Hermine Mandl Weblog


Schicksalsgläubiges „Schaf“ und zufallsgeneigter „Bock“
November 21, 2007, 10:35 am
Filed under: Forschung, Psyche, Uncategorized | Schlagwörter: , , , ,

Die amerikanische Psychologin Gertrude Schmeidler untersuchte die Neigung der Menschen, an das Schicksal oder den Zufall zu glauben. Sie fand in ihren Forschungen zwei gleich große Gruppen: die schicksalsgläubigen „Schafe“ und die zufallsgeneigten „Böcke“.

„Zu welcher Gruppe ein Mensch zählt“, so die Forscherin, „ist fest in seiner Persönlichkeit verankert und ändert sich im Laufe seines Lebens kaum“.

Die geradlinigen „Böcke“ und die mystischen „Schafe“

„Böcke“ denken eher geradlinig und schließen die Möglichkeit außersinnlicher Wahrnehmung aus; „Schafe“ wiederum haben häufiger mystische Erlebnisse, sind offen für außersinnliche Wahrnehmung und glauben an Paranormales. 

Dass sie sich auch in der Struktur ihrer Gehirne unterscheiden, bestätigte eine Untersuchung des Züricher „KEY-Institute for Brain-Mind-Research„: Im Gehirn von „Schafen“ war die rechte Hirnhälfte deutlich aktiver und vermittelte den Eindruck von Zusammenhängen, wo „Böcke“ längst keine mehr erkennen wollen.


Synchronizität: Der Sinn hinter scheinbar zufälligen Ereignissen
 

Im Gegensatz zu „Böcken“ können „Schafe“ dem von C.G. Jung eingeführten Gedanken der „Synchronizität“ etwas abgewinnen: Scheinbar unzusammenhängende Ereignisse sind durch einen gemeinsamen Sinn miteinander verbunden sind.

Ein Beispiel aus der Praxis des Psychoanalytikers Jungs lautet:

„Eine junge Patientin hatte in einem entscheidenden Moment ihrer Behandlung einen Traum, in welchem sie einen goldenen Skarabäus zum Geschenk erhielt. Ich saß, während sie mir den Traum erzählte, mit dem Rücken gegen das geschlossene Fenster. Plötzlich hörte ich hinter mir ein Geräusch, wie wenn etwas leise an das Fenster klopfte. Ich drehte mich um und sah, dass ein fliegendes Insekt von außen gegen das Fenster stieß. Ich öffnete das Fenster und fing das Tier im Fluge. Es war die nächste Analogie zu einem goldenen Skarabäus, welche unsere Breiten aufzubringen vermochten, nämlich ein Scarabaeide (Blatthornkäfer), Cetonia aurata, der gemeine Rosenkäfer, der sich offenbar veranlasst gefühlt hatte, entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten in ein dunkles Zimmer gerade in diesem Moment einzudringen.“ (Jung, Gesammelte Werke, Bd. 8, S. 497.)

Diese Synchronizität öffnete laut Jung der Patientin die Augen für die Kräfte des Unbewussten und leitete einen Bewusstseinswandel ein, der durch den Skarabäus, das Symbol der Wiedergeburt, in ihren Träumen schon vorgezeichnet war.

Während „Schafe“ beim Lesen dieser Geschichte wohl anerkennend nicken, können „Böcke“ einem derartigen Gedankengang nicht viel abgewinnen – für sie sind Traum und Käfer rein zufällig zusammengetroffen.

An Übersinnliches glauben: „Schafe“ bestehen gefälschte PSI-Experimente

In gefälschten PSI-Experimenten gaben die Versuchsleiter den Teilnehmern absichtlich winzige, dem Bewusstsein nicht zugängliche Hinweise für die richtige Lösung. Die unbewusste Analyse blieb den Betroffenen dabei völlig verborgen. Das erstaunliche Ergebnis zeigte, dass „Schafe“ später meinten, sie hätten die richtige Lösung „gefühlt“. 

Zufall und Schicksal können helfen, Hindernisse zu überwinden.

Es ist jedoch gleich gültig, ob man an den Zufall oder an das Schicksal glaubt, denn beide Sichtweisen können als Hilfsmittel dafür dienen, mit unerwarteten Situationen umzugehen. Es geht letztendlich darum, auch in schwierigen Zeiten den Blick für die verborgenen Möglichkeiten offenhalten zu können: Der eine überwindet Hindernisse leichter, wenn er sie für zufällig hält, der andere glaubt daran, vom Schicksal getragen zu werden und zieht daraus seine Kraft, die verborgene Chance hinter einem Ereignis zu erkennen. Wie der Philosoph und Pragmatiker James schon sagte: Truth is what works.

Literatur:

  • Schirawski, Nicolai: Das Geheimnis hinter dem Zufall. PM – Welt des Wissens, November 2007, S. 14-20.
  • C. G. Jung, Gesammelte Werke, Bd. 8, Walter, Olten (CH), 1971, p. 475ff. (§ 816ff.), Synchronizität als ein Prinzip akausaler Zusammenhänge; ursprünglich veröffentlicht in: C.G. Jung und Wolfgang Pauli, Naturerklärung und Psyche, Rascher Verlag, Zürich, 1952.
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