgekehrt verbessert sich die seelische Befindlichkeit deutlich, wenn Arbeitslose zurück ins Erwerbsleben finden. In neueren Metaanalysen kristallisierte sich nun Folgendes deutlich heraus: Besonders lang andauernde Arbeitslosigkeit kann insbesondere psychische Krankheiten verursachen oder verschlimmern.

Keine Arbeit, dafür jede Menge Stress.
Im Gesundheitsbericht für Deutschland (1998) werden der Arbeitsplatzverlust und die andauernde Arbeitslosigkeit als eigenständige psychosoziale Stressoren erwähnt, die auf verschiedenen Ebenen wirken:

  • Die ökonomische Sicherheit, die soziale Einbindung, das Selbstwertgefühl, die Zeitstrukturierung sowie die externen Anforderungen werden abgeschwächt oder gehen ganz verloren.
  • Durch Alltagsprobleme wie finanzielle Sorgen, Zukunftsunsicherheit und soziale Stigmatisierung sind die Betroffenen zusätzlich belastet.
  • Sozial als unangemessen angesehene Bewältigungsstrategien werden den Betroffenen selbst angelastet.

Psychische Erkrankungen an zweiter Stelle bei Arbeitslosen.
Von über 390.000 Gutachten des Ärztlichen Dienstes der BA über den Gesundheitszustand von Arbeitslosen wurden über 320.000 mit Krankheitsdiagnosen abgeschlossen: Allen voran wurden „Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes“ (40 %) diagnostiziert, gefolgt von „Psychische und Verhaltensstörungen“ (25 %); der Rest verteilt sich breit auf sonstige Krankheitsarten.

Die gefürchteten 3: Arbeitslosigkeit, Armut und Krankheit.
Es zeigte sich, dass die festgestellten Gesundheitsschäden nicht nur die Leistungsfähigkeit der Arbeitslosen beeinträchtigen, sondern damit – verglichen mit den übrigen Arbeitslosen – auch deutlich geringere Wiedereingliederungschancen verbunden sind. Durch den Gesundheitszustand, die Arbeitslosigkeit und die drohende Verarmung sind die Betroffenen mehrfach belastet. Sie geraten häufig in einen Teufelskreis: Arbeitslosigkeit gilt als Hauptrisikofaktor für die Armut und die Armut wiederum wird als größter Risikofaktor für Gesundheit gehandelt. Aus diesem Grund legt der Armuts- und Reichtumsbericht der deutschen Bundesregierung (2001) auch nahe, dem Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheit mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Genauer nachzulesen unter:

U.a. darin zitierte Literatur:

  • Hollederer, A. (2002): Arbeitslosigkeit und Gesundheit: Ein Überblick über empirische Befunde und die Arbeitslosen- und Krankenkassenstatistik. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (Hg.). Mitteilungen aus Arbeitsmarkt- und Berufsforschung MittAB 3/2002, 411-428.
  • Murphy G./Athanasou, J. (1999): The effect of unempolyment on mental health. In: Journal of Occupational and Organizational Psychology, 72, 83-99.
  • Paul, K./Moser, K. (2001): Negatives psychisches Befinden als Wirkung und Ursache von Arbeitslosigkeit: Ergebnisse einer Metaanalyse. In: Erwerbslosigkeit. Zempel, J.; Bacher, J.; Moser, K. (Hg.). Leske + Budrich, Opladen, S. 83-110.
  • Statistisches Bundesamt (Hg.) (1998): Gesundheitsbericht für Deutschland. Stuttgart: Verlag Metzler-Poeschel.


Kahneman über das falsche Versprechen eines glücklichen Lebens in Reichtum und Luxus.

„Glück erlebt man in Momenten, in denen man seine Aufmerksamkeit auf etwas Angenehmes richtet. Das gilt ebenso für das Unglück: Viele kleine Missgeschicke pro Woche sorgen dafür, dass man ständig an Missgeschicke denken muss. Man ist unglücklich. Ein einziges, wirklich großes Unglück dagegen hat man nach einer gewissen Zeit mit einiger Sicherheit verwunden“, erklärt der Psychologe und Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. (Anmerkungen: Die Forschungsergebnisse von Sonja Lyobumirsky bzw. auch von Richard Wiseman bestätigen Kahneman.)

