Gespeichert unter: Forschung, Gesundheit / Krankheit, Uncategorized | Schlagworte: Alkohol, Gesundheit, Kay-Tee Khaw, Lebensstil, Lebensverlängerung, Nichtrauchen, Obst und Gemüse, Sport, Studie, Universität Cambridge
Für die Studie „Combined Impact of Health Behaviours and Mortality in Men and Women: The EPIC-Norfolk Prospective Population Study“ verfolgten britische Forscher um die Medizinerin Kay-Tee Khaw von der Universität Cambridge seit 1993 das Schicksal von mehr als 20.000 Probanden im Alter zwischen 45 und 79 Jahren und stellten dabei fest, dass vier einfache (sowie seit langem bekannte und empfohlene) Verhaltensregeln das Leben um durchschnittlich 14 Jahre verlängern können:
- nicht rauchen,
- etwas Sport betreiben*,
- nur mäßig Alkohol trinken**,
- täglich fünf Portionen Obst und Gemüse essen***.
Die Studie „Combined Impact of Health Behaviours and Mortality in Men and Women: The EPIC-Norfolk Prospective Population Study“ ist im Fachjournal „PLoS Medicine“ erschienen (DOI: 10.1371/journal.pmed.0050012) und laut Autor/innen Teil der größten Untersuchung zu Ernährung und Gesundheit, die jemals unternommen worden sei. Die Untersuchung EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) erstreckt sich insgesamt über zehn europäische Länder.
Quelle:
„Studie: Mit vier Regeln 14 Jahre länger leben„, ORF ON Science vom 8.1.2008.
* zB. Bürojob, aber in der Freizeit Sport
** maximal zwei Gläser Wein oder ein halber Liter Bier pro Tag
*** als Portion gilt ein Stück Obst bzw. die Menge, die in eine Hand passt.
Gespeichert unter: Forschung, Gesundheit / Krankheit, Psyche, Uncategorized | Schlagworte: Auswirkungen, Entspannung, Erwachsene, Forschung, Funktion, Gelotologie, Humor, Kinder, Lachen, Norman Cousins, Schmerzempfinden, Vorteile, William F. Fry
Ein Kind der 70er: die Gelotologie.
Seit den 70er Jahren beschäftigt sich ein Forschungsgebiet mit dem Zusammenhang zwischen Heiterkeit und Gesundheit, die Gelotologie (von griechisch: „gelos“ = Gelächter). Inzwischen befassen sich weltweit über 200 Psychologen, Immunologen, Neurologen und Stressforscher mit den positiven Auswirkungen des Lachens auf Körper, Geist und Seele.
Ein Vorreiter dieser Richtung war jedoch bereits der Stanford-Professor William F. Fry, der 1964 ein Institut zur Humorforschung gründete, um die Erfahrungen des Wissenschaftsjournalisten Norman Cousins zu beforschen: Dieser litt an einer schmerzhaften Wirbelsäulenerkrankung und unterzog sich systematisch einer Lachkur, indem er sich über Monate Filme mit berühmten Komikern vorführen und witzige Bücher vorlesen ließ. In seinem Buch „Der Arzt in uns selbst“ beschreibt Cousins, wie nach zehn Minuten Lachen seine Schmerzen nachließen.
Lachen – was bringts?
Durch Lachen wird also sogar das Schmerzempfinden deutlich reduziert. Aber es bewirkt noch zahlreiche weitere positive Effekte in uns: Durch Lachen wird das körpereigene Immunsystem aktiviert, der Stoffwechsel angeregt, die Durchblutung von Herz und Lunge verbessert, die Stresshormone Adrenalin und Kortisol werden abgebaut, der Blutdruck sowie der Blutzuckerspiegel gesenkt, die Muskulatur entspannt und die Durchblutung intensiviert. Und schließlich fördert Lachen die Konzentration, befreit von Ängsten und macht gute Laune!
Wie funktioniert Lachen?
Das Zwerchfell hüpft, der Puls rast, zirka 300 Muskeln sind aktiv, die Pupillen vergrößern sich, die Fingerkuppen werden feucht und die Beinmuskulatur erschlafft. Wir atmen mit gut 100 km/h aus und ganz tief wieder ein. Lachen erfordert demnach von unserem Körper im wahrsten Sinne des Wortes eine kurzfristige Höchstleistung.
