Hermine Mandl Weblog


Khalil Gibran: Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Februar 29, 2008, 11:22 pm
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Und eine Frau, die einen Säugling an der Brust hielt,
sagte: Sprich uns von den Kindern.

Und er sagte: Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht,
sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid der Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit, und
Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein;
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt Er auch den Bogen,
der fest ist.

aus:
Khalil Gibran: Der Prophet. Patmos; Auflage: 1 (September 2005).

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Anorexie in den späteren Jahren: Über den Druck, schön zu altern
Februar 29, 2008, 1:05 am
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Lange Zeit galt die Magersucht als Krankheit, die fast ausschließlich mit jungen Mädchen in Verbindung gebracht wurde. Nun scheint sich dieses Bild dahingehend zu verändern, dass neben jungen Männern immer häufiger ältere Frauen unter den Patienten zu finden sind. ExpertInnen schätzen, dass der Anteil an älteren Anorektikerinnen inzwischen bei 10 Prozent liegt; dementsprechend gilt es in der Zwischenzeit als durchaus üblich, eine Essstörung auch im mittleren Alter zu entwickeln.

Letzteren Umstand wird unter anderem auf die Vorbildwirkung von Stars wie Madonna, Sharon Stone, Jane Fonda und deren Kolleginnen zurückgeführt. Durch die glamourösen Autritte der Celebrities, welche in ihren 40ern, 50ern und sogar 60ern noch gleich schlank sind, wie sie es in ihren 20ern waren – kombiniert mit einer zeitlos jugendlichen Ausstrahlung – führen dazu, dass Frauen eine unrealistische Vorstellungen davon entwickeln, wie sie in ihrer späteren Lebensphase auszusehen hätten. ExpertInnen sind sich einig: In der heutigen Zeit geht es nicht mehr darum, würdevoll zu altern, sondern ein Leben lang jung zu bleiben.

Genauer nachzulesen bei:

Sarah Cassidy: Pressure to grow old beautifully drives over-50s to anorexia. The Independant Health & Wellbeing, 28.2.2008.



Mulla Nasrudin: In der Not
Februar 26, 2008, 5:31 pm
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Als der Mulla nach der Gebetszeit aus der Moschee kam, saß ein Bettler am Straßenrand und bat um Almosen. Es ergab sich die folgende Unterhaltung:

Mulla: „Bist du verschwenderisch?“
Bettler: „Ja, Mulla.“
Mulla: „Sitzt du gerne herum und trinkst Kaffee und rauchst?“
Bettler: „Ja.“
Mulla: „Ich nehme an, du gehst gerne jeden Tag in die Badestuben?“
Bettler: „Ja.“
Mulla: „… und machst dir wohl auch das Vergnügen, mit deinen Freunden eins zu trinken?“
Bettler: „Ja, all das macht mir Spaß.“
„Soso“, sagte der Mulla, und er gab ihm ein Goldstück.

Ein paar Meter weiter saß noch ein Bettler; er hatte das Gespräch mit angehört und bettelte aufdringlich um Almosen.
Mulla: „Bist du verschwenderisch?“
Bettler: „Nein.“
Mulla: „Sitzt du gerne herum und trinkst Kaffee und rauchst?“
Bettler: „Nein.“
Mulla: „Ich nehme an, du gehst gerne jeden Tag in die Badestuben?“
Bettler: „Nein.“
Mulla: „… und machst dir auch den Spaß, mit deinen Freunden eins zu trinken?“
Bettler: „Im Gegenteil, ich möchte nichts anderes als ganz bescheiden leben und beten.“
Daraufhin gab der Mulla ihm eine kleine Kupfermünze.
„Aber warum“, jammerte der Bettler, „gib st du einem sparsamen und frommen Mann nur einen Pfennig, während du dem Verschwender eine Goldmünze geschenkt hast?“
„Ach“, antwortete der Mulla, „seine Not ist größer als deine.“

aus:
Idries Shah: Die fabelhaften Heldentaten des vollendeten Narren und Meisters Mulla Nasrudin. 2. Auflage, Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1984.



Das Gedächtnis unseres Körpers

„Das Leibgedächtnis ist der Träger unserer Lebensgeschichte, unserer persönlichen Identität“, schreibt der Psychiater Thomas Fuchs in seinem Artikel Das Gedächtnis unseres Körpers in der Zeitschrift Psychologie Heute im Juni 2006 und erklärt weiter, dass unter „Gedächtnis“ jene Fähigkeit zusammengefasst wird, die es uns ermöglicht, uns an bestimmte Erlebnisse in der Vergangenheit zu erinnern – bewusst, oder häufig eben auch „leiblich“.