Glücksmomente und Lebenszufriedenheit
Laut Kahneman setzt sich Glück zusammen aus der Summe an Glücksgefühlen, die man während eines Tages erlebt und der Einschätzung, ob man insgesamt mit seinem Leben zufrieden ist. So zeigen Forschungen beispielsweise folgenden Unterschied zwischen verheirateten und geschiedenen Frauen: Zwar erleben geschiedene Frauen im Laufe eines Tages häufiger Glücksmomente – d.h. sie sind öfter gut gelaunt, da sie seltener Tätigkeiten nachgehen, die sie unangenehm finden – dennoch bewerten verheiratete Frauen in Umfragen ihre generelle Lebenszufriedenheit höher. Kahneman findet dafür folgende Erklärung: Die Lebenszufriedenheit erhöht sich, wenn man Ziele erreicht, die man sich gesetzt hat, wobei diese Ziele häufig gesellschaftlich definiert sind: Ehe, Kinder erziehen, beruflicher Erfolg, ein steigender Lebensstandard.

WAS und WIE
Neben dem Erreichen von Zielen ist wichtig, wie man seine Zeit verbringt. Laut Kahneman geht es darum, „Zeit möglichst effizient zu nutzen“; er meint damit, dass beides vorhanden ist: Zeit für Dinge, die man gerne um ihrer selbst willen tut (Hobbys ausüben, Zeit mit Freunden verbringen etc.) und Zeit, die man auf das Erreichen von Zielen verwenden. Am besten ist natürlich, wenn beides zusammenfällt.

Der Traum, für immer „reich und glücklich“ zu sein
Zu den am weitesten verbreiteten Illusionen zählt nach Kahnehman jene, zu glauben, man lebte in dauerndem Glück, wenn man reich ist. Er entkräftigt diesen Irrglauben anhand folgenden Beispiels: Zwar beurteilen viele Reiche ihr Leben insgesamt als sehr zufriedenstellend, tatsächlich dominieren jedoch Momente schlechter Stimmung deren Alltag: Sie nehmen mehr Arbeit und weitere Wege in Kauf, verbringen viel Zeit in Autos auf Dienstreisen etc., was in Summe wiederum dazu führt, dass Reiche insgesamt weniger Zeit für Dinge haben, die ihnen persönlich Spaß machen.

Ratschlag zur Steigerung des Glücks
Kahnemann gibt folgenden allgemeinen Ratschlag, wie man sein Glück und seine Zufriedenheit steigern kann: sich mehr Momente verschaffen, in denen man sich auf etwas Schönes konzentriert.
Wer zum Beispiel Zeit mit Menschen verbringt, die er liebt und schätzt, befindet sich in ständiger Konzentration – jeder Moment ist neu, es kommt zu keinem Gewöhnungseffekt.
Bei einem neuen Auto ist das anders: Beim Kauf ist es toll und neu, aber auf diese Tatsache kann man sich nicht über einen längeren Zeitraum konzentrieren; irgendwann ist das Auto nicht mehr neu, man gewöhnt sich daran und denkt am Steuer an etwas anderes, z.B. an die Arbeit oder an den Haushalt.

„Für das Glück gilt dasselbe wie für die vielen, kleinen Missgeschicke, die einen unglücklicher machen als ein großer Schicksalsschlag“, so Kahneman, „man sollte sein Geld nicht für eine große Sache ausgeben, für ein teures Auto, eine Villa, sondern es in viele kleine Dinge investieren, die einen froh machen: Fahr auf Urlaub, verschenke Blumen, feiere Partys! Vielleicht wissen die Leute auch tatsächlich einfach nicht, wie sie mit ihrem Geld umgehen müssten, um glücklicher zu sein.“

Daniel Kahneman, 1934 in Tel Aviv geboren, wuchs in Paris auf, studierte in Jerusalem und an der University of California in Berkeley. Seit 1993 lehrt er in Princeton. Eines seiner größten wissenschaftlichen Verdienste ist es, das Menschenbild der Wirtschaftswissenschaften widerlegt zu haben: den stets rational entscheidenden Homo oeconomicus. (SZ Wissen 12/2006)



„Freizeitkrankheit“: Krank in der Freizeit.

Von der so genannten „Freizeitkrankheit“ Betroffene entwickeln vorwiegend an den Wochenenden und/oder im Urlaub Krankheitssymptome: Meist sind es Anzeichen wie Kopfweh/Migräne, Müdigkeit, Muskelschmerzen oder Übelkeit, die sich in ihrer Arbeitspause einstellen. Zusätzlich berichten sie im Zusammenhang mit Urlauben und Reisen vom Auftreten viraler Infekte (Grippesymptome, Erkältungen).