Warum vergeht uns mit dem Erwachsenwerden das Lachen?
Statistisch gesehen lacht jeder Erwachsene durchschnittlich 15 mal pro Tag, während Kinder sogar bis zu 400 mal lachen. Erstaunlich, nicht? Erklärt wird dies dadurch, dass Kindern ein slapstickartiger Humor zugeschrieben wird: Ein Baby lacht noch, weil man eine Grimasse schneidet, Erwachsene finden daran jedoch nichts Witziges. Im Laufe des Lebens verändert sich also, worüber Menschen lachen: Mit dem Heranwachsen empfindet man immer weniger das Gesehene oder Gesagte selbst komisch, sondern lacht vielmehr über die dadurch ausgelösten Vorstellungen. Je stärker dabei der persönliche Bezug zum Inhalt des Witzes ist, desto lustiger erscheint der Gag.
Eine Möglichkeit, Ihren heutigen TLD (Tages-Lach-Durchschnitt) vielleicht ein wenig zu heben:
„Was zum Lachen“ heißt es unter anderem auf der Seite der Europäischen Lach-Gesellschaft - zu finden gibt es dort schriftliche Äusserungen von Versicherungsnehmern aus der Sammlung einer Versicherungsgesellschaft.
Quellen:
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Heike Schmidt-Abidi, Lachen – garantiert ohne Nebenwirkungen, auf gesundheit.de, 24.07.2006.
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Lachen – Medizin für Leib und Seele! Beitrag zu einer Sendung des MDR.DE vom 7.2.2002.
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Susanne Donner, Warum der Chef die besten Witze macht. Stern.de – Wissenschaft & Gesundheit, 29.7.2007.
Gespeichert unter: Beziehung, Empowerment, Forschung, Gesundheit / Krankheit, Psyche, Resilienz, Uncategorized | Schlagworte: Frauen, Gesundheit, Hilfe, Männer, Netz, soziale Netzwerke, Soziale Unterstützung, Verlässlichkeit
Netzwerke schrumpfen in Krisenzeiten
Forschungen haben gezeigt, dass die sozialen Netze rissig werden und sogar auseinander reißen, wenn ein Mensch erkrankt. Aber warum? Psychologen suchen nach Erklärungen für dieses Phänomen und vermuten, dass ein Grund dafür sein könnte, dass Personen eines Netzwerkes sich grundsätzlich ähneln. Daher könnte die Erkrankung eines Mitgliedes eine große Bedrohung für den Rest darstellen. – Dies führt dazu, dass die Lebensphilosophie der Gruppe durch die Krankheit infrage gestellt wird; das „unähnlich“ gewordene Mitglied wird also kurzerhand aus dem Netzwerk ausgeschlossen. Andere Erklärungsmodelle für dieses Phänomen sprechen von Berührungsängsten oder sich nicht zuständig fühlen. Beobachtet wurde auch der Rückzug aus Angst vor Ansteckung im Falle mancher Krankheiten.
Größe und Verlässlichkeit eines sozialen Netzwerks beeinflussen den Gesundheitszustand
Die Münchner Soziologin Martina Eller untersuchte die sozialen Beziehungen von rund 1000 Diabetikern und stellte fest: Die Sozialkontakte verringern sich, wenn jemand krank wird und je kleiner das soziale Netz wird, desto schlechter ist der Gesundheitszustand eines Diabetikers. Eller fand weiters heraus, dass man zwar aufgrund des Alters und des Geschlechts keine Vorhersage auf den Gesundheitszustand machen kann, sehr wohl jedoch aufgrund der Größe und Verlässlichkeit des sozialen Netzwerks: Wer ein großes soziales Netz hat, ist vier bzw. acht Jahre später in einem besseren Gesundheitszustand als jene Personen, die von Beginn an ein kleines soziales Netzwerk hatten.
