Hermine Mandl Weblog


Verarbeitung psychischer Konflikte: Der phobische Modus

Das Wort „Pobie“ wird vom griechischen Wort „Phobos“ abgeleitet, was so viel bedeutet wie „Furcht“. Aus diesem Grund geht es bei Phobien auch um Furcht, und zwar um unbegründete oder jedenfalls – rein sachlich gesehen – eine nicht gerechtfertigte Furcht vor bestimmten Situationen oder Dingen: Klaustrophobie (=Angst vor geschlossenen Räumen), Tierphobie, Brückenphobie, Höhenphobie etc.

Verschiebung und Vermeidung: Eine Angst benutzen, um einer anderen aus dem Weg zu gehen.

Bei einer Phobie kommt es zu einer so genannten „Verschiebung“: aus der inneren Gefahr wird eine äußere geschaffen – und zwar eine Gefahr, die den „Vorteil“ hat, dass sie eben leicht vermieden werden kann. Man benutzt damit eine Angst, um sich nicht mit einer anderen auseinandersetzen zu müssen. Bei der Unterscheidung, wovor man eine Phobie entwickelt, kann von folgende Unterscheidung getroffen werden:

  • Die Phobie kann auf Symbole übertragen werden: z.B. ein spitzes Messer oder eine Schere können mit Aggression in Zusammenhang gebracht werden.
  • Die Phobie entsteht als Reaktionsbildung auf eine Erfahrung: z.B. aufgrund einer Explosion in einem chemischen Labor entwickelt jemand eine Phobie vor chemischen Gerüchen.

Fallbeispiel: Von der Brücke zur Schwiegermutter zur Mutter.

Beispiel: Eine Frau hat ein angespanntes Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter und fährt mit ihr gemeinsam über eine Autobahnbrücke als sie plötzlich den Impuls hat, das Steuer nach rechts zu reißen und sich samt ihrer Schwiegermutter von der Brücke zu stürzen. Sie tut es nicht und verdrängt diesen aggressiven Impuls gegen sich und die Schwiegermutter sogleich. Die Frau entwickelt jedoch eine Angst vor Brücken, die selbst dann auftritt, wenn sie alleine im Auto sitzt. In der Psychotherapie kann sie herausfinden, wann die Brückenphobie erstmals aufgetreten ist und erkennt in weiterer Folge, dass der Konflikt mit der Schwiegermutter im Grunde eine Erfahrung mit ihrer eigenen Mutter wieder belebt hat.

Angst vor Liebesverlust: zwei, drei… eins?

Konflikte, die v.a. mittels phobischen Modus verarbeitet werden, gehen häufig in die Zeit zurück, wo der Vater als dritter Faktor in die Beziehung zwischen Mutter und Kind kommt und die  Zweierbeziehung aufbricht. Das Kind entwickelt eine Angst, die Liebe der Mutter zu verlieren – z.B. eben an den Vater.

Literatur:

Mentzos, Stavros (2005): Neurotische Konfliktverarbeitung. Einführung in die psychoanalytische Neurosenlehre unter Berücksichtigung neuer Perspektiven. Fischer: Frankfurt am Main, S. 165-171

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