Laut den im November 2002 im „Journal of Psychotherapy and Psychosomatics“ veröffentlichten Ergebnissen einer Holländischen Forschergruppe der Tilburg University sind rund 3 Prozent der Bevölkerung von der „Freizeitkrankheit“ betroffen. Unter anderem zeigte die Studie, dass die Betroffenen teilweise über viele Jahre hinweg an den Sympotmen leiden und Stress ein entscheidender ursprünglicher Auslöser der „Freizeitkrankheit“ zu sein scheint. Personen, die in der Freizeit häufig Krankheitssymptome entwickeln, berichten von einer hohen Arbeitsbelastung sowie von einem hohen Verantwortungsgefühl und der Unfähigkeit, sich zu entspannen; der Übergang zwischen Arbeit und Freizeit fällt ihnen schwer und Reisen oder Urlaube sind für sie mit Stress verbunden. Dennoch schätzen auch sie ihre Wochenenden, ihre Freizeitaktivitäten und ihren Lifestyle ebenso sehr wie der Rest ihrer MitbürgerInnen…

Gefunden auf: Brightsurf.com



Gelesen: Die Masken der Niedertracht. Seelische Gewalt im Alltag und wie man sich dagegen wehren kann

Marie-France Hirigoyen studierte Medizin und Viktimologie in Frankreich und den USA und praktiziert als Psychoanalytikerin und Familientherapeutin in Paris. In ihrem Buch Die Masken der Niedertracht (2002) fasst sie ihre Erfahrungen als Viktimologin zusammen und versucht, die Dynamik zwischen Täter und Opfer nicht nur verstehbar zu machen, sondern die Gewalt – welche sich sowohl auf privaten als auch beruflichen Schauplätzen abspielen kann – anhand zahlreicher Fallbeispiele auch spürbar zu machen.

Im Großen und Ganzen finde ich, dass Hirigoyen ein wichtiges Buch geschrieben hat, das zu lesen ich durchaus empfehlen kann – nicht zuletzt, weil es flüssig und verständlich geschrieben ist. Dennoch saß ich am Ende mit „gemischten Gefühlen“ da: Vielleicht, weil mich das letzte Kapitel, in welchem es um die Betreuung der Opfer als Patienten geht, nicht zur Gänze überzeugen konnte. Hirigoyen bezieht folgende Position, wenn es um die Auswahl eines „Psychotherapeuten“ geht:

Im Zweifelsfall ist es besser, jemanden zu wählen, der Psychiater oder Psychologe ist; denn es gibt heute alle möglichen Arten von neuen Therapien, die verführerisch sein können, weil sie schnellere Heilung versprechen, deren Wirkungsweise aber der der Sekten recht nahe kommt.

Vielleicht habe ich mich an dieser Stelle als Psychotherapeutin „auf den Schlips getreten“ gefühlt. Ich kenne die Situation in Frankreich und in den USA nicht, aber „Psychotherapie“ ist in Österreich ein Berufsstand, der sogar in einem eigenen Psychotherapiegesetz verankert ist und dessen Ausübung eine sehr umfassende und fundierte Ausbildung vorangeht. Von Kurpfuscherei, esoterischen Therapien etc. also keine Spur; natürlich spielt trotz aller Regeln, Gesetze etc. immer die ethische Haltung sowie die Persönlichkeit des Therapeuten eine große – wenn nicht die wichtigste – Rolle. Deshalb scheint mir das Auseinanderdröseln des Psychotherapieprozesses nach Richtungen nicht sinnvoll (vgl. Wirkprinzipien der Psychotherapie).

Persönlich gefiel mir, dass Hirigoyen die „perverse Gewalt im Alltag“ anhand zahlreicher Fallbeispiele aufzeigt – dadurch ist nicht nur ein abstraktes Verstehen der Dynamik möglich, sondern bis zu einem gewissen Grad auch ein Einfühlen.

Ich möchte in der Folge den Inhalt des Buches kurz zusammenfassen, allerdings empfehle ich jenen Personen, die sich für das Thema interessieren (oder die vielleicht sogar selbst von Gewalt betroffen sind) das Lesen des gesamten Buches! 