Zahlreiche Studien untermauern die Erkenntnis, dass soziale Isolation das Gesundheitsrisiko steigert: Personen, die sich sozial unterstützt fühlen, leben gesünder, zufriedener und länger; im Gegensatz dazu sind einsame Menschen einem höheren Krankheits- und Sterberisiko ausgesetzt, so die Quintessenz der bisherigen Forschungen.
Die unauffällige Unterstützung als bessere Hilfe
Die Psychologin Beate Dietzen von der Universität Zürich gilt als Expertin für biopsychologische Netzwerkforschung. Sie betont, dass hilfsbedürftige Menschen sich nicht abhängig fühlen möchten und es für sie lediglich wichtig ist, dass jeman da ist und dass ihnen Hilfe nicht aufgedrängt wird. – Ein Zuviel an Unterstützung kann sogar in einer Lose-Lose-Situation münden: Der Helfer fühlt sich überfordert und der Hilfsbedürftige schuldig.
Der Glaube an ein soziales Netz setzt positive Kräfte frei
Entscheidend ist laut Psychologen nicht, wie viel einem Menschen tatsächlich geholfen wird, sondern die Überzeugung, im Notfall auf sein Netzwerk bauen zu können. Die Hilfsbereitschaft des Netzes wird jedoch von zwei Gruppen häufig überschätzt: von Menschen mit einem hohen Selbstbewusstsein sowie von Personen, die bisher noch keine Notsituation erleiden mussten.
Hinterfragen erwünscht: Sinngewinn durch Skepsis
Der Psychologe Neil Krause führte mehreren Längsschnittstudien durch und fand dabei heraus, dass ein kritisches Nachfragen von Netzwerkmitgliedern bzw. ein Widersprechen zumindest älteren Menschen dabei hilft, einen tiferen Sinn in ihrem Leben zu erkennen. Damit ein Netzwerk also tatsächlich praktische Lebenshilfe leisten kann, sollte es sich nicht nur aus Ja-Sagern zusammensetzen: Zwar ist gutes Zureden wichtig, ein skeptisches Nachfragen erwies sich jedoch als noch wichtiger.
Soziale Netze schützen vor Stress
Menschen, die sozial unterstützt werden, produzieren einerseits weniger Kortisol im Körper, als Menschen die nicht unterstützt werden, und schütten andererseits vermehrt das Hormon Oxytocin aus. Letzteres führt zu einem hohen Einfühlungsvermögen und einer niedrigen Aggressivität und wird zum Beispiel während einer Schwangerschaft verstärkt produziert. Psychologen fanden heraus: Wer viel Oxytocin im Körper hat und zugleich sozial unterstützt wird, reagiert besonders gelassen auf Stress.
Bei Aidskranken zeigte sich jedoch auch ein negativer Zusammenhang zwischen dem Grad der Unterstützung und dem Gesundheitszustand. Eine mögliche Erklärung dafür: Es kostet viel Kraft, ein Netzwerk zu unterhalten und zu pflegen – Kraft, die Aidskranke nicht haben. Daher kann die Beziehungspflege mitunter auch zur Last werden.
Männer unterstützen instrumentell, Frauen emotional
Forschungen zeigten auch, dass Männer von sozialen Netzwerken stärker profitieren als Frauen. Warum? Männer unterstützen, indem sie Ratschläge geben oder Informationen einholen, Frauen hören zu und bringen ihre Wertschätzung zum Ausdruck. Die Annahme lautet, dass Männer zwar unterstützen wollen, ihre Äußerungen von Frauen jedoch eher als Forderung oder Ermahung wahrgenommen werden. Die Ratschläge der Männer bewirken in der Folge eher, dass Frauen sich unter Druck gesetzt fühlen. Anders bei Frauen: Die Forschungen der Psychologen Larua M. Glynn und Nicholas Christenfeld der University of California ergaben, dass nur die weibliche Unterstützung die Stressreaktionen von Studienteilnehmern verringern konnte. Es ist demnach jeder gut beraten, Frauen in seinem Netzwerk zu haben!
Die Kardinalfrage: Unterstützen, aber wie?
