Hermine Mandl Weblog


Forschungsprojekt: Restaurant der Zukunft

Heute gibts einen Exkurs, der nicht direkt mit Essstörungen zu tun hat, aber indirekt möglicherweise doch:

„Ich weiß, was du mittags gegessen hast…“ 

In den Niederlanden erforscht der Ernährungswissenschaftler René Koster seit Jänner dieses Jahres mit zwei Dutzend weiteren KollegInnen und Catering-MitarbeiterInnen, wie sich die Umgebung auf das Essverhalten auswirkt. Dafür wurde die Kantine der niederländischen Universität Wageningen zum „Restaurant der Zukunft“ umgestaltet: 250 Universitätsangestellte lassen sie sich nun freiwillig beim Mittagessen filmen. Die Projektdauer ist für 10 Jahre anberaumt.

„Bald weiß ich mehr darüber, wieso du es gegessen hast…“ 

Derzeit wissen die Forscher noch wenig über die Rolle, welche die Umgebung und das Ambiente bei der Auswahl und dem Verzehr des Essens spielen. Aber erste Erkenntnisse gibt es schon:

  • Ohne Gesellschaft essen wir weniger, da wir uns mehr aufs Essen konzentrieren.
  • Blaues Licht macht Appetit auf Fisch.
  • Süßer Duft in der Luft verleitet zum Dessert.
  • Blumen, bequeme Stühle und Musik steigern die Verweildauer. Dann nehmen Kunden eher noch einen Kaffee zum Abschluss. 

„Bald wirst du essen, was und wieviel ich will…“

Aber nicht nur die Probanden, Wissenschaftler und internationalen Kollegen warten schon gespannt auf die Ergebnisse, auch die Industrie freut sich schon. Gründe dafür gibt es genug:

  • Laut Statistischem Bundesamt geben die Deutschen ein Drittel ihres Lebensmittelbudgets in der Gastronomie aus – Tendenz steigend.
  • Eine bessere Produktpräsentation soll Geld sparen helfen – indem Restaurants, Kantinen und Supermärke nicht mehr so viel entsorgen müssen. Derzeit landen nach Angaben des Bundesverbands der Entsorgungswirtschaft jedes Jahr rund 1,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle aus Küchen, Mensen, Restaurants und Hotels in der Tonne.
  • Laut Koster könnten die Erkenntnisse dieses Projekts auch bei der Einführung neuer Produkte Kosten sparen helfen, denn derzeit überlebt lediglich ein Viertel aller Lebensmittelprodukte die ersten sechs Monate im Handel. 

Das Wegbewegen von einer „Wegschmeiß-Gesellschaft“ ist sicherlich ein guter Gedanke; bleibt nur zu hoffen, dass wir dafür nicht zu einer reinen „Wegess-Gesellschaft“ werden, in der die Menschen „noch mehr“ essen, denn bereits jetzt sind Übergewicht und Adipositas für einen großen Teil der Bevölkerung ein Problem. Die Chancen für letzteres Szenario stehen jedoch gut, denn nach Adam Riese funktionieren sowohl Lebensmittelindustrie als auch Gastronomie nach den Gesetzen der kapitalistischen Marktwirtschaft: Jeder will – mehr – verkaufen. Nebeneffekt: Mehr Arbeit für die Gesundheitsindustrie…

Mehr dazu:

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