Die private Gewalt: Die perverse Gewalt gegenüber dem Lebenspartner und in Familien

Die perverse Gewalt wird häufig bestritten oder banalisiert bzw. verkürzt auf ein einfaches Herrschaftsverhältnis. Sie basiert auf subtilen Aggressionen, die keine greifbaren Spuren hinterlässt. Und sogar Zeugen neigen dazu, die perverse Gewalt als schlichte konfliktbeladene oder leidenschaftliche Beziehung zwischen zwei Personen mit schwierigem Charakter zu deuten. Und auch die Opfer lernen erst im Laufe der Zeit, den Umgang zu erkennen, sich zu wehren und Beweise zusammenzutragen (23).

Zur perversen Gewalt kommt es, wenn das Gefühl in einer Beziehung abflaut, oder aber zu große Nähe besteht (23); es handelt sich um eine Angst, den anderen zu verlieren und gleichzeitig von ihm vereinnahmt zu werden. Das Opfer wird durch das Verhalten des Täters gelähmt; es wird in einen Zustand der Ungewissheit manövriert (24). Diese Entwicklung ist nur möglich durch zu große Nachsicht es Partners; Hirigoyen erklärt diese Nachsicht durch „Familientreue“, welche sich beispielsweise so zeigt, dass innerhalb der Familie das nachgeahmt wird, was ein Verwandter erlebt hat; oder in der Annahme der Rolle eines Heilers für den Narzissmus des anderen; es handle sich um eine Art „Sendung“, bei der sich die Person aufopfern muss (25).

Laut Hirigoyen steht die Weigerung, die Verantwortung für das Scheitern einer Ehe auf sich zu nehmen, oft am Anfang eines perversen Umkippens. Je höher das Idealbild vom Partner war, desto stärker ist die Verleugnung des eigenen Anteils am Scheitern – am Ende wird ausschließlich der Partner dafür verantwortlich gemacht; und das meist auf Basis von Fehlern, die nicht genau benannt werden können. Das Opfer verharrt in einem Angstzustand, weil der Partner das Gespräch verweigert. Zorn und Schmach sind die Reaktion auf dieses Verhalten: die Schmach, nicht geliebt worden zu sein, sowie die Demütigungen geduldet zu haben, sich gefügt zu haben. Es kommt zu vertauschten Rollen, indem der Aggressor zum Opfer wird und die Schuld beim eigentlichen Opfer bleibt (31f). Indess richtet der Täter seine Liebe auf einen neuen Partner, idealisiert diesen – und damit das wiederum möglich ist, muss der frühere Partner zum Sündenbock gemacht werden, indem alles Schlechte auf diesen projiziert wird (41).

Diese Dynamik kann nur aufgelöst werden, indem das Opfer seine Ohnmacht erkennt und damit auch akzeptiert, dass es nichts tun kann; Wenn es ein ausreichend gutes Selbstbild gewinnt, kann die Aggression des Täters seine Identität nicht mehr in Frage stellen (41).

Leider unterbricht selbst eine Trennung die Gewalt oft nicht: diese setzt sich meist auch noch nach dem Beziehungsende fort, wobei der Täter selbst davor nicht zurückscheut, die Kinder für seine Gewalt zu benutzen (42). Indem die Kinder in die gewalttätigen Verstrickungen einbezogen werden, wird Gewalt über Generationen hinweg in einer Familie weitergegeben. Nicht nur, dass Kinder für derartige Rachefeldzüge eines Elternteils gegen einen anderen missbraucht werden, als schwächstes Glied der Kette erfahren sie selbst Gewalt von ihren Eltern. Alice Miller spricht von „schwarzer Pädagogik“, wenn sie die schlimmen Folgen der traditionellen Erziehung aufzeigt, welche den Zweck verfolgt, den Willen des Kindes zu brechen, um aus ihm ein fügsames und gehorsames Wesen zu machen. Das Kind schafft es nicht, sich der „überwältigenden Kraft und Autorität des Erwachsenen“ zu widersetzen, wird stumm und seiner Sinne braubt (51).

Gewalt am Arbeitsplatz

Unter Mobbing am Arbeitsplatz ist jede Verhaltensweise zu verstehen, die durch das bewusste Überschreiten von Grenzen – in Benehmen, Handlungen, Gesten, mündlichen oder schriftlichen Äußerungen – die Persönlichkeit, die Würde oder die physische bzw. psychische Unversehrtheit einer Person beeinträchtigen, deren Anstellung gefährden oder das Arbeitsklima verschlechtern kann. (69)

In ihren Ausführungen trifft Hirigoyen keine begriffliche Unterscheidung zwischen Mobbing und Bossing, wenngleich sie dennoch Beispiele aus beiden Bereichen bringt. 