Über die Entwicklung eines leiblichen Gedächtnisses: „Übung macht den Meister“

Aber was versteckt sich hinter einem „leiblichen Gedächtnis“? Darunter versteht man die Gewohnheiten, die sich durch Wiederholung und Übung gebildet haben – beispielsweise der aufrechte Gang, das Sprechen und Schreiben, Fahrradfahren, Schwimmen und vieles andere mehr. Im Laufe der Zeit verinnerlichen wir diese Fähigkeiten so stark, dass wir uns gar nicht mehr bewusst daran erinnern müssen, wie wir etwas tun – wir tun es einfach: Wir sprechen, schreiben, tippen, fahren mit dem Fahrrad oder dem Auto etc.

Die verschiedenen Formen des leiblichen Gedächtnisses

Das prozeduale Gedächtnis: Dieses Gedächtnis ist ständig im Hintergrund wirksam und entlastet unsere Aufmerksamkeit vor einer Überfülle an Details. Zum prozedualen Gedächtnis zählen alle automatischen Bewegungsabläufe: eingespielte Gewohnheiten, das Spielen eines Instruments, das Autofahren, am Computer zu schreiben etc. 

Das situative Gedächtnis: Das Leibgedächtnis ist gleichzeitig ein Raumgedächtnis und orientiert sich an Situationen, in denen wir uns befinden: So finden wir uns „wie blind“ in unserer Wohnung oder unserer Umgebung zurecht. „Situationen“ sind jedoch mehr als räumliche Gebilde – sie sind ganzheitliche, unzerlegbare Einheiten leiblicher, sinnlicher und atmosphärischer Wahrnehmung. Durch unsere Erfahrungen entwickeln wir einen Blick für das Wesentliche oder Charakteristische einer Situation –  man könnte sagen, einen „siebten Sinn“, ein Gespür oder eine Intuition für etwas.

Das zwischenleibliche Gedächtnis: Der Philosoph Maurice Merleau-Ponty bezeichnete die Sphäre des unwillkürlichen Kontakts zwischen zwei Menschen als „Zwischenleiblichkeit“ und meinte damit, dass die Körper von Menschen, die miteinander in Kontakt treten, interagieren und sich laufend abtasten. Zum zwischenleiblichen Gedächtnis zählt auch der erste Eindruck, den wir von einem Menschen erhalten – dieser setzt sich zusammen aus der äußeren Gestalt des Menschen, seiner Wesensart, aber auch seinem persönlichen Stil. Ein Mensch „stellt etwas dar“ und drückt seine Persönlichkeit auch über seinen Körper aus, in seinem Auftreten, seinen Gesten und Gebärden, in seiner Haltung, seinem Gang oder seiner Stimme.
Der Säuglingsforscher Daniel Stern spricht auch von implizitem Beziehungswissen, welches man bereits in der frühen Kindheit im Austausch mit seinen Eltern erlernt: Es handelt sich dabei um ein leibliches Wissen, wie man mit anderen umgeht – wie man mit ihnen Vergnügen hat, Freude ausdrückt, Aufmerksamkeit erregt, aber auch Ablehnung vermeidet.

Das inkorporative Gedächtnis: „Inkorporation“ besagt, dass wir Menschen im Austausch mit anderen auch fremde Haltungen und Rollen übernehmen, wobei dies häufig durch unwillkürliche leibliche Nachahmung oder Identifizierung geschieht. Auch Erziehung oder kulturelle Überformungen prägen sich in unser Körpergedächtnis ein; dies geschieht, indem uns ein bestimmtes Verhaltensmuster bzw. „Manieren“ und „Benehmen“ vermittelt werden.

Das traumatische Gedächtnis: Unser Körper erinnert sich auch an Schmerzerfahrungen und instinktiv spannen wir uns an, ziehen uns zurück oder weichen aus, wenn Schmerzen drohen. So schreiben sich einschränkende und schmerzhafte oder gar traumatische Erlebnisse in dem Leibgedächtnis ein und können sogar zu einem späteren psychosomatischen Leiden führen.

Unser Körper als autobiografisches Gedächtnis

„Das Leibgedächtnis ist der eigentliche Träger unserer Lebensgeschichte, unserer persönlichen Identität.“ so der Psychiater Thomas Fuchs,“Verleiblichte Gewohnheiten machen uns zu Personen mit einer gewissen Konstanz und Verlässlichkeit, sie sorgen dafür, dass wir bei allem äußeren Wechsel dieselben bleiben. Alles, was wir wahrnehmen oder tun, hinterlässt eine Spur in uns.“

Literatur:
Thomas Fuchs (2006): Das Gedächtnis unseres Körpers. Psychologie Heute, 33. Jahrgang, Heft 6, Julius BELTZ GmbH & Co.KG Weinheim: Juni 2006.



