Hermine Mandl Weblog


Verarbeitung psychischer Konflikte: Der angstneurotische Modus

Angst als gesundes Signal der Psyche.

Wer sich fürchtet, dem will die eigene Psyche etwas sagen. Angst ist somit ein Warnsignal für den Betroffenen und in diesem Sinne eine durchaus gesunde Leistung des Ich. Sie hat die Aufgabe, uns vor etwas zu schützen. Es gibt jedoch Ausprägungen von Angst, die über diese Signalfunktion hinausgehen: Das ist dann der Fall, wenn die Angst übermäßig groß wird und in einem „angstneurotischen Anfall“ mündet – besser bekannt als „Panikattacke“.   

Panikattacken: plötzlich, intensiv, nicht fassbar.

Darunter versteht man einen plötzlichen Zustand intensiver Angst, wobei diese nicht fassbar ist. Die Angst zeigt sich häufig „körperlich“: in Form einer ausgeprägten Beschleunigung der Pulsfrequenz, einem Ansteigen des Blutdrucks, Schweißausbrüchen, Gesichtsröte, einer tiefen und forcierten Atmung und anderen körperlichen Erscheinungen. Der Betroffene befürchtet durch die Panikattacke einen Herzstillstand, ein Schwindelgefühl, eine Hirnblutung oder ähnliches zu erleiden. Dieser Zustand erstreckt sich meist über einen Zeitraum zwischen fünf Minuten und einer Stunde.  

Die Angst, sich selbst zu verlieren

Hinter einer Panikattacke steht die Angst, „sich selbst zu verlieren“ – und zwar psychisch nicht mehr zu existieren. Aus dieser ursprünglichen Selbstverlustangst wird eine Angst vor dem angeblichen Versagen körperlicher Funktionen oder vor dem Angstanfall selbst.  

Angst, mit der Bezugsperson auch die Sicherheit zu verlieren.

Trennungssituationen stellen die häufigsten Auslöser von Panikattacken dar: Der angstneurotische Patient beantwortet eine Trennung oder einen Verlust nicht (wie normalerweise) mit seelischem Schmerz, sondern mit existentieller Angst. Das kann dann passieren, wenn es zur Trennung von einer wichtigen Bezugsperson kommt, die für den Betroffenen die Funktion hatte, ihm das Gefühl der Sicherheit zu geben.  

Alles hat seinen Preis: „Sicherheit“ gegen „Verdrängte Wut“

Unabhängigkeitsbestrebungen und die damit zusammenhängenden Aggressionen gegen wichtige, Sicherheit bietende Personen sind für angstneurotische Menschen gefährlich, denn sie könnten letzten Endes zu einer Trennung führen. Da eine Trennung gleichzeitig einen Verlust der Sicherheit bedeuten würde, müssen Aggressionen gegen diese Personen weitestgehend verdrängt werden.  

Literatur: Mentzos, Stavros (2005): Neurotische Konfliktverarbeitung. Einführung in die psychoanalytische Neurosenlehre unter Berücksichtigung neuer Perspektiven. Fischer: Frankfurt am Main, S. 171-181.

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