Sie schreibt, dass der „psychologische Krieg am Arbeitsplatz“ zwei Erscheinungsformen kennt: den Machtmissbrauch, der sehr rasch entlarvt und von den Arbeitnehmern nicht unbedingt hingenommen wird und die perverse Manipulation, die viel hinterhältiger ist und deshalb mehr Schaden anrichtet (70).

Nicht nur die Angst vor der Arbeitslosigkeit lähmt die Opfer, sondern es wird durch verschiedene psychologische Methoden „psychologisch gefesselt“ bis es sein kritisches Urteilsvermögen verliert und nicht mehr weiß, wer recht hat und wer unrecht: Es wird ihm vom Täter die unmittelbare Kommunikation verweigert, es wird herabgewürdigt, diskreditiert, isoliert, schikaniert, zu Fehlern verleitet und/oder sexuell belästigt (80ff).

Problematisch ist, wenn ein Unternehmen Mobbing gewähren lässt (99) oder in manchen Fällen sogar fördert (105). Nicht nur, dass Menschen an Mobbing richtiggehend zerbrechen können, die Billigung einer derartigen Unternehmenskultur ist auch für das Unternehmen mit wirtschaftlichen Folgen verbunden: Die Verschlechterung des Arbeitsklimas hat eine erhebliche Leistungs- oder Ertragsminderung in einer Abteilung oder Belegschaft zur Folge, denn das Austragen des Konflikts wird zum Hauptinteresse aller Beteiligten: des Aggressors, des Angegriffenen und teilweise sogar der Zeugen, die sich nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren können. Es ist die Aufgabe der Entscheidungsträger in einem Unternehmen, Quälereien zurückzuweisen, den Dingen nicht freien Lauf zu lassen und darüber zu wachen, dass der Mensch auf jeder Rangstufe eines Unternehmens geachtet wird (110).

Die perverse Beziehung und die Protagonisten

Hirigoyen beschreibt in einem weiteren Teil des Buches, wie es zu einer derartigen Täter-Opfer-Beziehung kommt und ergründet jeweils die Persönlichkeit von Täter und Opfer.

Laut der Autorin stellt sich eine perverse Beziehung in zwei Phasen ein: In der perversen Verführung und der darauffolgenden Gewalt (115). In der Verführungsphase ist es das Ziel, das Opfer zu destabilisieren und sein Selbstvertrauen zu sabotieren. Die Beeinflussung besteht darin, jemanden, ohne zu argumentieren, dahin zu bringen, dass er anders denkt, entscheidet oder sich benimmt, als er dies aus eigenem Antrieb getan hätte; der Täter stimmt dabei seine Verführung und Manipulation auf die Empfindlichkeit und Verletzlichkeit des anderen ab (116). Hirigoyen unterscheidet drei Stufen der „geistigen oder seelischen Beherrschung des anderen“: Aneignung durch Enteignung; Beherrschung (der andere wird in einem Status der Unterwerfung gehalten); Prägung (ein „Brandzeichen“ soll ihm aufgenötigt werden) (117).

Auch auf die Formen der Kommunikation geht die Autorin ein, wobei sie von der „Illusion der Kommunikation“ spricht; sie nennt sie „eine eigenartige Kommunikation, nicht geschaffen, um zu verbinden, sondern fernzuhalten und jeglichen Austausch zu verhindern“ (121). Dafür bedient sich der Aggressor folgender Methoden: z.B. die unmittelbare Kommunikation verweigern (121), die Sprache entstellen (123), lügen (126), Sarkasmus, Spott und Verachtung (128), Herabsetzen (136), Trennung, um besser herrschen zu können (137), seine Herrschaft aufzwingen (139), vom Paradox Gebrauch machen (132; z.B. mit Worten etwas ausdrücken, was mittels Gesichtsausdruck gleich wieder negiert wird; dadurch werden Zweifel über mehr oder minder unbedeutende Vorkommnisse des Alltags ausgestreut).

Wenn der andere sich dem beherrschenden Einfluss zu widersetzen beginnt, wird er vom bisher nützlichen Objekt zum gefährlichen Objekt, welches – egal mit welchen Mitteln – beseitigt werden muss: Der Aggressor beginnt, seinen Hass zu zeigen, es kommt zur Ausübung von Gewalt – mit dem Ziel, den anderen in die Enge zu treiben (143ff).

