Hermine Mandl Weblog


Resilienz: psychische Widerstandskraft.
September 22, 2007, 8:13
Gespeichert unter: Forschung, Psyche, Resilienz | Schlagworte:

Wie schaffen es Kinder, trotz eines risikobelastenden Umfelds zu positiven Menschen zu werden? Über welche Kraft verfügen sie? Das Zauberwort heißt “Resilienz”. Dahinter verbirgt sich jene (Widerstands-)Kraft, durch die Menschen es schaffen, schwierige Lebensumstände oder -ereignisse ohne schwere Beeinträchtigung zu überstehen, sodass sie trotzdem ein positives Leben führen können.

Einen großen Forschungsbeitrag zu diesem Thema leistete die amerikanische Psychologin Emmy Werner, die 700 Kinder über 40 Jahre lang in der so genannten „Kauai Studie“ begleitete. In dieser Studie kristallisierten sich einige Schutzfaktoren heraus, die dafür relevant waren, dass auch ein Drittel der Risikokinder positiv aufwachsen konnten:

Ein Kind braucht aus verschiedenen Gründen zumindest eine stabile emotionale Beziehung: Zum einen als Zufluchtsort, zum anderen um das Gefühl zu entwickeln zu können, wertvoll zu sein, aber auch um ein Vorbild zu haben, anhand dessen es lernt, wie Probleme konstruktiv gelöst werden können. Wenn die eigene Familie zerrüttet ist, sind es Vertrauenspersonen außerhalb der Familie, die diese wichtige Funktionen übernehmen.

Frühe Leistungsanforderungen an ein Kind - wie etwa für die kleineren Geschwister zu sorgen -  lehren den Umgang mit Verantwortung.

Es gibt einige individuelle Eigenschaften, die sich positiv auf die Resilienz eines Kindes auswirken: ein „ruhiges“ Temperament zu haben, offen zu sein oder über ein spezielles Talent zu verfügen, für das es von Gleichaltrigen Anerkennung bekommt.

Jene Personen mit einer hohen psychischen Widerstandskraft distanzierten sich im Erwachsenenalter immer weiter von ihrem schädigendem Umfeld, sei es durch Weiterbildung, durch die Heirat mit einem stabilen Partner oder auch durch religiöses Engagement.

Laut American Psychological Associationkann Resilienz in jedem Lebensalter erlernt werden, wobei 10 Wege zur Resilienz genannt werden:

  1. Knüpfen Sie Kontakte zu anderen Menschen und bauen Sie ein soziales Netzwerk auf.
  2. Betrachten Sie Krisen nicht als unüberwindbare Probleme.
  3. Akzeptieren Sie, dass Veränderungen ein Teil des Lebens sind.
  4. Entwicklung realistischer Ziele und verfolgen Sie diese.
  5. Lernen Sie sich zu entscheiden. Werden Sie selbst aktiv und nehmen Sie Ihre Probleme selbst in die Hand.
  6. Lernen Sie sich selbst immer besser kennen.
  7. Schenken Sie Ihren positiven Seiten Beachtung.
  8. Bewerten Sie stressreiche Ereignisse in einem breiten Kontext und nehmen Sie eine Langzeitperspektive ein.
  9. Blicken Sie positiv in die Zukunft.
  10. Passen Sie auf sich selbst auf.

weiterführende Literatur:

-George A. Bonanno: Loss, trauma, and human resilience. American Psychologist, 1/2004
-George A. Bonanno u.a.: Resilience to loss in bereaved spouses, bereaved parents and bereaved gy men. Journal of Personality and Social Psychology, Vol. 88, 5/2005
-Karen Kersting: Resilience: The mental muscle everyone has. Monitor on Psychology, 4/2005
-Friedrich Lösel, Doris Bender: Von generellen Schutzfaktoren zu differenziellen protektiven Prozessen: Ergebnisse und Probleme der Resilienzforschung. In: G. Opp, M. Fingerle, A. Freytag (Hg.): Was Kinder stärkt: Erziehung zwischen Risiko und Resilienz. Ernst Reinhardt Verlag, München 1999
-Nuber, Ursula, Resilienz: Immun gegen das Schicksal? In: Psychologie Heute, 32. Jahrgang, Heft 9, Weinheim 2005: Beltz GmbH, S. 20-24
-Corina Wustmann: Resilienz. Widerstandsfähigkeit von Kindern in Tageseinrichtungen fördern. Beltz, Weinheim 2004
-Resilienz: Wikipedia, 22.9.2007


3 Kommentare bis jetzt
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Kann man so annehmen… Kann man aber auch sein lassen. Hätte ich danach gehandelt, wär ich wohl vor die Hunde gegangen….

Kommentar von 1leben

@ 1leben: Möchtest du mitteilen, wie du es geschafft hast, “nicht vor die Hunde zu gehen”?

Kommentar von minam

Habe mich immer gefragt, wie ich bei der Kindheit nicht drogensüchtig oder kriminell oder asozial geworden bin.Wahrscheinlich besitze ich die Gabe der Reselienz.
Jahrgang 38, fast den gesamten Krieg in Berlin erlebt, ausgebombt,evakuiert. Aufgewachsen in Trümmern.Mit Hunger und Armut. Scheidung der Eltern,Trennung von d. Mutter, Kinderheim.Neuer Vater, 14 x umgezogen. Vater gewalttätig. Tod der jüngsten Schwester.
Meine Kinder habe ich anders erzogen. Liebevoll und mit viel Zuwendung. Der Älteste wurde drogensüchtig und starb mit 32 Jahren. Heute frage ich mich, ob es nicht besser ist, der Mensch erlebt Schweres, als ein sorgenfreies Leben zu haben. Ich denke, das macht eher stark.
Jetzt, wo ich alt bin,mag ich aber keine allzu großen Kümmernisse mehr.

Kommentar von Christa Wels




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