Am meisten scheinen Menschen von einer kritisch-wohlwollenden Begleitung zu profitieren, es kann jedoch kein Rezept gegeben werden, welche Art von Unterstützung positiv wirkt und welche nicht. Alles hängt letztendlich davon ab, was der Hilfsbedürftige wünscht und will.
Oft muss der Helfer gar nichts tun – es reicht, da zu sein: Soziale Unterstützer sind dann besonders erfolgreich, wenn sie fast nichts tun, nur ab und zu unsere Hand berühren und unser Handeln nicht bewerten. Dementsprechend gehören auch Haustiere in unser soziales Netzwerk und können durchaus heilsam wirken.
Quelle:
Westerhoff, Nikolas: Geborgenheit oder Einengung: Wie wichtig sind soziale Netze?, Psychologie Heute, Juni 2008, S. 21-25
Gespeichert unter: Essstörungen, Forschung, Uncategorized | Schlagworte: Adipositas, Angststörung, Übergewicht, BMI, Depression
Die Wissenschaftlerin Sarah Anderson von der Ohio State University führte gemeinsam mit ihren Kolleg/innen einen Längsschnittstudie zum Thema „Kindliche Adipositas und das Risiko, an einer Depression oder Angststörung zu erkranken“ durch. Dafür wertete sie die Daten von 820 Personen aus dem US-Bundesstaat New York aus, die zwischen 1975 und 2003 insgesamt viermal kontaktiert worden waren, um Auskunft über ihr Körpergewicht, ihre Körpergröße sowie über ihre psychische Gesundheit zu geben. Für die Studie wurden zusätzlich sozioökonomische Daten, ethnische Herkunft und eventuelle psychische Erkrankungen der Eltern erhoben und für die statistische Analyse berücksichtigt, indem diese Aspekte als äußere Einflüsse herausgerechnet wurden.
Das Ergebnis: Frauen, die in ihrer Jugend einen höheren Body-Mass-Index (Körpergewicht im Verhältnis zu Körpergröße) als 95 Prozent der Bevölkerung hatten, entwickelten fast 4-mal häufiger als andere Teilnehmer/innen in späteren Lebensjahren eine Depression oder Angststörung. Ein derartiger Zusammenhang war bei Männern nicht erkennbar.
In ihrem Erklärungsmodell vermuten die Wissenschafter/innen, dass ein Grund dafür sein könnte, dass für Mädchen das eigene Aussehen wichtiger ist als für Jungen; auch das Hänseln, von dem übergewichtige Jugendliche verstärkt betroffen sind, könne die negative Selbstwahrnehmung und depressive Symptome fördern.
Studie:
Anderson, S.E. et al: Adolescent obesity and risk for subsequent major depressive disorder and anxiety disorder: Prosepctive evidence. Psychosomatic Medicine, 69, 2007, 740-747.
Quelle:
Römer, Anke: Erst schwer, dann schwermütig. Psychologie heute, April 2008, S. 59.
Gespeichert unter: Forschung, Psyche, Uncategorized | Schlagworte: Aufschieberitis, Lösungsstrategien, Procrastination
Aufschieben = Aufschieben?
Aufschieben heißt, Aufgaben, die man als sehr wichtig und dringend empfindet, nicht zu erledigen und sich stattdessen mit Dingen zu beschäftigen, die man selber als weniger relevant erachtet: anstatt für die Prüfung zu lernen oder die Steuererklärung auszufüllen, doch lieber die Fenster oder das Bad zu putzen, sich noch schnell etwas zu kochen, erst einmal mit einer Pause zu beginnen, damit man sich erholt an die Aufgabe setzen kann… Klingt das vertraut? Könnte sich natürlich um Aufschieberitis handeln. Allerdings müssen Sie nicht gleich in Panik geraten, denn nicht jeder, der Dinge aufschiebt, verdient gleich die Diagnose Procrastination. Der Psychologieprofessor Ralf Schwarzer von der Freien Universität Berlin erklärt: „Jeder schiebt Sachen auf. Das ist auch der Grund, warum kurz vor Weihnachten die Fußgängerzonen überquellen.“ Dinge aufzuschieben, ist also nichts Ungewöhnliches. Aber: Es kann zum Problem werden – nämlich dann, wenn jemand einen Leidensdruck aufgrund seiner „Aufschieberitis“ entwickelt – in extremen Fällen kann es sogar zu einer Depression führen.