Der Aggressor

Der Täter hat in der Regel eine pervertierte narzisstische Persönlichkeit, welche laut Hirigoyen meist fünf oder mehr der folgenden Merkmale aufweist (154):

– die Person hat eine großartige Meinung von ihrer eigenen Bedeutung;
– verzehrt sich in Phantasien von grenzenlosem Erfolg, von Macht;
– glaubt, etwas „Besonderes“ und einzigartig zu sein;
– hat ein übermäßiges Bedürfnis, bewundert zu werden;
– meint, ihr stehe alles zu, man schulde ihr alles;
– beutet in zwischenmenschlichen Beziehungen den anderen aus;
– es fehlt ihr an Empathie;
– beneidet häufig die anderen;
– legt überhebliche Haltung und Verhaltensweisen an den Tag.

Das Opfer

Ausgewählt wird ein Opfer laut Hirigoyen von seinem Aggressor „einfach, weil es da war und weil es irgendwie unbequem wurde. Es hat nichts Eigentümliches für den Aggressor. Es ist ein austauschbares Objekt, das im falschen/richtigen Augenblick da war und den Fehler begangen hat, sich verführen zu lassen – und manchmal den, einen zu hellen Kopf zu haben.“ (167)

Allein die Hinnahme des Schicksals seitens des Opfers erstaunt vielleicht auf den ersten Blick; dennoch unterscheiden sie sich von den Masochisten durch das unendliche Befreiungsgefühl, welches sie empfinden, wenn es ihnen durch ungeheure Anstrengung gelingt, sich zu lösen. Sie sind erleichtert, weil Leiden als solches sie – im Gegensatz zu echten Masochisten – eben nicht interessiert (171).

Wenn sie sich manchmal über längere Zeit hin auf das perverse Spiel eingelassen haben, dann eher, weil sie wirklich lebendig sind und weil sie Leben geben wollen, und sich sogar an die unmögliche Aufgabe heranwagen, einem Perversen zu Leben zu verhelfen: „Mit mir wird er sich ändern!“

Ihre Tatkraft ist allerdings mit einer gewissen „Schwäche“ gekoppelt. Indem sie sich in das unmögliche Unterfangen stürzen, Tote aufzuerwecken, beweisen sie eine gewisse Überschätzung ihrer eigenen Kräfte.

Das ideale Opfer beschreibt Hirigoyen als „eine gewissenhafte Person mit einem natürlichen Hang, sich schuldig zu fühlen“ (172).

Die potentiellen Opfer sind Träger einer partiellen Melancholie. Einerseits gibt es in ihnen einen schmerzlichen Punkt, der eventuell mit einem kindlichen Trauma zusammenhängt, andererseits besitzen sie sehr große Vitalität. Die Perversen, so Hirigoyen, attackieren nicht die melancholische Seite, sondern die lebendige, die Vitalität, die sie wahrnehmen und sich anzueignen suchen (175).

Zusätzlich erscheint das Opfer als naiv und leichtgläubig. Es kann sich nicht vorstellen, dass der andere von Grund auf ein Zerstörer ist, und versucht, logische Erklärungen zu finden; es versucht, Missverständnisse zu vermeiden und will „transparent“ erscheinen. Die Opfer versuchen sich dem anzupassen, was der andere will und sind zunächst verständnisvoll. Sie verstehen oder verzeihen, weil sie lieben oder bewundern. Sie glauben, alles verstehen, alles vergeben, alles rechtfertigen zu können. Sie sind überzeugt, sie würden im Gespräch eine Lösung finden und nähren die Hoffnung, der andere würde sich ändern (176f).

Die Opfer verstehen, aber gleichzeitig „sehen“ sie. Sie besitzen eine Hyperhellsichtigkeit, die sie dazu führt, die Anfälligkeit, die Schwächen ihrer Aggressoren zu benennen. … Wenn sie anfangen, zu benennen, was sie verstanden haben, werden sie gefährlich.

Folgen für das Opfer und Übernahme der Verantwortung

Verzicht: Während der Phase der Beherrschung nehmen noch beide Protagonisten eine Haltung des Verzichts ein, mit dem Ziel, den Konflikt zu vermeiden: Der Aggressor greift durch kleine indirekte Sticheleien an, provoziert jedoch nicht offen; und das Opfer unterwirft sich aus Furcht vor einem Konflikt, welcher zu einem Bruch führen könnte. In gewisser Weise gehen beide ein Bündnis ein (182).  

Verwirrung: Das Sichentfalten des beherrschenden Einflusses verwirrt das Opfer, sodass sich bei diesem ein Gefühl einstellt, einen leeren Kopf zu haben; das Denken fällt ihm schwer. Dieser Zustand wiederum erzeugt Stress im Opfer (183).

