Hermine Mandl Weblog


Psychotherapie verändert das Gehirn…

… aber das muss sie, sonst wirkt sie nicht:

Allen psychischen Prozessen liegen neuronale Vorgänge zu Grunde. Ergo: Veränderten psychischen Prozessen liegen veränderte neuronale Vorgänge zu Grunde. Inzwischen gilt es als nachgewiesen, dass psychische Prozesse durch Psychotherapie wirksam und dauerhaft verändert werden können. Das wiederum bedeutet, dass Psychotherapie dauerhaft neuronale Prozesse und Strukturen verändern kann.

„Psychotherapie wirkt, wenn sie wirkt, darüber, dass sie das Gehirn verändert. Wenn sie das Gehirn nicht verändert, ist sie auch nicht wirksam“, schreibt der 2005 verstorbene Psychotherapieforscher Klaus Grawe in seinem Buch Neuropsychotherapie (2004:18).  

Psychotherapie: Anleitung und Unterstüzung beim Sammeln positiver Erfahrungen  

Unser Hirn kommt nicht ohne die Erfahrungen aus, die ihm über seine Sinne vermittelt werden: Schlechte Erfahrungen haben schlechte Auswirkungen, gute Erfahrungen haben gute Auswirkungen. Die Aufgabe der Psychotherapie ist es, Menschen eine Anleitung und Unterstützung zu geben, dass sie andere – positivere und weniger schädliche – Erfahrungen sammeln als bisher. Erst durch konkrete positivere Lebenserfahrungen kommt es zu sich selbst aufrecherhaltendenen neuen, gesünderen Strukturen und Abläufen im Gehirn.

Medikamentöse Therapie kann Psychotherapie unterstützen

Problematische Denk-, Emotions-, Handlungs- und Reaktionsbereitschaften können zwar in ihrer Aktivierbarkeit durch Neurotransmitter moduliert werden, es entsteht dadurch jedoch kein neuer Gedächtnisbesitz. Für die Schaffung spezifischer neuer Gedächtnisinhalte, die zukünftiges Erleben und Verhalten verändern, sind spezifische neue Wahrnehmungen unverzichtbar, durch welche die alten Gedächtnisinhalte verändert werden. Laut Grawe (2004) gilt es bisher nicht als stichhaltig neurowissenschaftlich begründet, dass eine Anwendung von Pharmakotherapie ohne begleitende Psychotherapie für eine dauerhafte Verbesserung der Situation des Patienten genügt. Hingegen gilt es als bewiesen, dass Psychopharmaka unterstützend für eine Psychotherapie wirken können, indem sie den Patienten in einen aufnahmebereiten Zustand bringen. Dennoch: In letzter Konsequenz kommt es vor allem darauf an, welche förderlichen Erfahrungen der Patient in diesem Zustand macht.

Literatur:

Grawe, Klaus (2004): Neuropsychotherapie. Hogrefe Verlag GmbH & CoKG, Göttingen, S. 16-23.

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