Das stressige Leben mit dem wachsenden Aufgabenberg
Erkennen kann man extreme Aufschieber/innen daran, dass sie sich häufig verspäten, in der Regel auf ihre Aufgaben schlecht vorbereitet sind und sich generell damit schwer tun, sich selbst zu organisieren. Im Arbeitskontext haben sie häufiger schlechte Beziehungen zu ihren Arbeitskolleg/innen und sie verbringen viel Zeit mit Projekten, an denen sie letztendlich häufig scheitern. Wirkt, als wären diese Menschen einfach nur faul. Wirkt aber nur so, denn hinter dem Aufschiebeverhalten steht häufig eine Versagensangst: Als faul zu gelten ist immer noch besser als ein Versager zu sein…
Ist Procrastination lösbar?
Laut Professor Schwarzer fehlt den Betroffenen häufig eine geeignete „Abschirmtendenz“. Helfen können simple Maßnahmen wie To-Do-Listen, eine strukturierte Zeitplanung sowie ein geeignetes Zeitmanagement, ein persönliches Belohnungssystem oder auch Gespräche zum Thema mit Freund/innen.
Also, wozu warten? Los geht’s!
Quelle:
Christina Steinlein: „Aufschieberitis: Immer auf den letzten Drücker“, FOCUS-Online, vom 27.07.06 (2006… und gilt noch immer
)
Gespeichert unter: Forschung, Krisenbewältigung, Psyche, Uncategorized | Schlagworte: Forschung, Glückskurve, Midlife-Crisis, Oswald
Jetzt ist sie auch wissenschaftlich bestätigt: die „Mitlife-Crisis“. Der Wirtschaftswissenschafter Andrew Oswald von der Universität Warwick wertete diesbezüglich gemeinsam mit dem US-Forscher David Blanchflower vom Dartmouth College die Daten von Menschen aus 80 Ländern aus – von Albanien über Deutschland bis Simbabwe – und fand dabei folgendes Ergebnis: Die Glückskurve eines Menschen stellt ein U dar. Der Mensch ist am Anfang und am Ende seines Lebens am glücklichsten und den Tiefpunkt seiner Zufriedenheit erreicht er im mittleren Alter – unabhängig von seinem Familienstand, Einkommen oder Geschlecht.
Midlife-Crisis: Unterschiedliche Ausprägung, aber global beobachtbar.
Natürlich leiden nicht alle im gleichen Außmaß unter einer „Midlife-Crisis“, aber das Phänomen sei überall beobachtbar. Konkret stießen die Forscher auf folgendes Ergebnis: „In Großbritannien verfallen die Menschen mit durchschnittlich etwa 44 Jahren ins Grübeln, in den USA sind Frauen im Alter um 40 und Männer mit etwa 50 Jahren am stärksten depressionsgefährdet. Die 55.000 befragten Deutschen erreichten das Minimum an Zufriedenheit im Alter von knapp 43 Jahren.“ Oswald vermutet folgenden Hintergrund für dieses Phänomen: „Möglicherweise müssen Menschen in diesem Alter manche unerfüllbaren Träume aufgeben oder erkennen, dass ihnen nur noch eine begrenzte Zeit zum Leben bleibt.“
Das glückliche U: Ab 50 gehts wieder bergauf.
Trotzdem gibt es auch eine gute Nachricht: Im Alter ab 50 Jahren tauchen die meisten Menschen wieder aus diesem Tief auf. „Wer mit 70 noch körperlich gesund ist, ist durchschnittlich ähnlich glücklich wie ein 20-Jähriger“, so Oswald und fügt tröstende Worte für aktuell Betroffene an: „Vielleicht kann die Erkenntnis, dass solche Gefühle im mittleren Lebensalter völlig normal sind, Menschen dabei helfen, diese Phase besser zu überstehen.“
Quelle:
Artikel „Midlife-Crisis ist weltweites Phänomen„ auf www.psychologie.at, vom 18.2.2008.
