Hermine Mandl Weblog


„Was uns nicht umbringt, macht uns stärker“
September 20, 2007, 9:52 am
Filed under: Forschung, Psyche, Resilienz

… wird der Philosoph Friedrich Nietzsche oft zitiert und amerikanische Psychologen fanden Bestätigung:  

Der amerikanische Psychologieprofessor Richard Tedeschi prägte in diesem Zusammenhang den Begriff Posttraumatisches Wachstum. Er fand heraus, dass die Mehrheit der Menschen, die extreme existenzielle Erfahrungen durchleiden – wie etwa ein Gewaltverbrechen oder eine plötzliche schwere Erkrankung –, zwar zunächst davon überzeugt sind, dass ihr Leben durch das Ereignis zerstört wurde, sie melden jedoch auch zurück, dass es sich in der Folge zum Besseren gewendet hat und seither reicher und befriedigender verläuft. Wie kann das sein?

Der Sozialpsychologe W. Keith Campbell erklärt diesen Effekt mit dem Prinzip des „Ich-Schocks“: Demnach frieren tiefgreifende Erschütterungen die normalen Schutzmechanismen der Psyche ein und öffnen so eine Tür zur Veränderung. Ob dieser Veränderungsprozess in Gang kommt oder man aus der Bahn geworfen wird, hängt vom Willen und den Fähigkeiten des Betroffenen ab, die negativen Ereignisse in die eigene Lebensgeschichte zu integriert und mit der Realität zurechtzukommen. Meist führt dieser Weg über einen schmerzhaften Prozess der eigenen Neudefinition und über die Aufgabe alter Lebensbegriffe. Es geht darum, sich einzugestehen, dass man durch ein Ereignis verändert wurde, dass man verwundbar ist und dass das Leben auch besser, glücklicher hätte verlaufen können.

Erfolgreiches „Überleben“ zeichnet sich somit durch eine Balance zwischen Bedauern und Zufriedenheit aus; „seelische Reife“ durch die Fähigkeit, gleichzeitig Verlust und Wachstum erleben zu können.

Artikel:Wenn das Leben auseinanderfällt. Kathleen McGowan, Psychologie Heute, Oktober 2007, S. 20-27

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2 Kommentare so far
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[…] An anderer Stelle habe ich schon einmal erwähnt, dass Life-Events wie Krankheiten etc. für manche Menschen zur Ressource werden können: Zwar bewegen sie sich auf der körperlichen Skala hinunter, sie gesunden im Gegenzug jedoch auf der psychischen oder sozialen Ebene… […]

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ich hab das persönlich auch so erlebt….
mit der neudefinitation (ich habs immer auseinadernehmen und neu zusammensetzen genannt) und auch als wichtige erfahrung die ich heute nicht missen möchte…
natürlich würde ich lieber wieder tanzen gehen können und nicht auf zwei krücken hatschn, aber mit der psychischen lage bin ich voll zufrieden.

ich habs sogar in ganz schweren zeiten so erlebt dass ich – oft im gegensatz zu den aussagen der ärzte – das gefühl hatte, ich werde das überstehen und danach steht was neues, was mich voranbringt…
nachzulesen ist ein teil der krankheits/gesundwerdungsgeschichte auf http://schindler.or.at/xundheit

Kommentar von manfreed




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