Hermine Mandl Weblog


Untersuchung: Wie bleibt man trotz einer Lebenskrise gesund?

Interviews mit 20 Frauen: Wie bleibt man trotz einer Lebenskrise gesund? 

In einem Psychotherapeutischen Zentrum wurden Interviews mit 20 Frauen im Alter von 35 bis 50 Jahren durchgeführt, welche eine Lebenskrise oder Trennung überstanden haben. Ausgehend von Antonovsky standen folgende Forschungsfragen im Vordergrund: 

  • Welche Begründungszusammenhänge entwickeln Personen, die ein Lebensereignis für sich als kritisch und bedrohlich empfunden haben, dafür, dass sie trotz erfahrener Gefährdung gesund geblieben sind?
  • Woran machen sie die sich selbst zugesprochene seelische Gesundheit fest?
  • Lassen sich aus alltäglichem Wissen um seelische Gesundheit Sichtweisen ableiten, die mit vorliegenden Definitionen seelischer Gesundheit verglichen werden können?

4 Phasen der Krisenbewältigung: Emotionale Reaktion – allmähliche Realisierung – Bewältigung und Wiederherstellung des Selbstwerts – Neukonsolidierung. 

Die Interviews ergaben, dass bei einer Krisenbewältigung vier Phasen unterschieden werden können (121-123): Die erste Phase ist gekennzeichnet durch eine emotionale Reaktion und endet häufig in einem Erschöpfungszustand. Darauf folgt die zweite Phase, in welcher eine allmähliche Realisierung erfolgt: In dieser Zeit werden alltägliche Gewohnheiten, Automatismen, Routinen als hilfreich erlebt. Die Betroffene sucht die Ablenkung und Zuwendung zu anderen Inhalten. In der dritten Phase erfolgen die instrumentelle Bewältigung der Krise sowie die Wiederherstellung des Selbstwertgefühls: Man erkennt diese Phase daran, dass Betroffene es in Angriff nehmen, umzuziehen oder die Wohnung neu einzurichten; sie klären finanzielle Fragen, entwickeln einen neuen Tagesablauf, regeln die Kinderversorgung, setzen sich aber auch mit der Vorgeschichte auseinandersetzen und leisten Trauerarbeit. Das Ziel dieser Phase ist die Wiederherstellung des Selbstwertgefühls. Betroffene setzten sich dafür mit den Ursachen des Scheiterns auseinander, ziehen Schlüsse für die Zukunft, wachsen an der Erfahrung, auch allein zu Recht zu kommen und meldeten zurück, dass es ihnen half, von den Kindern gebraucht zu werden.Als letzte Phase der Krisenbewältigung erfolgt der Schritt, sich etwas Neues vorzunehmen; dies ist eine Zeit der „Neukonsolidierung“.

Finanzielle Sicherheit erleichtert die Krisenbewältigung

Nachvollziehbarer Weise erleichtert es die Krisenbewältigung, wenn Betroffene über ein gesichertes Einkommen und eine befriedigende Wohnsituation verfügen und nicht ökonomische Unsicherheiten noch erschwerend hinzukommen (123).  

Akzeptieren motiviert ein Bewältigungsverhalten

Unterscheidungen konnten auch im Umgang mit psychischer Gefährdung getroffen werden, wobei das Akzeptieren einer Grenzsituation und die Furcht, sie könnte chronisch werden und nicht mehr aufhören, dazu aktivieren und motivieren, ein Bewältigungsverhalten zu entwickeln (124).

Techniken im Umgang mit psychischen Belastungen

Folgende Techniken des Umgangs mit psychischen Belastungssituationen und negativen Emotionen wurden unterschieden (124): 

  • Abschalten, Ablenken, Verdrängen, sich beruhigen 
  • sich zeitweilig (allein und mit anderen) dem Problem und schlechten Gefühl bewusst aussetzen, 
  • sich daran erinnern, wie es einem besser ging; wie man früher Probleme gemeistert hat; andere Probleme gemeistert haben; es sein wird, wenn das Problem gemeistert sein wird, 
  • sich keine Selbstvorwürfe machen, 
  • sich verwöhnen bzw. sich etwas Gutes tun. 

Literatur:

Dross, Margret, Warum bin ich trotz allem gesundgeblieben? Subjektive Theorien von Gesundheit am Beispiel von psychisch gesunden Frauen, in: Flick, Uwe (Hrsg.), Wann fühlen wir uns gesund? Subjektive Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit, Weinheim, München 1998 : Juventa Verlag, S. 119-128

und

in: Flick, Uwe (Hrsg.), Alltagswissen über Gesundheit und Krankheit. Subjektive Theorien und soziale Repräsentation, Heidelberg 1991 : Roland Asanger Verlag, S. 59-69

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