Gespeichert unter: Arbeit, Forschung, Psyche, Uncategorized | Schlagworte: Glaube, Negativ, Positiv, Schutz, Veränderung, Wille, Zufriedenheit
Der Glaube an Veränderung
Carol Dweck, Entwicklungspsychologin an der Stanford University, fand in ihren Studien heraus, dass Menschen fähig sind, sich zu ändern, wenn sie dies grundsätzlich selbst für möglich halten. Wer glaubt, seine Persönlichkeit und seine Fähigkeiten selbst beeinflussen zu können, ist offener für neue Erfahrungen und riskiert auch mehr. Glaubt ein Mensch hingegen, dass seine Eigenschaften festgefügt und unveränderbar sind, hat er kein Motiv und keinen Ansporn, Neues zu wagen.
Gut für uns: zufrieden mit dem Job, zufrieden mit der Beziehung
Christie Napa Scollon und ihre KollegInnen von der Texas Christian University untersuchten acht Jahre lang 113o Autstralier und fanden dabei heraus, dass jene Menschen, die Gefallen an ihren Jobs hatten, sich im Laufe der Zeit extravertierter und weniger neurotisch verhielten als sie dies zu Beginn der Studie taten. Weiters verhielten sich Personen, die zu Beginn der Studie in einer befriedigenden Beziehung lebten, am Ende der Studie weniger neurotisch, sie waren jedoch gleichzeitig auch weniger außenorientiert.
Über das Positive am Negativen
Aber nicht immer ist Veränderung ausschließlich gut: Ursula Nuber weist in ihrem Artikel „Ein anderer Mensch werden“ auf den wichtigen Punkt hin, dass das, was wir verändern oder loswerden wollen, durchaus auch eine wichtige Funktion haben kann und dass so manche „negativ“ eingestufte Eigenschaft oder „lästige“ Verhaltensweise auch einen tieferen Sinn haben kann. Um das zu verdeutlichen, bringt sie folgendes Beispiel des britischen Wissenschafters Dan Nettle: Viele Wall-Street-Börsenmakler befanden sich vor dem Börsencrash in den 90er Jahren unter dem Einfluss von Antidepressiva, um ihre Ängste zu bekämpfen und ihre Erschöpfung zu verbergen. Dadurch war es ihnen jedoch nicht möglich, angemessen auf den drohenden Zusammenbruch der Märkte zu reagieren. Laut Nettle wäre es für viele Anleger die Rettung gewesen, wenn die Makler neurotischer, pessimistischer und depressiver gewesen wären.
Fazit: Nicht alles Negative ist immer negativ.
Quelle:
Nuber, Ursula: Ein anderer Mensch werden. Psychologie Heute, Dezember 2007, S. 20f.
Gespeichert unter: Forschung, Gesundheit / Krankheit, Kindheit, Psyche, Uncategorized | Schlagworte: inkorporativ, Körper, leibliches Gedächtnis, prozedual, Psychologie heute, situativ, traumatisch, zwischenleiblich
„Das Leibgedächtnis ist der Träger unserer Lebensgeschichte, unserer persönlichen Identität“, schreibt der Psychiater Thomas Fuchs in seinem Artikel Das Gedächtnis unseres Körpers in der Zeitschrift Psychologie Heute im Juni 2006 und erklärt weiter, dass unter „Gedächtnis“ jene Fähigkeit zusammengefasst wird, die es uns ermöglicht, uns an bestimmte Erlebnisse in der Vergangenheit zu erinnern – bewusst, oder häufig eben auch „leiblich“.
Über die Entwicklung eines leiblichen Gedächtnisses: „Übung macht den Meister“
Aber was versteckt sich hinter einem “leiblichen Gedächtnis“? Darunter versteht man die Gewohnheiten, die sich durch Wiederholung und Übung gebildet haben – beispielsweise der aufrechte Gang, das Sprechen und Schreiben, Fahrradfahren, Schwimmen und vieles andere mehr. Im Laufe der Zeit verinnerlichen wir diese Fähigkeiten so stark, dass wir uns gar nicht mehr bewusst daran erinnern müssen, wie wir etwas tun – wir tun es einfach: Wir sprechen, schreiben, tippen, fahren mit dem Fahrrad oder dem Auto etc.