Poster: How to Be an Artist
Februar 25, 2008, 10:42 am
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Vor Jahren bekam ich das Poster mit dem Titel „How to Be an Artist“ von SARK (Susan Ariel Rainbow Kennedy) geschenkt. Nach wie vor eine Inspiration! 



Ein zündender Funke im Gehirn: durch Sport.

Der an der Harvard Universität tätige Psychiater John Ratey befasst sich in seinem Buch „Spark: The Revolutionary New Science of Exercise and the Brain“ mit den Auswirkungen, die eine regelmäßige sportliche Betätigung auf das Gehirn hat. An dieser Stelle einige seiner Erkenntnisse:

Sport macht schlau. 

Ratey behauptet, dass ein regelmäßiges Trainieren des Körpers auch zu einem Mehr an Intelligenz führt und bezieht sich dabei auf Erkenntnisse aus den 90er Jahren, die an einer Schule in im Bezirk Naperville, Illinois, gewonnen wurden: Der Turnlehrer Phil Lawler ließ die Schüler wöchentlich eine Meile laufen; für die Benotung war für ihn wichtig, wie sehr sich die Kinder im Turnunterricht angestrengt hatten und nicht, was sie tatsächlich konnten. Es stellte sich heraus, dass sich die Kinder nicht nur konditionell verbesserten, sondern dass sich auch deren Leistungen in den Fächern Mathematik und Naturkunde steigerten.

Sport entspannt.

Studien zeigten, dass Menschen, die regelmäßig Sport betreiben, stressresistenter sind als jene, die nicht trainieren: sie bleiben auch in solchen Situationen entspannt, in denen normalerweise Stresshormone freigesetzt werden. „Nach einem intensiven Workout entspannen sich nicht nur die Muskeln, häufig beruhigen sich auch die Sorgen oder die innere Unruhe“, so der Psychiater.

Sport kann Angst und Depression lindern. 

Ratey berichtet, er habe einige depressive Patienten in Behandlung, die einen Marathon gelaufen seien und den Beginn der depressiven Gefühle mit dem Ende ihres Trainings in Verbindung gebracht hatten. Für den Psychiater klingt dies plausibel, denn durch das Training würden im Gehirn chemische Prozesse gestartet, die in manchen Fällen sogar zu einem Durchbrechen des Teufelskreises von Grübeln, Angst und Traurigkeit führen können.

Wunderdroge „Sport“.

Außerdem unterstütze ein regelmäßiges Workout dabei, Süchte zu kontrollieren, es erhöht die Konzentrationsfähigkeit und bringt den Geist wieder in Schwung.

Bleibt nur noch eines zu sagen: „In die Laufschuhe, fertig, los!“

QUELLE: Ein Interview mit John Ratey  gibts zu lesen bei USA Today – Health & Behavior.



Die Fabel vom Frosch.
Februar 20, 2008, 9:48 am
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Es war einmal ein Wettlauf der Frösche. Das Ziel war es, auf den höchsten Punkt eines großen Turms zu gelangen. Es versammelten sich viele andere Frösche, um zuzusehen und ihre Artgenossen anzufeuern. Der Wettlauf begann.

In Wirklichkeit glaubte keiner von den Zuschauern daran, dass auch nur ein Frosch auf die Spitze des Turmes gelangen könnte und alles was man hörte, waren Sätze wie: „Die Armen! Sie werden es nie schaffen!“ Die Frösche begannen, einer nach dem anderen aufzugeben – außer einem, der weiterhin versuchte, auf die Spitze des Turmes zu klettern. Die Zuschauer fuhren fort zu sagen: „… Die Armen! Sie werden es nie schaffen!…“ Und die Frösche gaben sich geschlagen, außer dem einen Dickschädel, der nicht aufgab.

Schlussendlich hatten alle Frösche ihr Vorhaben abgebrochen – nur jener Frosch hatte alleine und unter großer Anstrengung die Spitze des Turmes erreicht. Die anderen wollten von ihm wissen, wie er das geschafft hatte. Einer der anderen Frösche näherte sich ihm, um zu fragen, wie er es geschafft hätte, den Wettlauf zu gewinnen. Da merkten sie, dass er taub war.