Hermine Mandl Weblog


Gedicht: Die Einladung
November 27, 2007, 3:36 pm
Filed under: Anekdoten, Metaphern, Gedichte, mehr., Uncategorized | Schlagwörter: , ,

Es interessiert mich nicht, wie Du Deinen Lebensunterhalt verdienst. Ich will wissen, wonach Du Dich so sehr sehnst, dass es Dir wehtut, und ob Du davon zu träumen wagst, dem zu begegnen, wonach sich Dein Herz verzehrt.

Es interessiert mich nicht, wie alt Du bist.
Ich will wissen, ob du es riskierst, für Deine Liebe als Narr dazustehen, für Deine Träume und für das Abenteuer zu leben.

Es interessiert mich nicht, wie Deine Sterne stehen. Ich will wissen, ob Du zu Deinem wirklichen Leid vorgedrungen bist, ob Dich der Verrat des Lebens geöffnet hat oder ob Du Dich zusammengezogen und verschlossen hast vor Furcht oder weiteren Kummer.

Ich will wissen, ob Du Schmerz aushalten kannst, meinen und Deinen eigenen, ohne zu versuchen, ihn zu verstecken, verblassen zu lassen oder zu manipulieren.

Ich will wissen, ob Du Freude empfinden kannst, meine oder Deine eigene, ob Du voller Wildheit tanzen kannst und Dich von den Finger- bis zu den Zehenspitzen in einen Rausch versenken kannst, ohne zu mahnen, vorsichtig zu sein oder realistisch, oder an die Grenzen des Menschseins zu erinnern.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die Du mir erzählst, wahr ist. Ich will wissen, ob Du einen anderen enttäuschen kannst, indem Du Dir selber treu bleibst. Ob Du die Anschuldigungen, betrogen zu haben, ertragen kannst und ob Du nicht Deine eigene Seele betrügst.

Ich will wissen, ob Du treu sein kannst und damit vertrauenswürdig. Ich will wissen, ob Du Schönheit sehen kannst, auch wenn sie nicht jeden Tag sichtbar ist. Und ob Du Dein Leben aus Gottes Gegenwart speist.

Ich will wissen, ob Du mit Versagen leben kannst, Deinem und meinem. Und trotzdem noch am Ufer des Sees stehen kannst und dem Silber des Vollmondes „Ja“ zurufen kannst.

Es interessiert mich nicht, wo Du wohnst und wie viel Geld Du hast. Ich will wissen, wo Du nach einer Nacht voller Trauer und Verzweiflung aufstehen kannst, ausgelaugt und zermartert, und tun kannst, was für die Kinder getan werden muss.

Es interessiert mich nicht, wo Du bist oder wie Du hierher gekommen bist. Ich will wissen, ob Du mit Dir alleine sein kannst und ob Du die Gesellschaft, die Du in diesen einsamen Momenten hast, wahrhaft magst.

 (von einem indianischen Stammesältesten)

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