Die verschiedenen Formen des leiblichen Gedächtnisses
Das prozeduale Gedächtnis: Dieses Gedächtnis ist ständig im Hintergrund wirksam und entlastet unsere Aufmerksamkeit vor einer Überfülle an Details. Zum prozedualen Gedächtnis zählen alle automatischen Bewegungsabläufe: eingespielte Gewohnheiten, das Spielen eines Instruments, das Autofahren, am Computer zu schreiben etc.
Das situative Gedächtnis: Das Leibgedächtnis ist gleichzeitig ein Raumgedächtnis und orientiert sich an Situationen, in denen wir uns befinden: So finden wir uns „wie blind“ in unserer Wohnung oder unserer Umgebung zurecht. „Situationen“ sind jedoch mehr als räumliche Gebilde – sie sind ganzheitliche, unzerlegbare Einheiten leiblicher, sinnlicher und atmosphärischer Wahrnehmung. Durch unsere Erfahrungen entwickeln wir einen Blick für das Wesentliche oder Charakteristische einer Situation - man könnte sagen, einen „siebten Sinn“, ein Gespür oder eine Intuition für etwas.
Das zwischenleibliche Gedächtnis: Der Philosoph Maurice Merleau-Ponty bezeichnete die Sphäre des unwillkürlichen Kontakts zwischen zwei Menschen als „Zwischenleiblichkeit“ und meinte damit, dass die Körper von Menschen, die miteinander in Kontakt treten, interagieren und sich laufend abtasten. Zum zwischenleiblichen Gedächtnis zählt auch der erste Eindruck, den wir von einem Menschen erhalten – dieser setzt sich zusammen aus der äußeren Gestalt des Menschen, seiner Wesensart, aber auch seinem persönlichen Stil. Ein Mensch „stellt etwas dar“ und drückt seine Persönlichkeit auch über seinen Körper aus, in seinem Auftreten, seinen Gesten und Gebärden, in seiner Haltung, seinem Gang oder seiner Stimme.
Der Säuglingsforscher Daniel Stern spricht auch von implizitem Beziehungswissen, welches man bereits in der frühen Kindheit im Austausch mit seinen Eltern erlernt: Es handelt sich dabei um ein leibliches Wissen, wie man mit anderen umgeht – wie man mit ihnen Vergnügen hat, Freude ausdrückt, Aufmerksamkeit erregt, aber auch Ablehnung vermeidet.
Das inkorporative Gedächtnis: „Inkorporation“ besagt, dass wir Menschen im Austausch mit anderen auch fremde Haltungen und Rollen übernehmen, wobei dies häufig durch unwillkürliche leibliche Nachahmung oder Identifizierung geschieht. Auch Erziehung oder kulturelle Überformungen prägen sich in unser Körpergedächtnis ein; dies geschieht, indem uns ein bestimmtes Verhaltensmuster bzw. „Manieren“ und „Benehmen“ vermittelt werden.
Das traumatische Gedächtnis: Unser Körper erinnert sich auch an Schmerzerfahrungen und instinktiv spannen wir uns an, ziehen uns zurück oder weichen aus, wenn Schmerzen drohen. So schreiben sich einschränkende und schmerzhafte oder gar traumatische Erlebnisse in dem Leibgedächtnis ein und können sogar zu einem späteren psychosomatischen Leiden führen.
Unser Körper als autobiografisches Gedächtnis
„Das Leibgedächtnis ist der eigentliche Träger unserer Lebensgeschichte, unserer persönlichen Identität.“ so der Psychiater Thomas Fuchs,“Verleiblichte Gewohnheiten machen uns zu Personen mit einer gewissen Konstanz und Verlässlichkeit, sie sorgen dafür, dass wir bei allem äußeren Wechsel dieselben bleiben. Alles, was wir wahrnehmen oder tun, hinterlässt eine Spur in uns.“
Literatur:
Thomas Fuchs (2006): Das Gedächtnis unseres Körpers. Psychologie Heute, 33. Jahrgang, Heft 6, Julius BELTZ GmbH & Co.KG Weinheim: Juni 2006.