Zweifel: Durch den Zustand der Betäubung trifft die offene Gewalt das Opfer unvorbereitet; es fühlt sich „wie vom Blitz getroffen“ und bestreitet die Wirklichkeit dessen, was es nicht begreifen kann. Es versucht, zu verstehen und sucht nach logischen Erklärungen. Das Opfer sucht nach seinem Anteil am Zustandekommen der Gewalt und übernimmt häufig die Verantwortung für den zerstörerischen Prozess; am Ende bleibt der Aggressor schuldfrei und das Opfer tritt in die Position des Schuldigen. Dieses Schuldgefühl wird leider immer wieder von der Umgebung noch zusätzlich verstärkt, da diese – ihrerseits verwirrt – selten imstande ist, Hilfe zu leisten. So kommt es zu Urteilen, gefühllosen Kommentaren oder Erklärungen der Situation, die dem Opfer im Endeffekt nicht helfen: Ratschläge, „wie jemand eher sein soll“ oder „was er tun oder lassen soll“, „womit die Gewalt provoziert worden sein könnte“ etc. (183f).

Stress: Der Organismus reagiert auf den Stresszustand auf verschieden Art und Weise: durch die Produktion von Hormonstoffen, durch eine Schwächung des Immunsystems, durch die Veränderung der Neurotransmitter im Gehirn. Der chronische Stresszustand führt zu einem allgemeinen inneren Angstzustand – mit anhaltender Furcht und Furchtvorwegnahme sowie ängstlichen Grübeleien, die das Opfer nur schwer beherrschen kann. Es ist ein Zustand ständiger Spannung und übermäßiger Wachsamkeit (186f).

Angst: Das Opfer ist permanent auf der Hut, belauert den Blick des anderen oder die Schroffheit seiner Gebärden, den eisigen Ton, der eine unausgesprochene Aggressivität verdecken könnte. Es fürchtet die Reaktion des anderen und zeigt sich aus diesem Grund immer liebenswürdiger und versöhnlicher. Noch immer wiegt es sich in der Illusion, der Hass könne sich in Liebe und Wohlwollen auflösen (187f).

Vereinsamung: Immer wieder fühlen sich Opfer alleingelassen, denn selbst Freunde distanzieren sich, indem sie „da nicht hineingezogen werden wollen“. In der Folge zweifeln die Betroffenen an den eigenen Wahrnehmungen und fragen sich, ob sie nicht übertrieben haben könnten (188f).

Zu den längerfristigen Folgen von perverser Gewalt zählt Hirigoyen folgende Merkmale:

Schock: Durch das Bewusstwerden der Aggression finden sich die Opfer in einem Schockzustand wieder: sie fühlen sich getäuscht, missbraucht, missachtet. Erst spät entdecken sie, dass sie Opfer sind. Sie verlieren die Achtung vor sich selbst sowie ihre Würde, sie schämen sich der Reaktionen die diese Manipulation in ihnen wachgerufen hat. Die Scham entsteht laut Hirigoyen dadurch, dass ihnen bewusst wird, dass sie die Gewalt des anderen zugelassen haben. Auch wenn sich manche an ihrem Täter rächen wollen, suchen die meisten lediglich nach einer Rehabilitierung und wollen die eigene Identität wieder anerkennen (190f).

Dekompensation: Wenn der Mensch keine Ressourcen mehr hat, den vorhandenen Stress abzubauen, kommt es zur Dekompensation: darunter ist ein generalisierter Zustand der Beklommenheit zu verstehen, der häufig in Kombination mit psychosomatischen Störungen oder Depression einhergeht. Nicht alle Menschen reagieren auf psychischer Ebene, zu den körperlichen Reaktionen zählen Essstörungen, Schwächeanfälle etc. (191ff).

Trennung: Neben dem sich Fügen in die Situation ist der Kampf um eine Trennung die zweite Möglichkeit des Umgangs mit perverser Gewalt. Laut Hirigoyen ist eine Trennung immer das Werk des Opfers, nie das des Aggressors. Zurück bleibt jedoch meist ein Täter, der sich beklagt, geschädigt worden zu sein, während das Opfer tatsächlich jene Person ist, die alles verliert (194ff).

