Hermine Mandl Weblog


Kahneman über das falsche Versprechen eines glücklichen Lebens in Reichtum und Luxus.

„Glück erlebt man in Momenten, in denen man seine Aufmerksamkeit auf etwas Angenehmes richtet. Das gilt ebenso für das Unglück: Viele kleine Missgeschicke pro Woche sorgen dafür, dass man ständig an Missgeschicke denken muss. Man ist unglücklich. Ein einziges, wirklich großes Unglück dagegen hat man nach einer gewissen Zeit mit einiger Sicherheit verwunden“, erklärt der Psychologe und Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. (Anmerkungen: Die Forschungsergebnisse von Sonja Lyobumirsky bzw. auch von Richard Wiseman bestätigen Kahneman.)

Glücksmomente und Lebenszufriedenheit
Laut Kahneman setzt sich Glück zusammen aus der Summe an Glücksgefühlen, die man während eines Tages erlebt und der Einschätzung, ob man insgesamt mit seinem Leben zufrieden ist. So zeigen Forschungen beispielsweise folgenden Unterschied zwischen verheirateten und geschiedenen Frauen: Zwar erleben geschiedene Frauen im Laufe eines Tages häufiger Glücksmomente – d.h. sie sind öfter gut gelaunt, da sie seltener Tätigkeiten nachgehen, die sie unangenehm finden – dennoch bewerten verheiratete Frauen in Umfragen ihre generelle Lebenszufriedenheit höher. Kahneman findet dafür folgende Erklärung: Die Lebenszufriedenheit erhöht sich, wenn man Ziele erreicht, die man sich gesetzt hat, wobei diese Ziele häufig gesellschaftlich definiert sind: Ehe, Kinder erziehen, beruflicher Erfolg, ein steigender Lebensstandard.

WAS und WIE
Neben dem Erreichen von Zielen ist wichtig, wie man seine Zeit verbringt. Laut Kahneman geht es darum, „Zeit möglichst effizient zu nutzen“; er meint damit, dass beides vorhanden ist: Zeit für Dinge, die man gerne um ihrer selbst willen tut (Hobbys ausüben, Zeit mit Freunden verbringen etc.) und Zeit, die man auf das Erreichen von Zielen verwenden. Am besten ist natürlich, wenn beides zusammenfällt.

Der Traum, für immer „reich und glücklich“ zu sein
Zu den am weitesten verbreiteten Illusionen zählt nach Kahnehman jene, zu glauben, man lebte in dauerndem Glück, wenn man reich ist. Er entkräftigt diesen Irrglauben anhand folgenden Beispiels: Zwar beurteilen viele Reiche ihr Leben insgesamt als sehr zufriedenstellend, tatsächlich dominieren jedoch Momente schlechter Stimmung deren Alltag: Sie nehmen mehr Arbeit und weitere Wege in Kauf, verbringen viel Zeit in Autos auf Dienstreisen etc., was in Summe wiederum dazu führt, dass Reiche insgesamt weniger Zeit für Dinge haben, die ihnen persönlich Spaß machen.

Ratschlag zur Steigerung des Glücks
Kahnemann gibt folgenden allgemeinen Ratschlag, wie man sein Glück und seine Zufriedenheit steigern kann: sich mehr Momente verschaffen, in denen man sich auf etwas Schönes konzentriert.
Wer zum Beispiel Zeit mit Menschen verbringt, die er liebt und schätzt, befindet sich in ständiger Konzentration – jeder Moment ist neu, es kommt zu keinem Gewöhnungseffekt.
Bei einem neuen Auto ist das anders: Beim Kauf ist es toll und neu, aber auf diese Tatsache kann man sich nicht über einen längeren Zeitraum konzentrieren; irgendwann ist das Auto nicht mehr neu, man gewöhnt sich daran und denkt am Steuer an etwas anderes, z.B. an die Arbeit oder an den Haushalt.

„Für das Glück gilt dasselbe wie für die vielen, kleinen Missgeschicke, die einen unglücklicher machen als ein großer Schicksalsschlag“, so Kahneman, „man sollte sein Geld nicht für eine große Sache ausgeben, für ein teures Auto, eine Villa, sondern es in viele kleine Dinge investieren, die einen froh machen: Fahr auf Urlaub, verschenke Blumen, feiere Partys! Vielleicht wissen die Leute auch tatsächlich einfach nicht, wie sie mit ihrem Geld umgehen müssten, um glücklicher zu sein.“

Daniel Kahneman, 1934 in Tel Aviv geboren, wuchs in Paris auf, studierte in Jerusalem und an der University of California in Berkeley. Seit 1993 lehrt er in Princeton. Eines seiner größten wissenschaftlichen Verdienste ist es, das Menschenbild der Wirtschaftswissenschaften widerlegt zu haben: den stets rational entscheidenden Homo oeconomicus. (SZ Wissen 12/2006)

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