Hermine Mandl Weblog


Die Geschichte vom jungen Mann, der auszog, um ein Glückspilz zu werden…
Januar 11, 2008, 12:42 pm
Filed under: Anekdoten, Metaphern, Gedichte, mehr., Uncategorized | Schlagwörter: , , , ,

Es war einmal ein junger Mann, der soooo gern ein Glückspilz sein wollte. Eines Tages erzählte ihm jemand, dass Gott auf einer bestimmten Lichtung im Wald zu finden sei und wenn man dort hinkommt, dann erfüllt Gott jeden Wunsch und beantwortet alle Fragen. Der junge Mann hatte Glück, denn er wusste, welche Lichtung gemeint war und so zögerte er nicht: Für ihn war klar, er würde zu dieser Lichtung laufen und sich von Gott wünschen, dass er ihn zum Glückspilz machet… Natürlich wollte der Mann keine Zeit verlieren, also startete er gleich los.

Auf einer Wiese traf er einen Fuchs, der ihn fragte: „He, wohin des Wegs?“
„Ich gehe in den Wald, um Gott zu finden. Er erfüllt nämlich alle Wünsche und beantwortet alle Fragen und ich wünsche mir, ein Glückspilz zu werden! Ich freu mich so, denn wenn ich wieder zurückkomme, dann bin ich bereits ein Glückspilz…“ trällerte der junge Mann.
Der Fuchs überlegte: „Hm… Wirklich? Könntest du Gott auch für mich eine Frage stellen?“
„Klar, warum nicht? Was willst du denn wissen?“ sagte der Mann.
„Frag ihn, warum ich immer so hungrig bin… Ich könnte fressen und fressen und fressen und werde trotzdem nicht satt.“
Und noch ehe der Fuchs seinen Satz vollendet hatte, setzte der junge Mann ungeduldig seinen Weg fort und rief noch in Richtung des Fuchses: „Kein Problem, ich werde ihn fragen! Aber jetzt muss ich weiter, denn ich will so schnell wie möglich ein Glückspilz werden!“

Am Waldrand befand sich ein kleiner Bach, an dessen Ufer sich eine Trauerweide befand. Um seinen Weg fortsetzen zu können, musste der Mann diesen Bach überqueren; dafür schien ihm die Stelle der Trauerweide am ehesten geeignet.
Die Trauerweide aber sagte: „Wohin des Weges, junger Mann?“
Wieder sagte dieser: „Ich gehe in den Wald, um Gott zu finden. Er erfüllt nämlich alle Wünsche und beantwortet alle Fragen und ich wünsche mir, ein Glückspilz zu werden! Ich freu mich so, denn wenn ich wieder zurückkomme, dann bin ich bereits ein Glückspilz…“
Darauf die Trauerweide, die schon von Gott gehört hatte: „Ah du gehst zu Gott! Könntest du auch für mich eine Frage stellen?“
„Kein Problem. Der Fuchs will auch schon etwas wissen. Was ist deine Frage?“ so der junge Mann.
„Frag Gott, wieso ich immer durstig bin. Ich verstehe es nicht, denn ich wachse direkt am Ufer eines Flusses, trotzdem bekomme ich über meine Wurzeln nicht genug Wasser“, erklärte die Weide.
Sobald der Mann das Anliegen der Weide gehört hatte, setzte er seinen Weg fort und verabschiedete sich: „Ich werde ihn fragen, Weide. Aber jetzt muss ich weiter, denn ich will so schnell wie möglich ein Glückspilz werden! Wir sehen uns wieder auf meinem Rückweg.“

Bereits im Wald und in der Nähe seines Zieles angelangt, vernahm er ein lautes Schluchzen. Er fand eine junge, hübsche Frau, die auf einem Stein saß und bitterlich weinte. Der junge Mann fragte sie: „Was ist denn mit dir los? Kann ich dir irgendwie helfen?“
Die Frau schluchzte: „Ach, ich könnte den ganzen Tag nur weinen und weinen und weinen. Ich weiß nicht wieso. Aber ich bin einfach so traurig!“
Der junge Mann sagte zu ihr: „Weißt du was: Ich bin gerade am Weg zu Gott, der mich zu einem Glückspilz machen wird. Aber ich habe auch schon Fragen vom Fuchs und von der Weide. Wenn du willst, werde ich ihn für dich fragen, wieso du so traurig bist…“
„Das würdest du für mich tun?“ schluchzte die Frau.
„Natürlich“, konterte der Mann, „aber nun muss ich weiter, denn ich will so schnell wie möglich ein Glückspilz werden!“