Die spätere Entwicklung: Die körperliche Entfernung vom Aggressor bedeutet anfangs eine Befreiung für das Opfer; nach der ersten Phase der Erschütterung erwacht wieder ein Interesse an der Arbeit und an Hobbys bzw. auch eine Neugier auf die Welt und auf Menschen. Dennoch klingt bei vielen die traumatische Erfahrung noch lange Zeit nach und zeigt sich in verzögerten psychischen oder somatischen Störungen: Eine allgemeine Beklemmung, chronische Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Kopfweh, verschiedene Schmerzen oder psychosomatische Störungen (Bulimie, Alkoholismus, Drogenabhängigkeit). Einige Opfer klagen nachträglich auch über unkontrollierbare Aggressivität und viele entwickeln ein „Ausweichverhalten“, indem sie sich Strategien zurecht legen, nicht an das ’stressige‘ Ereignis denken zu müssen. Sie meiden alles, was sie an die schmerzlichen Erfahrungen erinnern könnte. Dennoch sind letzten Endes die Aggressionen und Demütigungen ins Gedächtnis eingeschrieben und leben wieder auf in intensiven und sich wiederholenden Bildern, Gedanken, Erschütterungen.

Ein Opfer, das jedoch Bedauern von seinem Täter erhofft, wartet meist vergeblich; Reue kommt laut der Autorin maximal von der Umgebung – von den stummen Zeugen oder Mittätern – die zumindest nachträglich ihrem Bedauern Ausdruck verleihen (196ff).

Praktische Ratschläge für Betroffene

Hirigoyen beginnt dieses Kapitel wie folgt:

Gegenüber einem Perversen gewinnt man niemals. Bestenfalls kann man etwas über sich selbst lernen. (201)

Dementsprechend sind die notwendigen Schritte der Befreiung: Erkennen – Handeln – innerlich widerstehen (sich dafür gegebenenfalls Unterstützung holen) – die Justiz einschalten. Dieses Prozedere gilt im Prinzip sowohl für den Umgang mit familiärer als auch beruflicher Gewalt.

Wie heilen?

Laut Hirigoyen ist meist psychotherapeutische Hilfe für den Heilungsprozess unerlässlich. Gemeinsam mit dem Psychotherapeuten kann das Opfer lernen, die Perversion beim Namen zu nennen. Dafür ist es unerlässlich, dass der Therapeut das Trauma des Hilfesuchenden als etwas Geschehenes anerkennt. Das Ziel der Therapie ist es, dass der Patient wieder Zugang zu seiner Freiheit findet – dafür ist es jedoch notwendig, die Zweideutigkeit zu beseitigen und Unausgesprochenes besprechbar zu machen. Nur so kann sich das Opfer von seinen Schuldgefühlen befreien kann (219ff).

Literatur:

Marie-France HIRIGOYEN: Die Masken der Niedertracht: Seelische Gewalt im Alltag und wie man sich dagegen wehren kann. dtv-Verlag, 7. Auflage, München: 2007.



Gesundheit: Das verflixte „Eh“.
November 26, 2007, 5:03 pm
Filed under: Arbeit, Gesundheit / Krankheit | Schlagwörter: , , , , , ,

Im Zuge meiner Tätigkeit in der Gesundheitsförderung kamen mir zwei „eh“-Sätze unter, die sich vor allem im Zusammenhang mit Arbeit und Gesundheit immer wieder als problematisch herausstellten:

„Es geht eh noch“ und „Es geht eh schon wieder“.

Auch ohne „eh“ sind es problematische Zustände, denn sie stehen dafür, dass der Mensch „gerade noch“ bzw. „gerade wieder“ in seiner Kraft ist. Aber dieses „eh“ ist das Zünglein an der Waage, welches uns hellhörig machen sollte, denn es steht für eine Unter- oder Übertreibung:

  • Übersetzt heißt „Es geht eh noch“: „Ich kann eigentlich nicht mehr, aber ich mache halt so lange so weiter, bis es wirklich überhaupt nicht mehr geht.“

  • Und hinter dem Satz „Es geht schon wieder“ könnte stehen: „Ich bin noch total erschöpft und bräuchte dringend eine etwas längere Auszeit, aber ich wage es nicht, sie mir zu nehmen, denn ich habe Angst, dass ich dann überhaupt nicht mehr gebraucht werde. Deshalb mache ich jetzt gleich weiter.“

Wenn Sie Ihren persönlichen Zustand mit „eh noch“ oder „eh schon wieder“ beschreiben, dann sollten Sie innehalten und sich Ihre Situation genau anschauen. Überlegen Sie, was Sie tun können, um dieses „eh“ aus Ihrer Befindlichkeit zu bekommen.