Hermine Mandl Weblog


Psychotherapie: Den eigenen Grundriss rekonstruieren.
Oktober 11, 2007, 2:53 pm
Filed under: Kindheit, Psyche, Psychotherapie, Uncategorized | Schlagwörter: , , , ,

In seinem Lied Unbewohnt singt Herbert Grönemeyer an einer Stelle: „Ich würde mich gern verstehen, aber ich weiß nicht, wie das geht, der Grundriss ist weg.“

Das ist ein gutes Bild dafür, was Menschen zu einer Psychotherapie bewegt und was das Ziel einer solchen sein kann: Ich weiß nicht, wie ich funktioniere und kann mein Leben daher nicht so gestalten, wie ich will.

Von Menschen und Häusern.

Ein Haus steht auch ohne Grundriss und die Bewohner finden sich nach einiger Zeit und mit Erfahrung darin auch blind zurecht. Zumindest in Teilen. Sind jedoch irgendwann Umbauarbeiten notwendig oder gewünscht, dann ist ein Grundriss sehr hilfreich. Ein Blick darauf erleichtert die Entscheidung, wo man was und wie tun kann, denn darin befinden sich wichtige Informationen wie: Wo sind tragende Mauern, wo befindet sich Kamine, wo wurden Wasserleitungen oder Stromleitungen verlegt etc.

Wie beim Haus ist auch beim Menschen nicht alles sofort erkenntbar und offensichtlich. Wie Häuser haben auch Menschen einen Grundriss: Aufgrund unserer frühen Kinheitserfahrungen wurden Entscheidungen getroffen und Muster gefestigt, die in unserem persönlichen Grundriss wohl vermerkt sind. Vieles wird im Laufe der Zeit selbstverständlich, wir funktionieren – vergessen jedoch mit der Zeit, warum wir wie funktionieren. Wir haben keinen Zugang mehr zum Plan in uns.

Tatsache ist, dass wir auch als Erwachsene im Hier und Jetzt in vielen Bereichen noch so handeln wie damals als kleines Kind. Aber dieses Verhalten ist oft später nicht mehr angemessen oder auch nicht mehr notwendig; es führt zu Konflikten und Belastungen. Das ist der Zeitpunkte, wenn Renovierungs- und Umbauarbeiten interessant und notwendig werden. Wenn wir uns jedoch verändern wollen, müssen wir uns an die Arbeit machen, den Grundriss zu suchen oder ihn zu rekonstruieren. Und genau dabei kann eine Psychotherapie helfen.

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1 Kommentar so far
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Hallo,

Ich denke, dass unser „Grundriß“ viel mit unserer Geschichte zu tun hat. Mit unserer wahren Geschichte, wer wir selber sind. Oft geht diese Geschichte verloren, wie ein Grundriß. Wir ersetzen dann das vielleicht durch eine oberflächliche Pseudoversion unserer Geschichte („ich hatte eine schöne Kindheit und war ganz normal“). Aber spätestens wenn wir uns fragen, ob das schon alles war, ob unsere Leben aus Studieren , Arbeiten und ein gutes Leben führen besteht, spätestens dann fanngen wir an, Fragen zu stellen und möchten unseren Grundriß, unsere Geschichte wiederfinden.

Die ist dann oft verschüttet und wir müssen sie wieder ausgraben, wie den Grundriß.

Kommentar von geo




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