Hermine Mandl Weblog


Gelesen: ‚Brida‘ von Paulo Coehlo.

Inhaltlich erzählt die Geschichte von einer jungen Irin – Brida – die sich dazu entschließt, Magie zu lernen. Sie sucht einen Magier auf und bittet diesen, sie als Schülerin anzunehmen… Die Geschichte erzählt davon, dass auch der Weiseste ein Mensch ist und bleibt. Es bleiben muss. Dass alle gleich sind. Dass Erkenntnis einen Preis hat. Und dass der Weg dorthin über ein Leben mit allen Sinnen führt – jedoch erst das Verlieren der Sinne zum Ziel führt.

Hier einige Zitate daraus:

„… ‚Es gibt auch in der Liebe kein Risiko, und du wirst das selber herausfinden. Seit Tausenden von Jahren suchen und finden die Menschen einander.'“ (109)

„… ‚Ich begreife die einfachen Dinge erst, wenn ich mich mit den komplizierten beschäftige‘, dachte sie.“ (118)

„… Erst jetzt, indem sie sich äußerlich änderte, konnte sie erkennen, wie sehr sie sich innerlich verändert hatte.“ (129)

„… Wozu sind wir hier? … die einzige mögliche Antwort auf diese Frage: Ich weiß es nicht. … Das mag uns im ersten Moment schrecklich vorkommen und uns das Gefühl geben, was die Welt, die Dinge der Welt, unseren Lebenssinn betrifft, ohnmächtig zu sein. Doch wenn der erste Schreck erst einmal vorbei ist, gewöhnen wir uns an die einzig mögliche Lösung, nämlich die, unseren Träumen zu folgen. Den Mut aufzubringen, die Schritte zu tun, die wir schon immer tun wollten, ist die einzige Möglichkeit zu zeigen, dass wir Gott vertrauen. In dem Augenblick, in dem wir das akzeptieren, erhält das Leben für uns einen heiligen Sinn … das Größte , was ein Mensch erleben kann, (ist) das Hinnehmen des Geheimnisses“ (162f)

„… Die Möwen waren so hoch wie die Wolken und auch dicht über den Wellen geflogen. Die Fische mussten sich fragen, wie es möglich war zu fliegen, denn hin und wieder tauchten geheimnisvolle Kreaturen in ihre Welt ein und verschwanden wieder so schnell, wie sie gekommen waren. Die Vögel mussten sich beim Anblick der Fische bestimmt fragen, wie es möglich war, unter Wasser zu atmen, denn sie ernährten sich von Tieren, die unter den Wellen lebten. Es gab Vögel, und es gab Fische. Sie lebten in verschiedenen Universen, die hin und wieder miteinander in Berührung kamen, ohne dass eines die Fragen des anderen beantworten konnte. Dennoch hatten beide Fragen. Und es gab Antworten auf diese Fragen.“ (166)

Da gäbe es noch einige Passagen aus dem Buch, die es wert wären, sie hier aufzuschreiben, aber lest lieber selbst: Paulo Coelho, Brida, Diogenes-Verlag, 2008.



Tun oder nicht tun. Das ist hier die Frage.
August 24, 2010, 9:34 am
Filed under: Anekdoten, Metaphern, Gedichte, mehr., Psyche | Schlagwörter: , ,

„When people feel pressure, the urge to take action is powerful. But in many instances, the best way to respond is to do nothing.“ – Vor Jahren fiel mir dieser Spruch in die Hände und er fasziniert mich noch immer. Mehr denn je sogar. Denn: Manches Mal ist es gut, innezuhalten und bewusst keinen Schritt zu setzen. Stimmt. Aber dann gibt es auch jene Momente, wo die Tat eben genau darin besteht, nichts zu tun. – In diesen Situationen wäre nichts zu tun eigentlich, weiterzumachen wie bisher und nicht nichts zu tun. Very tricky, indeed.



Gedanken über den Tod. – Und das Leben.
August 24, 2010, 12:13 am
Filed under: Uncategorized | Schlagwörter: , , ,

Christoph Schlingensief ist am 21. August 2010 an den Folgen eines Lungenkrebses gestorben. Viel zu früh mit 49 Jahren. Nach zwei Jahren Kampf gegen die Erkrankung. Als ich davon las, tat es mir leid. Ich habe ihn vor einem guten Jahr zufällig in Wien auf einem Ärzt/innenkongress erlebt und er bekam zu recht Standing Ovations für seinen Vortrag: Es war faszinierend, ihm zuzuhören – wie er über die Erfahrungen mit seiner Krebserkrankung sprach – was heißt „sprach“! – es war eine Naturgewalt aus Worten und Emotionen. Eine Lebensbeichte. Ein gewaltiges Plädoyer fürs Leben. Sprudelnd. Getrieben. Hungrig. Aber auch voll Angst vor dem Tod. Voll Zweifel und Verzweiflung. Wut und Unverständnis über das Schicksal. Und der Versuch, es anzunehmen. Der Versuch, dankbar zu sein. Der Wunsch, aus der Not eine Tugend zu machen. Da war der Wille eines Kriegers, der auszog, um die nächste Schlacht zu kämpfen. Aufgepeitscht von Teilsiegen. Und die Haltung eines Spielers, der bereit war, alles auf eine Karte zu setzen. Hoffend für sich und stellvertretend für alle Anwesenden im Raum.

Doch der Tod lässt sich letzten Endes nicht kontrollieren. – So wie Loslassen nicht mit dem Kopf geschieht und man nicht auf Befehl spontan sein kann. Aber möglicherweise sollten wir – die noch am Leben sind – den Tod dennoch als Aufforderung nehmen, sich hinzugeben. Dem Leben. In Demut.