Noch am selben Tag erreicht der junge Mann die Lichtung und wirklich, wie vorausgesagt fand er dort Gott: „Hallo Gott! Stimmt es wirklich, dass du jeden Wunsch erfüllst und jede Frage beantwortest?“
„Ja, das stimmt wirklich, mein Sohn.“
„Dann wünsche ich mir, ein Glückspilz zu werden.“
Gott antwortet: „Dein Wille geschehe. Du bist es schon.“
„Echt? Wow! Das ist ja toll!“ Der Mann wollte sich schon am Absatz umdrehen und nach Hause laufen, da erinnerte er sich an die Fragen von der jungen Frau, der Weide und dem Fuchs. Gott beantwortete jede einzelne. Der junge Mann musste sich bemühen, dass er sich alle Antworten merkte, betrafen sie ihn doch nicht unmittelbar. Aber er war zuversichtlich und trat seinen Heimweg an.

Er fand die junge Frau noch immer an der selben Stelle sitzend wie auf seinem Hinweg und sie heulte nach wie vor. Er ging zu ihr und sagte: „Ich habe Gott gefragt, warum du immer so traurig bist und er hat mir folgende Antwort für dich gegeben: Du bist eine junge Prinzessin, die sehr einsam ist. Du suchst nach einem jungen Mann, den du zum Prinzen machen kannst und dem du all deine Liebe schenken kannst. Wenn du ihn gefunden hast, dann wird es dir besser gehen.“ Nach einer kurzen Pause fügte der junge Mann hinzu: „Ich wünsch dir alles Gute auf deiner Suche! Aber ich muss jetzt weiter, immerhin bin ich jetzt ja ein Glückspilz!“

Die Weide sah ihn schon von fern, neugierig fragte sie den jungen Mann: „Und hast du Gott für mich gefragt, warum ich immer so durstig bin?“
„Ja, das habe ich“, sagte der Mann, „Gott sagt. Unter dir ist ein wertvoller Schatz vergraben, welcher deinen Wurzeln den Weg zum Wasser versperrt. Deshalb bist du immer durstig. Du musst ihn heben, dann haben deine Wurzeln freien Zugang zum Bach. Ich wünsch dir jedenfalls viel Glück dabei. Ich muss jetzt weiter, immerhin bin ich ja ein Glückspilz!“

Auch der Fuchs hatte ihn schon erwartet: „Hast du Gott gefragt, warum ich immer so hungrig bin?“
„Ja, das habe ich“, antwortete der junge Mann, „aber ganz ehrlich: Deine Antwort habe ich am wenigsten verstanden.“
„Wieso? Was hat Gott gesagt?“ fragt der Fuchs neugierig.
„Er sagte wörtlich: Wenn der Trottel es bis zu dir schafft, dann friss ihn.“

 (Quelle mir unbekannt; ich hab die Geschichte einmal gehört und nun rekonstruiert.)

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4 Kommentare so far
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öööhm.. ok…schade ich dachte es gäbe ein scönes ende…=)
naja is aber lustig…

Kommentar von anni

@anni: Es mag zwar in dieser Geschichte kein schönes Ende geben, vielleicht erkennt der eine oder andere dadurch jedoch, dass er vielleicht schon lange ein Glückspilz ist … und es einfach nicht wusste. 😉

Kommentar von minam

Liebe Hermine,
ich habe (vorerst ohne zu fragen) dein Märchen auf http://www.stilles-glueck.net veröffentlicht. Selbstverständlich mit Link auf dein Blog. Ich hoffe, das ist in Ordnung für dich. Falls nicht, bitte um kurze Meldung, dann entferne ich die Geschichte wieder.
Vielen Dank und liebe Grüße,
Stefan

PS: Stilles Glück ist ein kostenloses Themenportal, auf dem sich alles darum dreht, wie wir unser Leben ein bisschen einfacher, entspannter und glücklicher gestalten können.

Kommentar von Stefan

Bin gerade über http://stormingbrains.de/forum/viewtopic.php?p=2617403#2617403 darauf gestossen…

…und erinnert mich an… http://en.wikipedia.org/wiki/The_Tales_of_Beedle_the_Bard#.22The_Fountain_of_Fair_Fortune.22

Kommentar von turtle of doom




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