Gespeichert unter: Forschung, Gesundheit / Krankheit, Psyche, Uncategorized | Schlagworte: Angst, Auswirkung, Bewegung, Depression, Entspannung, Intelligenz, John Ratey, Naperville, Schule, Spark, Sport, Workout
Der an der Harvard Universität tätige Psychiater John Ratey befasst sich in seinem Buch „Spark: The Revolutionary New Science of Exercise and the Brain“ mit den Auswirkungen, die eine regelmäßige sportliche Betätigung auf das Gehirn hat. An dieser Stelle einige seiner Erkenntnisse:
Sport macht schlau.
Ratey behauptet, dass ein regelmäßiges Trainieren des Körpers auch zu einem Mehr an Intelligenz führt und bezieht sich dabei auf Erkenntnisse aus den 90er Jahren, die an einer Schule in im Bezirk Naperville, Illinois, gewonnen wurden: Der Turnlehrer Phil Lawler ließ die Schüler wöchentlich eine Meile laufen; für die Benotung war für ihn wichtig, wie sehr sich die Kinder im Turnunterricht angestrengt hatten und nicht, was sie tatsächlich konnten. Es stellte sich heraus, dass sich die Kinder nicht nur konditionell verbesserten, sondern dass sich auch deren Leistungen in den Fächern Mathematik und Naturkunde steigerten.
Sport entspannt.
Studien zeigten, dass Menschen, die regelmäßig Sport betreiben, stressresistenter sind als jene, die nicht trainieren: sie bleiben auch in solchen Situationen entspannt, in denen normalerweise Stresshormone freigesetzt werden. „Nach einem intensiven Workout entspannen sich nicht nur die Muskeln, häufig beruhigen sich auch die Sorgen oder die innere Unruhe“, so der Psychiater.
Sport kann Angst und Depression lindern.
Ratey berichtet, er habe einige depressive Patienten in Behandlung, die einen Marathon gelaufen seien und den Beginn der depressiven Gefühle mit dem Ende ihres Trainings in Verbindung gebracht hatten. Für den Psychiater klingt dies plausibel, denn durch das Training würden im Gehirn chemische Prozesse gestartet, die in manchen Fällen sogar zu einem Durchbrechen des Teufelskreises von Grübeln, Angst und Traurigkeit führen können.
Wunderdroge “Sport“.
Außerdem unterstütze ein regelmäßiges Workout dabei, Süchte zu kontrollieren, es erhöht die Konzentrationsfähigkeit und bringt den Geist wieder in Schwung.
Bleibt nur noch eines zu sagen: „In die Laufschuhe, fertig, los!“
QUELLE: Ein Interview mit John Ratey gibts zu lesen bei USA Today – Health & Behavior.
Gespeichert unter: Forschung, Psyche, Uncategorized | Schlagworte: Experiment, Gefühl, Neutralität, Psychologie, Stimmung, Trauer
Menschen, die sich traurig fühlen und auf sich selbst konzentriert sind, neigen dazu, sich und ihren Besitz zu entwerten und in der Folge mehr Geld für Konsumgüter auszugeben – wahrscheinlich, um den eigenen Selbstwert zu steigern. Das fand nun ein interdisziplinäres Forscherteam durch folgendes Experiment heraus: Die TeilnehmerInnen schauten entweder ein trauriges oder ein „emotinal neutrales“ Video an und bekamen danach die Aufgabe, ein alltägliches Konsumgut zu kaufen – z.B eine Flasche Wasser -, wobei der Preis variieren konnte. Das Ergebnis zeigte, dass jene TeilnehmerInnen, die traurige Videos angeschaut hatten, danach dazu tendierten, das bis zu 300-fache für ein- und dasselbe Produkt auszugeben wie Personen, die sich in einem neutralen Gefühlszustand befanden.
Details zu diesem Experiment werden in der Juni-Ausgabe 2008 von Psychological Science unter dem Titel „Misery is not Miserly: Sad and Self-Focused Individuals Spend More“ zu finden sein.
Gefunden auf PsychCentral.