Hermine Mandl Weblog


Prägende Kindheitsentwicklungen: Der ödipale Konflikt

Ab dem 4. bis 5. Lebensjahr tritt das Kind in eine Entwicklungsphase ein, in der es die relative Sicherheit der Zweierbeziehung verlassen muss und das Wagnis der Dreierbeziehung mit ihren Chancen und/aber auch Risiken und Komplikationen auf sich nehmen muss: Es geht in dieser Phase darum, Konflikte, Rivalität, Spannung, Aggression sowie sonstige unvermeidliche Konsequenzen von Dreierbeziehungen zu ertragen.

Das Kind steht an der Schwelle zur psychischen Reife, verfeinert seine Fähigkeit zum Leben in sozialen Gruppen und festigt seine eigene Geschlechtsidentität. Um diese Phase gut meistern zu können, braucht das Kind ausreichend Selbstvertrauen und seine Angst vor Bestrafung darf ein für das Kind erträgliches Ausmaß nicht überschreiten. Damit all dies gewährleistet ist, bedarf es einer tragfähigen Beziehung zu den Eltern, die von Vertrauen und Konstanz geprägt ist.

Begehren und Angst vor Bestrafung: Rivalität mit den Bezugspersonen.

Das Kind erfährt in dieser Phase, dass es nicht im Mittelpunkt aller Beziehungen steht und gerät so selbst in Rivalität mit seinen Bezugspersonen. Gleichzeitig werden seine Beziehungen mit kindlich-sexuellen Bedürfnissen und Phantasien besetzt, wodurch Konflikte im Kind entstehen: zwischen hetero- und homoerotischen Strebungen, zwischen sexuellem Begehren und Angst vor Strafen, zwischen aggressiver Rivalität und sexueller Zärtlichkeit. Empfindet es einerseits libidinöse Impulse einem Elternteil gegenüber, weiß es andererseits bereits um das Inzesttabu und fürchtet sich daher vor Bestrafung aufgrund seines Begehrens (Kastrationsangst). Diese Angst vor Strafe wird in der Folge in eine Gewissensangst umgewandelt.

Lösung des Ödipuskomplexes durch Verdrängen und Identifikation.

Der Ödipuskonflikt entfaltet sich gegen Ende des 5. Lebensjahres und wird in einen positiven und einen negativen Ödipuskomplex unterteilt – abhängig davon, ob das Begehren des Kindes sich auf den gegengeschlechtlichen (positiver ÖK) oder den gleichgeschlechtlichen (negativ ÖK) Elternteil richtet. Gelöst wird der positive Ödipuskonflikt dadurch, indem das Kind sein Begehren des gegengeschlechtlichen Elternteils verdrängt und ein Bild des gleichgeschlechtlichen Elternteils verinnerlicht. D.h. das Mädchen akzeptiert, dass es den Vater nicht heiraten kann, indem es jedoch so werden will wie seine Mutter, kann es später einen Mann haben wie den Vater (uvv.). Der negative Ödipuskomplex findet seine Auflösung dadurch, indem das Kind den gleichgeschlechtlichen Elternteil zu idealisieren beginnt und sich mit diesem Ideal (als Teil des Überichs) identifiziert.

Literatur:

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